Wacken So reagieren Metalheads auf die Entscheidung der Wacken-Veranstalter
Der Matsch hat die Veranstalter von Wacken dazu gebracht, am Mittwoch aus Sicherheitsgründen einen Einlassstopp zu verhängen. Unsere Redaktion hat mit gestrandeten Metalheads in der Umgebung des Festivals über die Entscheidung gesprochen – so ist die Stimmung.
Das Wetter sorgt beim Wacken Open Air aktuell für große Probleme. Und die Lage spitzt sich weiter zu. Am frühen Mittwochmorgen haben die Veranstalter die Reißleine gezogen. Seitdem macht sich unter den Fans der Unmut breit – oder auch nicht. Das zeigt eine Umfrage von shz.de unter den in Wacken und Umgebung gestrandeten Metal-Heads.
Verständnisvoll zeigte sich Werner Graumann aus Rostock. Wie viele andere auch ist er auf dem Parkplatz im Gewerbegebiet Gehrn gestrandet. „Leute, das ist ein Kuhacker – der lässt sich nicht mal eben auf die Schnelle in ein trockenes Festivalgelände verwandeln“, sagt der 61-Jährige. Dass er trotz des bereits gestern Abend noch verkündeten Einlassstopps und der Bitte, gar nicht erst anzureisen, doch noch seine Fahrt nach Wacken fortsetzte, erklärt er so:
Natürlich seien er und sein 29 Jahre alter Sohn Lars jetzt ein wenig deprimiert. Allein schon wegen der angekündigten „geilen Bands, die uns jetzt durch die Lappen gehen“. Den Veranstaltern, so betont er ausdrücklich, könne man aber nichts vorwerfen. Die seien ja selbst in der Bredouille. „Und die haben doch alles versucht“, sagt Graumann weiter. Und angesichts der matschigen Fläche sagt er weiter:
Und einen Plan B habe er auch schon: „Wenn wir schon einmal im Norden sind, werden wir uns in der Nähe einen Campingplatz suchen und das WOA dann dort feiern“.
Anders sieht das Jürgen Hölzl, der mit seinen Jungs aus Heidelberg angereist ist und eine lange Nacht auf dem „Highway to Hell“ verbrachte. „Das ganze Organisatorische rund um das Festival herum ist keine Katastrophe, sondern eine Unverschämtheit“.
Er beklagt einerseits, dass man mit Infos nur so überschüttet werde, andererseits aber sei auch längst nicht alles glaubwürdig. Und weiter sagt er: „Dass das Wetter nicht besser wird, war lange vor dem Festival bekannt – da hätten die Veranstalter schon viel früher handeln müssen.“
Gemeinsam hoffen die Heidelberger jetzt, falls sie nicht auf den Holy Ground kommen, dass sie das Geld für die Karte erstattet bekommen. „Von den verfahrenen Spritkosten und dem ganzen Ärger reden wir jetzt erst gar nicht“, so der 58-Jährige seinem Ärger weiter. Ihn ein wenig zu bändigen, versucht derweil Kumpel Peter Strunz. Der 60-Jährige sagt: „Wir bleiben hier solange wir noch Bier und Grillfleisch haben – außerdem wollen wir den Ort noch einmal kennenlernen“.
Peter Strunz: „Daher versuchen wir gleich noch an unsere Bändchen zu kommen – wie auch immer“, sagt er. Bei anderen habe es schließlich auch geklappt. Bester Beweis dafür ist Hubertus von Lintig aus Siegen. „Ohne Probleme habe ich heute Morgen um 8 Uhr noch mein Bändchen erhalten“, zeigt sich der Metal-Fan dankbar. Und das trotz der Ankündigung, dass keine Bändchenausgabe mehr stattfindet.
Doch warum reist man überhaupt noch an, obwohl ein Einlassstopp verkündet wurde: „Weil ich mir vor Ort selber ein Bild machen wollte und grundsätzlich nicht immer all das glaube, was in den sozialen Medien erzählt wird“, sagt der 56-Jährige, der mit dieser Einstellung und dem adligen Namen auf Erfolg stieß.
Verständnis für die Entscheidung der Veranstalter auch hat Sina Frühling aus Bad Segeberg. Auch sie wolle noch versuchen an die Eintrittsbändchen zu kommen.
Die 33-Jährige hat auch einen Plan B: „Ich glaube, ich muss dann trotzdem hier bleiben“, lacht sie und ist dankbar, eine einigermaßen trockene Bleibe auf der Koppel von Kerstin und Sascha Weingardt in Wacken gefunden zu haben. Dass es den Veranstaltern nicht leicht gefallen sei, diese Entscheidung treffen zu müssen, betont die Segebergerin ebenfalls.
„Glücklicherweise habe ich hier auf der Koppel so gut wie keinen Empfang, so dass mir die Beschimpfungen gegen die Veranstalter erspart bleiben“, sagt sie, nachdem sie davon zumindest schon gehört habe. Nun wolle sie Wacken 2023 feiern. „So oder so“.