Wacken Kein Wacken: Darum will Metalfan aus dem Norden Geld für Karte nicht zurück
Hans-Hermann Bock-Carstens aus Flensburg will jetzt schlicht einfach nur beim Wacken Open Air sein – doch das darf er wegen des Besucherstopps nicht. Worauf der Metalfan jetzt hofft.
Hans-Hermann Bock-Carstens aus Flensburg in Schleswig-Holstein ist genervt, enttäuscht, und vor allem ziemlich wehmütig: Noch immer, auch am Donnerstagmorgen, kreisen all seine Gedanken ständig um das Wacken Open Air (WOA) – das gerade stattfindet, aber an dem er nicht teilnehmen darf.
Zwar weiß der 40-Jährige, der schon mehrfach und zuletzt 2017 auf dem Festival war, seit genau einem Tag, dass das WOA 2023 ohne ihn und seine Freunde stattfinden wird, doch der Schmerz sitzt noch immer tief, und so richtig glauben kann er es noch immer nicht. „Unsere Vorfreude war einfach so riesengroß, und ich wollte einfach dieses geile Line-up sehen.“
Seit aufgrund der heftigen Wetterumstände und der durchgematschten Festival-Flächen schon am Montagmittag (31. Juli) zunächst ein Anreisestopp und dann am Dienstagabend das komplette Fahrzeug-Anreiseverbot bis zum Festivalende verkündet wurde, war die Marschroute von ihm und seinen Freunden, mit denen er nach Wacken kommen wollte:
Sie überlegten schlicht, wo sie das Auto lassen würden, mit dem sie aus Flensburg kommen wollten, weil es ja nicht mit aufs Gelände durfte. Doch alles kam anders: Am Mittwochmorgen, zum offiziellen Start des weltgrößten Heavy-Metal-Festivals, wurde dann sogar das vollständige Besuchsverbot für alle, die noch nicht da sind, ausgesprochen.
Der Schock saß auch in Flensburg tief: Sie dürfen schlicht gar nicht mehr kommen, nicht mal im Dorf ist man erwünscht, denn auch dafür wurde für Karteninhaber ohne Festival-Band, ein Verbot ausgesprochen. Die Veranstalter wollen jedem, der in der Situation ist wie Bock-Carstens, den Kartenpreis komplett erstatten, aber er sagt zu den 299 Euro, die er zahlte:
Und vor allem merkt er an: „Was bringt mir die Erstattung des Kartenpreises, wenn ich jetzt kein Ticket für 2024 bekomme.“ Sein Vorschlag deshalb: „Alle, die jetzt eine Karte für 2023 hatten und nicht kommen durften, sollten ein 24-stündiges Vorkaufsrecht auf WOA-Karten für 2024 haben.“
Diese Karten werden laut den Veranstaltern wie üblich „zeitnah nach dem WOA 2023“ online verfügbar sein, und der Run darauf ist erfahrungsgemäß enorm: Die rund 85.000 Karten für das WOA 2023 etwa waren am 8. August 2022, nur zwei Tage nach dem WOA, fünf Stunden nach Verkaufsstart gänzlich weg. Was also, wenn Bock-Carstens nun gar keine für 2024 bekommt?
Und zum Magenta-Live-Stream direkt vom Wacken Open Air, den die Telekom auch 2023 wieder anbietet und den WOA-Gründer Holger Hübner allen Zwangs-Daheimgebliebenen nun ans Herz gelegt habe, sagt er:
Es seien auch die anderen Metalheads, einfach das ganze Drumherum, das einem nun fehle. Insgesamt sagt er aber: „Ich gönne es jedem, der jetzt dabei ist.“
Zum Vorgehen der Veranstalter rund um die schwierige Wettersituation und die Konsequenzen für das Festival sagt er: „Die haben sich ja relativ korrekt verhalten, man kann aber trotzdem die Informationspolitik der Veranstalter monieren, gut – aber ich wüsste nicht, wie ich es an ihrer Stelle besser gemacht hätte.“ Und was machen er und seine Freunde jetzt in ihrem Urlaub, der ohne Wacken stattfindet? Er sagt:
Er hoffe nun, dass man sein Ticket eventuell sogar auf 2024 einfach umschreiben lassen kann, statt Geld zurück zu bekommen, und dass das Line-up ähnlich gut sein wird wie 2023. „Eine 40-Jahre-Show von Doro werden sie ja leider nicht wiederholen können, aber was soll‘s.“ Und mit Blick auf das extrem nasse Wetter sagt er letztlich sogar: „Ein ganz klein wenig bin ich froh drum, nicht durch den Schlamm waten zu müssen.“