Im Gespräch  Bosse setzt auf Borkums Stimmgewalt

| | 01.08.2023 16:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Früher als Urlauber auf der Insel, bei den Beach Days Borkum als Musiker: Bosse. Foto: Sarah Storch
Früher als Urlauber auf der Insel, bei den Beach Days Borkum als Musiker: Bosse. Foto: Sarah Storch
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Bosse ist in diesem Jahr Stargast bei den Beach Days Borkum. Vor seinem Auftritt am 4. August hat der Popmusiker dieser Zeitung ein Interview gegeben – und verraten, auf was sich das Publikum freuen kann.

Borkum - Popmusiker Axel „Aki“ Bosse („Schönste Zeit“) ist in diesem Jahr der Star bei den Beach Days Borkum. Am 4. August wird der 43-Jährige abends mit seiner Band auf der Open-Air-Bühne am Nordstrand stehen. Bevor es dann heißt „Augen zu Musik an“ fand Bosse Zeit für ein Telefon-Interview.

Bosse und Borkum: Gibt es Erfahrungswerte?

Bosse: Ich glaube, ich habe alle Inseln bei euch schon besucht, außer Juist. Auf Borkum war ich, wenn ich mich recht erinnere, viermal.

Klassischer Familien-Urlaub?

Bosse: Zwei-, dreimal in großer Runde mit meiner Familie und einmal in meinem frühen Erwachsensein. Ich meine, ich wäre auf Borkum auch mal ausgeritten. Da gibt es noch Fotos, die müssten von Borkum sein. Früher als Kind war ich leichter Asthmatiker. Deshalb war bei uns entweder Nord- oder Ostsee angesagt. Damit ich mal ordentlich durchpusten konnte.

Ich hoffe, Sie sind sich bei den Angaben sicher. Letztes Jahr war Max Giesinger bei den Beach Days. Er erinnerte sich im Interview mit dieser Zeitung an ein tolles Konzert auf Borkum, das in Wirklichkeit aber auf Norderney stattgefunden hatte…

Bosse: (lacht) Gibt es eigentlich ein Konkurrenzdenken bei den Inseln?

Ich bin erst seit April 2022 hier. Was ich so gehört habe, gelten Borkum und Norderney nicht unbedingt als die dicksten Freunde.

Bosse: Ich war in meinem Leben bestimmt 40 Mal auf Amrum. Für meine Eltern war immer klar, dass man nicht nach Sylt geht, zu viel Schickimicki. Dann lieber der Campingplatz auf Amrum oder wie in meinem Fall irgendeine Kinderkur.

Bei den Beach Days Borkum steht die Bühne auf dem Strand, mit Blick aufs Meer, dazu später der Sonnenuntergang: Für Sie und Ihre Band sicher auch keine 08/15-Location.

Bosse: Es gibt wirklich alles, auch Konzerte im Sommer, wo ich in irgendeinem Industriegebiet oder einem entlegenen Campus spiele. Da ist es schon etwas anderes für meine Band und mich, wenn man überlegt, jetzt lass uns nach dem Aufstehen direkt mal Schwimmen gehen. Das ist auch für uns etwas Besonderes, was anderes als eine normale Open-Air-Veranstaltung.

Sie haben also Zeit auf Borkum außerhalb des Auftritts?

Bosse: Im Schnitt kommen 30 bis 40 Leute mit, unter anderem, um die Bühne zu bestücken. Bei denen ist es so, dass sie tagsüber arbeiten müssen und ich abends. Ich glaube, wir kommen schon am Abend vorher an, sodass meine Band und ich Zeit haben, bis auf den Soundcheck am Nachmittag. Ich habe immer ein Klapprad mit im Bus und werde mir die Insel angucken. Norderney soll ja wirklich schön sein (lacht).

Sind sind alle schon ein paar Tage dabei. Ist man da vor so einem Konzert noch aufgeregt?

