Diebstahl aus Haus und Auto  Mehr Einbrüche in Ostfriesland – was ist über die Täter bekannt?

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 15.08.2023 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein Mann mimt einen Einbrecher und benutzt ein Brecheisen, um eine gekippte Terrassentür aufzuhebeln (gestellte Szene). Symbolfoto: Philipp von Ditfurth/dpa
Ein Mann mimt einen Einbrecher und benutzt ein Brecheisen, um eine gekippte Terrassentür aufzuhebeln (gestellte Szene). Symbolfoto: Philipp von Ditfurth/dpa
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Pfingsten wirkte in Ostfriesland wie ein Fest der Diebe – und auch danach sind Gebäudeeinbrüche und Autoaufbrüche nicht aus den Polizeimeldungen verschwunden. Auf was haben es Kriminelle abgesehen?

Ostfriesland - In 21 Polizeimeldungen aus Ostfriesland ging es um Gebäude-Einbrüche, in ungezählten weiteren um Fahrzeug-Aufbrüche – allein im Monat Juli. Das ergab eine Suche mit dem Stichwort „Einbruch“ im Presseportal der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund und der Polizeiinspektion Leer/Emden. Zur Erläuterung: Der „Aufbruch“ ist kein Schlagwort in der Kriminalstatistik vergleichbar dem „Einbruch“, so dass eine Stichwortsuche danach im Presseportal keinen Überblick über geknackte Autos und ähnliches bietet.

Bereits über Pfingsten war unserer Redaktion eine Häufung an Einbrüchen aufgefallen. Über das Wochenende schickten die Polizeiinspektionen elf solcher Meldungen, ein Tatschwerpunkt war in Emden. Auch im ostfriesischen Umland sind derartige Nachrichten der Ermittler an der Tagesordnung. Unsere Redaktion hat sich deshalb bei den ostfriesischen Polizeiinspektionen und der übergeordneten Polizeidirektion Osnabrück nach der Lage erkundigt – und darüber hinaus bei der Polizeidirektion Oldenburg.

Einbrecher im Nordwesten schlagen verstärkt tags zu

Im Bereich des Wohnungseinbruchsdiebstahls meldet die Oldenburger Polizeidirektion von Januar bis Juli 2023 – im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum – „nahezu unveränderte“ Fallzahlen: „Einer leichten Steigerung der Wohnungseinbrüche zur Tageszeit steht eine leichte Abnahme der Einbrüche zur Nachtzeit gegenüber.“ Die Delikte seien während der Ausgangsbeschränkungen der Corona-Pandemie zurückgegangen. Trotz des darauffolgenden Anstiegs sei das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht.

Anders sieht es „beim schweren Diebstahl in/aus Kraftfahrzeugen“ aus. Diesbezüglich berichtet die Polizeidirektion Oldenburg, dass sich die Fallzahlen in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum „behördenweit nahezu verdoppelt“ haben: „So sind bei den Polizeiinspektionen Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, Diepholz und Oldenburg-Stadt/Ammerland maßgeblich Fallzahlensteigerungen zu verzeichnen.“

Darauf haben es die Autoknacker abgesehen

Als „Hauptangriffsobjekte“ bezeichnet die Polizeidirektion „öffentlich abgestellte PKW im städtischen Bereich“. Es werden demnach primär Autos aufgebrochen, „in denen Wertgegenstände von außen sichtbar abgelegt waren“. Das jeweils entwendete Diebesgut liege „deutlich unter 1000 Euro“. Die Täter hätten es unter anderem auf Geldbörsen, Brieftaschen, Taschen, Handtaschen, Mobiltelefone, Tablets, hochwertige Bekleidung und Werkzeuge abgesehen.

