Hamburg Rettungsaktionen statt Urlaub: So erlebte eine Tierschützerin die Brände auf Rhodos
Verletzte Tiere retten, auf Löschflugzeuge warten und zum Nichtstun verdammt sein. Die Woche auf Rhodos werden Stephanie Fröhlich und ihr Mann wohl nie vergessen. Auch jetzt ist die Sorge der engagierten Tierschützerin noch groß.
„Als wir wieder in Deutschland waren, kam alles nochmal hoch. Die Eindrücke, die Hilfsbereitschaft der Griechen, das Leid der Tiere. Das rührt wirklich zu Tränen. Das werde ich nie vergessen.”
Richtigen Erholungsurlaub haben Stephanie Fröhlich und ihr Mann kaum. Ein Großteil ihres Jahresurlaubs geht für das Ehrenamt drauf. Regelmäßig ist sie auf Rhodos, um sich dort um einsame Tiere zu kümmern und zu helfen. Seit Jahren ist die Frau aus Soest im Sauerland bei dem Verein „Rhodos Pfoten“ aktiv. Der betreibt auf der Insel ein eigenes Tierheim, arbeitet zudem eng mit lokalen Tierschützern zusammen.
Mitte Juli war es für das Paar endlich so weit: Eine Woche Rhodos, ganz ohne Verpflichtungen, stand an – Urlaub auf der Insel, die sie so gut kennen. Viel Zeit zur Erholung gab es nicht. „Wir sind am 16. Juli angekommen, am 17. fingen die Waldbrände im Südosten der Insel an“, sagt Fröhlich.
Immerhin waren die beiden Deutschen selbst nicht betroffen, sie befanden sich weiter nördlich in Faliraki. Doch als die ersten Meldungen der Brände kamen, war klar, dass sie etwas tun mussten.
„Bis die Löschflugzeuge da waren, dauerte es drei Tage und sie waren auch schnell wieder weg. Die einzige Feuerwehr ist in Rhodos-Stadt und brauchte selbst mehrere Stunden”, berichtet Fröhlich. Es sind Eindrücke, die sich mit den Aussagen von internationalen Suchtrupps decken, die der griechischen Regierung mangelhafte Koordination vorwerfen.
„Ich konnte auch nicht verstehen, wieso Griechenland Deutschland nicht schnell um Hilfe gebeten hat”, sagt Stephanie Fröhlich. Ihr Mann Sebastian, selbst Berufsfeuerwehrmann in Deutschland, aber verständlicherweise ohne Ausrüstung in den Urlaub gereist, war zum Nichtstun verdammt. „Das hat ihn fertig gemacht”.
An anderer Stelle konnten die beiden Urlauber aber dringend benötigte Hilfe leisten. Eine Auffangstation für Hunde musste wegen des Brandes evakuiert werden, die gut vernetzte Tierschützerin war damit beschäftigt, für 20 Tiere eine neue Unterkunft zu finden. „Eigentlich gibt es gar keinen Platz mehr”, sagt sie.
Das staatliche Tierheim, Tierärzte und private Pflegestellen nahmen Tiere auf, die Tiere rückten gewissermaßen enger zusammen. „Es sind alles Notlösungen gewesen, eigentlich hätten die Tiere sofort von der Insel runtergemusst”, meint Fröhlich.
Der Verein Rhodos Pfoten kümmert sich gemeinsam mit dem lokalen Partnerverein „Stray Gang Rhodes” auf der Insel um etwa 60 Hunde und unzählige Katzen, die dort meist umher streunen. Längst wurde aufgegeben, alles auf eine Vermittlung nach Deutschland zu setzen, gerade die häufig unkastrierten Katzen vermehren sich zu schnell. Große Kastrationsprojekt von Rhodos Pfoten und anderen lokalen Vereinen sollen vor Ort Abhilfe schaffen.
Mit den Waldbränden hat auch die Tiernot ganz neue Dimensionen erreicht. In den vergangenen Tagen kamen immer wieder welche mit verbrannten Pfoten zum Tierarzt, sagt Stephanie Fröhlich. Die Betreiber einer evakuierten Eselfarm und deren Tiere sind nach dem Brand ebenfalls auf Hilfe angewiesen.
Kadaver von Damwild und Ziegen lagen verbrannt an den Straßen, der Verein bereitet gerade einen neuen Spendenaufruf vor. Darüber wird nicht allein auf Geld für dringend benötigte Medizin und Tierfutter gehofft, sondern auch ganz speziell für Wildtierfutter.
Häufig wurden Mensch und Haustier bei der Flucht vor dem Feuer getrennt, Gatter für Ziegen und Esel aufgemacht und Hunde von der Kette gelassen. „Wenn überhaupt“, sagt Fröhlich mit bebender Stimme. Es gebe auch Berichte von Hunde, die niemand mehr von der Kette löste.
Doch selbst wenn die Tiere freigelassen wurden und sich irgendwie selbst halfen und vor den Flammen flohen: Die Furcht, dass Mensch und Tier nicht mehr zueinander finden, ist groß. Auch, dass die Population der vielen freigelassenen Hunde auf der Insel jetzt stark ansteigt.
Dabei sind die lokalen Tierschützer jetzt schon am Ende ihrer Kräfte. „Das sind Menschen, die einen Vollzeitjob haben, um ihre Familien zu ernähren, sich danach um die Tiere kümmern und dann weiterziehen, um das Feuer zu bekämpfen. Wann sollen die noch schlafen?“, skizziert es Stephanie Fröhlich.
Bei den Fröhlichs in der Nähe, außerhalb des Katastrophengebietes, kamen derweil die ersten Touristen in einer Schule unter. Besonders die Hilfsbereitschaft der Inselbewohner für die internationalen Gäste bleibt der Sauerländerin in Erinnerung. „Das sind Menschen, die nach Corona selbst kaum noch etwas haben und trotzdem jede Hilfe anboten.” Obwohl nach dem Brandausbruch die Versorgung überall auf der Insel limitiert war. Viermal am Tag wurden Wasser und Strom zeitweise komplett abgestellt.
So schleppend die Brandbekämpfung zunächst lief, so schnell waren die griechischen Behörden dabei, sich um die Touristen am Flughafen zu kümmern. Dass sich einer ihrer Mitbürger selbst in dieser Situation noch über Flugverspätungen aufregte – die Löschflugzeuge hatten Vorrang – ist für Stephanie Fröhlich eine Randnotiz zum Kopfschütteln. Vielmehr appelliert sie, dass mehr Urlauber, die noch nach Rhodos wollen, ihre Pläne ändern.
Die Urlauber verbrauchen Ressourcen, die an anderer Stelle benötigt werden. Die Angst, dass der Wind nochmal dreht und das zum Ende der Woche eingedämmte Feuer für Mensch und Tier zu neuen Bedrohung wird, bleibt allgegenwärtig. Für die Menschen auf der Insel – und für die Fröhlichs, die zurück in Deutschland sind und jetzt vorerst nur die Daumen drücken können.