Wacken Mit dem Rollstuhl im Wacken-Matsch: Caroline Bluhm ist enttäuscht vom Veranstalter
Die 30-Jährige aus der Nähe von Zwickau ist zum ersten Mal auf dem Wacken Open Air und hat ihr Zelt im „Wheels of Steel“-Bereich für Menschen mit Behinderung und anderweitig Eingeschränkte aufgeschlagen. Ihr Mann schafft es kaum, sie im Rollstuhl fortzubewegen.
Die Matsch-Schneisen sind teilweise 30 Zentimeter tief oder hoch, je nachdem, wie man es betrachtet. Wasser steht darin, und das Wacken Open Air (WOA) 2023 hat doch gerade erst angefangen. Am Mittwoch (2. August) gegen 13.45 Uhr wurden die ersten Metalheads in den Wackinger- und Bullhead-City-Bereich des Geländes und in den Vorbereich der Hauptbühnen, des Infields, gelassen, das erst später geöffnet wurde – und zu diesem Zeitpunkt war schon Matsch-Chaos (nicht nur) auf den Hauptwegen angesagt.
Wie das alles werden soll in den nächsten Tagen, wenn das Mega-Festival erstmal richtig in Gange ist – wenn auch wegen des Anreise-Stopps mit zigtausenden Besuchern weniger – fragen sich viele WOA-Besucher. Die Veranstalter seien aber dran, haben viele gehört, und tatsächlich sieht man in vielen Ecken auch noch, dass auf Hochtouren daran gearbeitet wird, Wege mit Platten auszulegen oder diese anderweitig auszubessern beziehungsweise zu präparieren. Ob das aber ausreicht, bleibt fraglich. Man vermisst überall Hackschnitzel oder andere Maßnahmen gegen Matsch, Schlamm und stehendes Wasser.
Caroline Bluhm aus Glauchau bei Zwickau, die im Rollstuhl sitzt, weiß schon jetzt, dass das alles wohl die größte Herausforderung, was das Vorankommen anbelangt, werden wird, die sie jemals mit ihrem Gefährt erleben musste. Sie ist enttäuscht vom Zustand der Wege, sagt: „Alleine wäre das alles für mich gar nicht machbar.“ Angereist ist die 30-Jährige glücklicherweise mit ihrem Mann Mark Rieger, der alles gibt, um sie durch den Schlamm zu schieben, „aber meist muss er mich ziehen, sonst geht es gar nicht voran“. Es ist ihr allererstes WOA, die beiden haben eine achtstündige Anreise hinter sich und mussten auch für 130 Euro im Hotel kurz hinter Hamburg übernachten, weil es seit Montagmittag (31. Juli) ja den Anreisestopp gab – und nun das.
In dem eigens für Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Einschränkungen eingerichteten „Wheels of Steel“-Bereich des WOA seien die Zustände schlimmer, als sie es wegen des Dauerregens erwartet hatte. Sie und ihr Mann haben dort ein Zelt aufgebaut.
Diese, das habe ein Ordner gesagt, würden für die Hauptwege und anderen Haupt-Bereiche benötigt. „Ich hätte nie gedacht, dass es hier so krass ist“, ergänzt Bluhm. Auf dem WOA hat sie den Rollstuhl dabei, in dem sie immer sitzt. Sie ergänzt:
Das alles sei wohl „mehr Werbung als Realität“. Und: „Zu wenige Toiletten gibt es hier auch noch.“ Aufgeben wollen sie und ihr Mann aber nicht, sie wollen sogar bis Sonntag durchhalten.
Die Wacken-Veranstalter äußerten sich auf Nachfrage von shz.de noch nicht zur Situation in der Wheels-of-Steel-Area. Am Mittwochmittag hatten die Wacken-Gründer aber in einem allgemeinen Statement um Verständnis und Geduld für die schwierige Situation aufgrund der Witterung geworben und erklärt, sie und ihr Team würden alles tun, was möglich sei, um für alle Besucher einen reibungslosen Ablauf des Festivals zu ermöglichen.
Bereits aufgegeben hat hingegen Elke Helffenstein aus der Nähe von Frankfurt am Main, die mit ihrem Mann Kurt zum WOA 2023 anreiste und schon etliche Male in Wacken war. Sie hat eine Gehbehinderung und ist mindestens auf einen Gehstock angewiesen, nutzte für das WOA aber auch einen Rollstuhl – und das ging gar nicht. „Wir haben aufgegeben, man hat ja absolut keine Chance, überhaupt zu den Bühnen zu kommen“, teilte ihr Mann bereits am frühen Mittwochnachmittag mit. Sie sind nun auf dem Weg nach Hause.