Wohnen in Aurich Stadt will sich besser um eigene Wohnungen kümmern
Wer verzweifelt auf der Suche nach einer Wohnung ist, wendet sich oft auch an die Stadt. Die hat die Organisation ihrer Liegenschaften jetzt effizienter gestaltet.
Aurich - Wohnraum wird immer knapper und begehrter − auch in Aurich. Nach Recherchen dieser Zeitung müssen Wohnungssuchende sich auf eine monatelange Odyssee einstellen. Manch ein Interessent wendet sich in seiner Verzweiflung auch an die Stadt Aurich. „Wir erhalten zwei bis drei Anrufe in der Woche“, sagt Jens Reinecke. Der städtische Mitarbeiter ist seit dem 1. Juli für die Liegenschaften zuständig. Vorher lag dieser Bereich viele Jahre lang in der Verantwortung von Gerhard Boekhoff. Der Leiter des Gebäudemanagements ist jetzt nur noch für den Hochbau zuständig, also für die technische Seite der Sparte.
Jens Reinecke bat im Gespräch mit der Redaktion um Verständnis dafür, dass er sich erst in sein neues Fachgebiet einarbeiten müsse. Sein Ziel sei es, eine Bestandsanalyse der Liegenschaften aufzustellen und diese auch digital zugänglich zu machen. Jeder Wohnungssuchende, der bei der Stadt anrufe, solle erfasst werden. Das sei früher auch passiert, aber nicht so systematisch, wie es ihm vorschwebe, so Reinecke. Außerdem möchte er ein Ranking erstellen, damit diejenigen, die am bedürftigsten seien, auch am ehesten eine Wohnung bekämen. Für die Liegenschaften ist ein eigener Fachdienst geschaffen worden, in dem vier Mitarbeiter tätig sind. Er gehört zu dem Fachbereich 2/Finanzen, der seit 1. Juli von Kämmerin Katja Lorenz geleitet wird. Von der Abkopplung der Liegenschaften in den neu geschaffenen Fachdienst verspricht sich die Stadt Aurich eine Aufwertung des Ressorts.
Konzept ist gescheitert
Wie viele Wohnungen die Stadt aktuell im Portfolio hat, konnte Jens Reinecke nicht sagen. Vor drei Jahren hatte die Stadt auf eine Anfrage der Redaktion mitgeteilt, dass sie über 180 Wohnungen verfüge, in denen 380 Mieter wohnten. „Wir sind als Vermieter gefragt“, hatte Gerhard Boekhoff damals gesagt. Für die günstigste Wohnung müsse pro Quadratmeter ein Preis von 3,50 Euro gezahlt werden. Die teuerste liege bei 7,50 Euro. Die Stadt hole keine Schufa-Auskunft ein. Zu ihren Liegenschaften zählen auch 25 Wohnungen am Schlehdornweg. Die Gebäude stammen aus den 30er Jahren und sind fast ausnahmslos sanierungsbedürftig. Bereits vor Jahren hatte es geheißen, dass die Wohnungen nicht mehr vermietet würden, wenn Mieter auszögen. Damals wollte die Stadt ein Wohnraumversorgungskonzept (WVK) entwickeln und zwölf Millionen Euro für das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum in den Haushalt einstellen. Doch das ist durch den Gewerbesteuereinbruch vereitelt worden.
Es waren dann nur drei Millionen Euro übrig, mit denen elf moderne Wohnungen an der Norderstraße errichtet worden sind. Die Linken-Fraktion hatte damals kritisiert, dass diese Zahl ein Tropfen auf den heißen Stein sei, weil der Bedarf so hoch sei. Fast 2000 zusätzliche Unterkünfte müssten bis 2030 in Aurich bereitgestellt werden, hat eine von der Stadt beauftragte Beratungsgesellschaft aus Oldenburg ermittelt.