Bosse: Ich mache das bereits eine ganze Zeit lang, Teile meiner Band sind seit 20 Jahren dabei. Wir sind so eingespielt, uns kannst du allen nachts in Norderney am Strand eine Ohrfeige geben und wir spielen sofort ein Konzert (lacht). Früher war ich immer aufgeregt, weil ich das Gefühl hatte, es reicht nicht aus, was ich mache oder es gibt Soundprobleme. Heute ist das nicht mehr so. Da ist nur eine aufgeregte Vorfreude, man hat einfach Bock, Musik zu machen. Das wird an dem Abend auch so sein. Aber es ist nicht so, dass mir vor Borkum jetzt die Füße schlottern.

Und die Texte können Sie sicher auswendig.

Bosse: Alles kommt vom Teleprompter. Nein, Scherz, meinen Text kann ich. Es ist mir aber auch schon auf großen Festivals passiert, dass das letzte Viertel der zweiten Strophe – das ist immer so der Klassiker – manchmal noch nicht richtig sitzt, wenn ein Song neu ist. Da habe ich aber immer Leute, die mitsingen. Die Borkumerinnen und Borkumer sollten schon mal üben (lacht).

Stichwort neuer Song: Auf was kann sich Borkum freuen?

Bosse: Mein neuntes Album heißt „Übers Träumen“ und kommt Ende Oktober raus. Die ganze Platte handelt von Traumszenarien, vom German Dream, also gesellschaftlich gesehen, aber auch vom Fiebertraum. Zu den Songs, die schon veröffentlicht wurden, gehören „Ein Traum“ und „Kreuzbergmädchen“. „Ein Traum“ handelt vom Vermissen und Zurückträumen. Die neuen Songs sind auf Borkum natürlich auch zu hören. Der Rest ist eine wilde Mischung aus all den Jahren. In der Mitte bauen wir meist ein ruhigeres Set ein, weil ich auch Cellisten und Trompeter dabeihabe. Ansonsten wird bei meinen Konzerten grundsätzlich immer sehr viel getanzt, gejohlt, geschrien.

Wenn Sie tanzen: Freestyle oder richtige Choreografie?

Bosse: Alles Freestyle, das Wort Choreografie habe ich selbst glaube ich noch nie ausgesprochen (lacht). Ich lasse den Körper einfach machen.

Max Giesinger habe ich eben schon erwähnt, andere erfolgreiche deutsche Sänger und Stammgäste im Radio sind zum Beispiel Mark Forster oder Johannes Oerding. Wie ist Ihr Verhältnis?

Bosse: Ich mag sie, habe sie auch schon ein paar Mal getroffen. Ich komme aber eher aus der Fraktion Donots, Madsen. Die begleiten mich seit Jahren. Ich habe schon zu Teeanger-Zeiten gedacht: Wenn ich das mache, brauche ich meinen eigenen Stil, meine eigene Sprache, und es soll im besten Fall unverwechselbar sein. Ich bin da ohne jedes Schubladendenken angetreten, schreibe ja auch alle Texte selbst.

Zum Abschluss hätte ich noch ein paar Entweder-Oder-Fragen: Borkum oder Bali?

Bosse: Borkum. Auf Bali ist mir die Luftfeuchtigkeit zu hoch. Das sollen sich ruhig die ganzen Influencer und Influencerinnen geben.

Bratwurst oder Backfisch?

Bosse: Backfisch.

Fähre oder Flugzeug?

Bosse: Fähre. Ich wusste schon als Kind, wenn wir jetzt gleich auf die Fähre gehen, uns oben auf die Sitze setzen und der Wind weht, beginnt der Urlaub.

Insel oder Innenstadt?

Bosse: Innenstadt. Im besten Fall eine kleine Insel in der Großstadt.

Ostfriesland oder Ostwestfalen?

Bosse: Ostfriesland. Immer, wenn man das Wort ausspricht, denkt man an Urlaub.

Kraniche oder Kaninchen?

Bosse: Find ich beide gut.

Wattwanderung oder Wassergymnastik?

Bosse: Wattwandern, habe ich schon ein paarmal gemacht.

Tee oder Tequila?

Bosse: Tee.

Erdgas oder Erneuerbare Energien?

Bosse: Erneuerbare.

BVB oder Bayern?

Bosse: BVB.

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