Landwirtschaft in Emden  Ihre Angus-Rinder sind längst kein Geheimtipp mehr

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 13.08.2023 14:27 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Angusrind-Züchter Henk Freerksen und Wiebke Schobert bringen ihren Tieren viel Wertschätzung entgegen. Foto: Privat
Die Angusrind-Züchter Henk Freerksen und Wiebke Schobert bringen ihren Tieren viel Wertschätzung entgegen. Foto: Privat
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Henk Freerksen und Wiebke Schobert aus dem Petkumer Hammrich züchten Fleischrinder. Mit ihren Produkten machen sie immer mehr von sich reden.

Emden - Es scheint das Ende der Welt zu sein: Der Wirtschaftsweg im Petkumer Hammrich endet am Bauernhof von Henk Freerksen und seiner Lebensgefährtin Wiebke Schobert. Ringsum sind nur Wiesen und Felder. Wer sich in der Gegend nicht auskennt, findet ohne Navi nur schwer dorthin. Bei Liebhabern hochwertigen Rindfleisches aus regionaler Erzeugung ist dieser abgeschieden gelegene Hof allerdings eine der ersten Adressen.

Binnen weniger Jahre hat sich der „Angushof Freerksen“ zu einem erfolgreichen Zuchtbetrieb der Fleischrinderrassen Deutsch-Angus und Aberdeen-Angus entwickelt. Freerksen und Schobert vermarkten ihre Rinder entweder als Zuchttiere oder als Fleisch, das direkt ab Hof über den eigenen Hofladen verkauft wird.

Sie legen viel Wert auf das Tierwohl: Henk Freerksen und Wiebke Schobert vor ihrem modernen Hofladen namens „Meatbox“. Foto: Müller
Sie legen viel Wert auf das Tierwohl: Henk Freerksen und Wiebke Schobert vor ihrem modernen Hofladen namens „Meatbox“. Foto: Müller

Zunächst war es ein Geheimtipp

Die Fleischerzeugnisse galten zunächst als echter Geheimtipp. Der Hof hat diese Phase aber längst hinter sich gelassen und sich mittlerweile auch mit mordernen Marketinginstrumenten einen festen Stamm von Kunden in ganz Ostfriesland und angrenzenden Regionen aufgebaut. „Das Fleisch zeichnet sich durch Zartheit, eine feine Marmorierung und ein besonderes Aroma aus“, sagt Wiebke Schobert. Wer mit ihr und ihrem Lebensgefährten spricht, spürt schnell, wie viel Herzblut beide in die Zucht und die Haltung ihrer Tiere stecken. „Für uns ist das eine Passion“, sagen der 52-Jährige und seine 13 Jahre jüngere Partnerin.

Ursprünglich handelte es sich bei dem elterlichen Betrieb von Freerksen um einen klassischen Pferdehof. Vor etwa neun Jahren kam die Familie auf die Idee, Angus-Rinder hinzuzunehmen. Sie sollten das fressen, was die bei der Futterwahl eher wählerischen Pferde auf der Weide in Streifen stehen ließen. Schnell merkten Henk Freerksen und Wieke Schobert, dass der Umgang mit den Rindern ihnen viel Spaß machte und so wuchs die Rinderherde nach und nach. Mittlerweile zählen um die 30 Mutterkühe dazu.

„Es ist wie Urlaub auf dem Bauernhof“

Heute betreibt das Paar ihre kontrollierte Herdbuchzucht von Angus-Rindern auf gut 100 Hektar Dauergrünland in ausschließlich extensiver Weidewirtschaft. Im Vertragsnaturschutz arbeitet es auch mit dem Emden Ökowerk und der unteren Naturschutzbehörde der Stadt zusammen. Dabei geht es im Wesentlichen um den Schutz von Wiesenvögeln.

„So bringen wir Landwirtschaft und Naturschutz in Einklang“, sagt Schobert, die im Hauptberuf als Ergotherapeutin arbeitet. Auch ihr Partner betreibt die Landwirtschaft als Nebenerwerb. An drei Tagen pro Woche ist er als Schichtleiter bei der Verladung von Autos im Emder Hafen tätig. Beide merken aber, dass die Zucht und die Direktvermarktung ihrer Rinder immer mehr Zeit in Anspruch nimmt. „Für uns ist das aber mehr wie Urlaub auf dem Bauernhof“, scherzt Wiebke Schobert.

Nähe zur Natur ist den Züchtern wichtig

Die Angus-Rassen kommen ihrem Ziel, so naturnah wie möglich zu wirtschaften, entgegen. Die Rinder seien anspruchslos, genügsam und brächten ihre kleinen Kälber ohne menschliche Hilfe zur Welt. Die Jungtiere bleiben zehn bis elf Monate lang bei ihren Müttern. „Aber auch der Kontakt zwischen Mensch und Tier ist uns wichtig“, so Freerksen. „Unsere Tiere genießen quasi Familienanschluss“, fügt Schobert hinzu. Den Tieren werde „gesunder Respekt“ und „viel Wertschätzung“ entgegengebracht: „Sie erkennen uns schon am Gang, wenn wir morgens um die Ecke kommen.“

Viel Wert legt das Züchterpaar auch auf die artgerechte Fütterung mit Heu und eigener Heulage, das aus dem eigenen Gras gewonnen wird. Auf spezielles Mastfutter oder Wachstumbeschleuniger wird bewusst verzichtet. Als Dünger verwenden die Petkumer nur den von den eigenen Rindern produzierten Festmist. „So entsteht eine geschlossene Kreislaufwirtschaft, von der Umwelt und Natur ebenfalls profitieren“, sagt Schobert.

Geschlachtet wird in einer Landschlachterei

Geschlachtet wird in der Regel einmal pro Monat in einer kleinen Landschlachterei in der Gemeinde Detern (Landkreis Leer). Der Transport dorthin sei für die Tiere stressfrei. „Wir sind auch selbst bis zur Betäubung des Tieres dabei“, sagt Freerksen. Das sei „schon ein schwieriger Moment“, räumt er ein.

Das Sortiment im Hofladen, einem modern gestalteten kastenförmigen Holzbau mit dem englischen Namen „Meatbox“ (deutsch: Fleischbox“) variiert je nach Saison und wird immer wieder erweitert. Mittlerweile gehören beispielsweise auch Burgerpatties, Würste und fertig Zubereitetes in Gläsern dazu.

Der persönliche Kontakt zu den Kunden

Auch die Nachfrage wächst und wächst. Ursprünglich hatten die Züchter zu den Zerlegeterminen in der Schlachterei Bestellungen gesammelt und nur Mischpakete zur Abholung beim Fleischer zusammengestellt. „Von Anfang an war uns wichtig, alles vom Tier zu verwerten“, sagen die Hofbetreiber. Ebenso wichtig sei ihnen der persönliche Kontakt zu den Kunden. „Denn die Verbraucher kaufen heute viel bewusster ein. Sie wollen wissen, wie die Lebensmitteln entstehen und wo es herkommt“, so Schobert. In dieser Hinsicht sei der Angushof „sehr transparent aufgestellt“.

Der Hofladen ist zweimal pro Woche für ein beziehungsweise zwei Stunden geöffnet, es kann aber dort aber auch nach telefonischer Vereinbarung eingekauft werden. Neu ist, dass Kunden sich online Produkte reservieren, vorbestellen oder sich nach Hause liefern lassen können. Ebenfalls neu ist ein Newsletter, der über neue Erzeugnisse und Termine informiert.

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