Regenreicher Sommer  Getreide-Bauern und Müller haben zu kämpfen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 15.08.2023 14:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Deutlich weniger Ertrag als in normalen Jahren erzielt Albert Ohling in diesem Jahr aus seinen Weizenpflanzen. Foto: Ortgies
Deutlich weniger Ertrag als in normalen Jahren erzielt Albert Ohling in diesem Jahr aus seinen Weizenpflanzen. Foto: Ortgies
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Viel zu viel Regen, dazu noch Sturm: Die Getreideernte fällt vielerorts schlecht aus. Darunter leiden nicht nur die Landwirte.

Ostfriesland - Ein Frühjahr mit genügend Regen und etwas Sonne und dann ein relativ trockener, warmer Sommer – so haben es die meisten Getreide-Landwirte gerne. In diesem Jahr ist es anders gekommen. Das Frühjahr war ungewöhnlich heiß, Regen fiel nur wenig. Dafür regnete es in den Sommermonaten oft – und heftig. Und das bringt so manchen Bauern um den Schlaf.

Was und warum

Darum geht es: Regen, Sturm und Vögel drücken Getreidepflanzen und die Stimmung der Landwirte nach unten.

Vor allem interessant für: Landwirte, Konsumenten

Deshalb berichten wir: Wir haben gehört, dass in ganz Deutschland Getreidebauern unter dem regenreichen Sommer leiden. Das wollten wir für Ostfriesland genauer wissen.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

„Besonders schlimm war die Kombination von Starkregen und Sturm“, sagt Albert Ohling. Er baut auf seinem Hof in Emden unter anderem Weizen und Mais an. Ein großer Teil seines Weizens liege nun auf dem Acker, niedergedrückt von Regen und Sturm – und anschließend von Gänsen und Tauben, die sich an den Körnern gütlich taten.

Korn keimt am Halm

Einmal am Boden fange das Korn schnell an, auf dem Halm zu keimen und Wurzeln zu bilden. Das hat Folgen für die Qualität. „Von Backfähigkeit brauchen wir da nicht zu sprechen, das wird allenfalls minderwertiges Futter“, sagt Ohling. Ganz abgesehen davon werde es mit der Ernte in diesen Bereichen seiner Felder schwierig, „da kommt der Mähdrescher kaum unter die Pflanzen“. Er hofft auf drei oder vier sonnige Tage am Stück, damit sich zumindest ein Teil der Pflanzen wieder aufrichten könne. Normalerweise ernte er rund neun Tonnen pro Hektar, „wenn es jetzt fünf werden, dann läuft es gut“, sagt er.

Einen traurigen Anblick bietet das Getreide, das auf den Feldern von Regen und Sturm niedergedrückt wurde. Der Korn bildet am Halm schon Wurzeln. Foto: Ortgies
Einen traurigen Anblick bietet das Getreide, das auf den Feldern von Regen und Sturm niedergedrückt wurde. Der Korn bildet am Halm schon Wurzeln. Foto: Ortgies

Aber auch nach der Ernte rechnet Ohling noch mit Problemen. Damit Korn lagerfähig sei, dürfe es nur noch eine Restfeuchte von etwa 15 Prozent haben. Damit sei aber nicht zu rechnen. „Mit viel Glück kommen wir auf 18 bis 20 Prozent, das heißt, auf uns kommen noch Trocknungskosten zu.“ Und die würden bei den aktuellen Energiepreisen wohl stattlich ausfallen.

Rapsernte war weitgehend zufriedenstellend

Sorgen macht Ohling auch noch die Maisernte. Zwar hätten die Pflanzen ordentlich Kolben angesetzt. Wie groß und kornreich die aber letztlich sein werden, zeige sich erst bei der Ernte. „Die hätten im Frühjahr auch mehr Wasser brauchen können.“

„Es ist eine schwierige Saison“, sagt auch Keno Arends, Berater für Pflanzenbau und Pflanzenschutz bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Allerdings litten nicht alle Landwirte in Ostfriesland gleich stark. Die Wintergerste habe vielfach noch vor dem großen Regen geerntet werden können. Auch die Rapsernte sei weitgehend eingeholt worden mit zufriedenstellenden Erträgen. „Ausreißer nach unten gibt es aber auch“, sagt er.

Mühlen müssen zukaufen

Der Winterweizen sei tatsächlich in diesem Jahr auf vielen Feldern problematisch. „Die Qualität sinkt, das meiste ist aber wohl noch als Futter zu verwenden“, ist seine Einschätzung. Da aber die meisten Getreide-Bauern in Ostfriesland Weizen vor allem als Futter nutzten und nicht zur Herstellung von Mehl, sei für die die Situation nicht so dramatisch.

Aus Sicht von Wolfgang Bohlen, der die Mühle Bohlen in Moormerland betreibt, ist diese Ernte „ein Totalausfall“. Er beziehe das Korn, das in seiner Mühle gemahlen wird, normalerweise von zwei ostfriesischen Landwirten, sagt er. In diesem Jahr komme von dort aber nichts. Deshalb bleibe ihm nichts anderes übrig, als das Getreide aus Altbeständen zu kaufen. „Qualitativ ist das kein Problem, Getreide ist ja lange lagerfähig.“ Deshalb könnten sich seine Kunden darauf verlassen, dass sein Mehl die gewohnte Qualität haben werde. „Aber davon sind ja nicht nur wir betroffen. Wenn alle Mühlen in Deutschland, auch die großen, auf der Suche nach Getreide sind, wird das schnell zum knappen – und teuren – Gut.“

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