Lissabon  „Zorn“ über Skandale: Papst Franziskus trifft sich mit Missbrauchsopfern

Jule Pinno
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Von Jule Pinno
| 03.08.2023 12:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Papst Franziskus in Lissabon Foto: Ana Brigida/AP/dpa
Papst Franziskus in Lissabon Foto: Ana Brigida/AP/dpa
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Bei seinem Besuch in Portugal äußerte sich Papst Franziskus nur indirekt zum Missbrauchsskandal. Am Abend traf sich das Oberhaupt mit 13 von den mehr als 4800 Missbrauchsopfern. Nach einer Stunde war das Treffen bereits vorbei.

Viele Anhänger und Missbrauchsopfer der römisch-katholischen Kirche erhofften sich eine Stellungnahme von Papst Franziskus. In seiner Ansprache im historischen Hieronymiten-Kloster von Belém äußerte sich der Papst allerdings nur indirekt zu dem Missbrauchsskandal in Portugal, der im Februar dieses Jahres bekannt wurde.

Die über 4800 Opfer mussten sich damit zufriedengeben, dass er lediglich die zunehmende Entfremdung von der Kirche thematisierte. „Und dies wird oft noch verstärkt durch die Enttäuschung oder den Zorn, den manche gegenüber der Kirche empfinden, manchmal wegen unseres schlechten Zeugnisses und der Skandale, die ihr Antlitz entstellt haben und die zu einer demütigen und beständigen Läuterung aufrufen, ausgehend vom Schmerzensschrei der Opfer, die immer aufgenommen und gehört werden müssen“, sprach der Papst vor den Vertretern der Kirche in Portugal.

Mit 13 der über 4800 Missbrauchsopfer traf sich Papst Franziskus am Abend in der Botschaft des Heiligen Stuhls. Wie der Leiter des Presseamtes des Heiligen Stuhls Matteo Bruni später bekannt gab, habe das Gespräch in einer Atmosphäre des „intensiven Zuhören“ stattgefunden. Nach einer Stunde endete die Begegnung bereits.

Die römisch-katholische Kirche hielt lange Zeit an der Aussage fest, dass es zwar Missbrauchsfälle in ihren Kreisen gegeben habe, aber nicht viele. Wie eine in Auftrag gegeben unabhängige Studie im Februar 2023 zeigte, wurden 4815 Opfer sexueller Übergriffe durch Geistliche und kirchliche Mitarbeiter der Kirche. Das jüngste Opfer war zum damaligen Zeitpunkt zwei Jahre alt. Den Untersuchungen zufolge versuchte die Kirche „systematisch“ den Missbrauch zu vertuschen.

Als Reaktion auf den Bericht hatte Portugals Bischofskonferenz im März abgekündigt, ein kirchliches Komitee einzurichten, an das sich Missbrauchsopfer wenden können. Außerdem sollen die Richtlinien zum Umgang mit derartigen Fällen überarbeitet werden.

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