Welche Täter stecken hinter den Fahrzeugaufbrüchen? Die Oldenburger Polizeidirektion verdächtigte insbesondere Drogenabhängige. „Den schwerpunktmäßig betroffenen Polizeiinspektionen Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, Diepholz und Oldenburg-Stadt/Ammerland liegen keine Erkenntnisse vor, welche auf eine serienmäßige beziehungsweise bandenmäßige Begehungsweise hindeuten“, heißt es in der Presseauskunft. „Es ist vielmehr von wiederholt handelnden örtlichen Einzeltätern auszugehen, welche die Taten häufig mit der Motivation der Beschaffungskriminalität begehen dürften.“

Unter diesen Bedingungen schlagen Kriminelle bevorzugt zu

„Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass eine begünstigende Tatgelegenheit oft den entscheidenden Anreiz zur Tatbegehung darstellt“, merken die Oldenburger Ermittler an. „Die Polizei appelliert daher dringend an alle Nutzerinnen und Nutzer von Pkw und anderen Fahrzeugen: Lassen Sie keine Wertgegenstände offen sichtbar in Ihren Fahrzeugen liegen.“

Das Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe“ habe „durchaus seine Berechtigung“, berichtet auch die Osnabrücker Polizeidirektion auf die Einbruchs-Aufbruchs-Anfrage unserer Redaktion hin: „Neben gekippten Fenstern, offenstehenden Haus- und Wohnungstüren, offensichtlich verreisten Bewohnern oder im Fahrzeug offenliegenden Wertsachen und Handtaschen werden durch den Täter beziehungsweise die Täter Objekte nach dem Prinzip ,Schnell rein, schnell raus’ ausgewählt, um die Gefahr, gefasst zu werden, möglichst gering zu halten.“

So kann man sich schützen – Empfehlungen der Polizei

„Der richtige Schutz fängt schon beim eigenen Verhalten an“, erläutert die Osnabrücker Polizei-Pressesprecherin Laura-Christin Brinkmann. „Auch, wenn man nur kurz das Haus verlässt: Türen abschließen und Fenster zu! Je schwerer Sie es dem Einbrecher machen, desto eher lässt er von seinem Vorhaben ab. Denn für ihn zählt jede Sekunde.“ Mechanische Sicherungen an Türen und Fenstern seien daher eine gute Investition, da sich der benötigte Kraftaufwand für Einbrecher erhöhe. Entsprechende Modernisierungsmaßnahmen rund um den Einbruchschutz werden durch staatliche Förderungen bezuschusst, wie die Polizei weiter mitteilt.

Die Osnabrücker Direktion berichtet bezüglich Ostfriesland aber von einer anderen Kriminalitätsentwicklung als die Nachbardirektion aus Oldenburg – was Fahrzeugaufbrüche betrifft: „Bei dem Diebstahl an und aus Autos sind in den Polizeiinspektionen Aurich/Wittmund und Leer/Emden in diesem Jahr fallende Zahlen festzustellen.“

Um welche Täterstrukturen geht es in Ostfriesland?

Bei den Gebäudeeinbrüchen hat die Osnabrücker Polizeidirektion im ersten Halbjahr 2023 „steigende Zahlen“ in Ostfriesland festgestellt – verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Aber auch im äußersten Nordwesten war es in diesem Deliktsbereich pandemiebedingt ruhiger geworden. „Die Zahlen aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 dürften längst nicht erreicht werden“, schreiben die Ermittler. Betrachte man einen Fünf-Jahres-Zeitraum, dann seien „die Einbruchszahlen in Ostfriesland stark zurückgegangen“.

Und welche Kriminellen schlagen in Ostfriesland zu? „Hinsichtlich der Täter beziehungsweise Tätergruppen ist bekannt, dass es sich neben den organisierten und bandenmäßigen Tätergruppierungen auch um Einzeltäter oder Gelegenheitsdiebe handelt“, so die Polizeidirektion. „Im Hinblick auf Serientäter lässt sich ebenfalls feststellen, dass es neben den organisierten und bandenmäßigen Serientaten auch Einzeltäter gibt, die immer wieder entsprechende Straftaten begehen.“ Besonders beliebtes „Stehlgut“ seien Bargeld, Schmuck und Elektronik.

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