Mann schlägt Hund  Tierschutzkampagne sorgt für Hass und Hetze

| | 15.08.2023 16:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nur ein Symbolbild: Dieser Hund wartet in Berlin auf seinen Besitzer. Foto: Riedl/dpa
Nur ein Symbolbild: Dieser Hund wartet in Berlin auf seinen Besitzer. Foto: Riedl/dpa
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In Schortens soll ein Hund von seinem Halter übel misshandelt worden sein, Polizei und Veterinäramt ermitteln. Der Tierschutzorganisation Peta reicht das aber nicht. Eine Kampagne sorgte für Druck.

Schortens - Die Misshandlung eines Hundes im friesischen Schortens hat hohe Wellen geschlagen. Die Tierschutzorganisation Peta hatte am vergangenen Freitag ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie eine Person den Kopf eines liegenden Hundes wiederholt auf den Boden knallt und anschließend mit der flachen Hand mehrfach gegen den Kopf des Tieres schlägt. Der Halter lebe in Schortens, so die Tierschutzorganisation, die außerdem kritisierte, dass das zuständige Veterinäramt trotz Videobeweisen und Zeugenaussagen nicht handele.

Was und warum

Darum geht es: Ein Hund wurde misshandelt und eine Kampagne sorgt für Hass und Hetze.

Vor allem interessant für: Hundehalter, Familien, Tierschützer

Deshalb berichten wir: Die Tierschutzorganisation Peta hat uns auf ihre Aktionen aufmerksam gemacht.

Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de

Das ging dann allerdings ziemlich schnell. Das Veterinäramt mit Sitz in Roffhausen stellte den Hund nur einen Tag später sicher, wie die Geschäftsführerin des Zweckverbands Veterinäramt Jade Weser, Melanie Schweizer, auf Nachfrage bestätigt. Die Peta-Kritik lässt sie allerdings nicht gelten: „Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt“, sagt Schweizer.

Der Fall

Die Polizei hatte am 29. Juli Videos von der Misshandlung des Hundes zugeschickt bekommen, wie eine Sprecherin der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland mitteilt. Am darauf folgenden Montag, 31. Juli, seien sie an das Veterinäramt Jade-Weser weitergeleitet worden. Die Behörde ist für die Einhaltung der tierschutzrechtlichen Vorschriften zuständig. Das gilt für landwirtschaftliche Nutztiere wie Rinder oder Schweine ebenso wie für Haustiere. Man habe den Fall geprüft, so Schweizer, die Videos angesehen und mit der ursprünglichen Hinweisgeberin gesprochen; also mit der Frau, die der Polizei die Videos geschickt hatte. Ergebnis: Die Videos stammten aus dem April, so Schweizer, und es habe keine Hinweise gegeben, dass es aktuell Misshandlungen gebe.

Dennoch sei ein Verfahren zum Tierhaltungsverbot gegen den Hundehalter eingeleitet worden, erst einmal in Form einer schriftlich zugestellten Anhörung am 8. August. Mit dem Hundehalter selbst sei zu dem Zeitpunkt noch nicht gesprochen worden. „Wenn man unmittelbar eingreift, muss man schon sehr gute Gründe haben“, erklärt Schweizer das Vorgehen. Einen Tag später meldete sich Peta beim Veterinäramt. Peta ist eine englische Abkürzung und steht für „People for the Ethical Treatment of Animals“, also grob übersetzt: Menschen, die sich für ein ethisches Verhalten Tieren gegenüber einsetzen. Die Organisation war ebenfalls an die Videos gekommen. Auf ihrer Internetseite bietet sie die Möglichkeit, Misshandlungen von Tieren zu melden sowie Videomaterial hochzuladen. Die Erklärungen des Veterinäramtes zum Verfahren stießen bei Peta offenbar nicht auf Verständnis. Zwei Tage später startete die Tierschutzorganisation ihre eigene Kampagne.

Die Kampagne

Peta forderte über ihre Internetseite alle „Tierfreundinnen und Tierfreunden landesweit“ auf, die zuständigen Behörden vor Ort um Hilfe für den Hund zu bitten. Das führte zu einer wahren E-Mail-Flut beim Veterinäramt, mehrere Tausend gingen dort ein. Und die habe man auch alle lesen müssen, so Schweizer, denn: „Man weiß ja vorher nicht, ob es nur grobe Beschimpfungen sind oder ob ein echter Hinweis dabei ist.“ Tatsächlich sei es schon schwierig gewesen, neben der Email-Lektüre die normalen Aufgaben überhaupt noch wahrzunehmen.

Bei der E-Mail-Flut blieb es allerdings nicht. In den sozialen Medien eskalierte die Empörung über die Misshandlung, die Kommentare waren voller Hass und Wut. Und schließlich wurden dort auch Name und Wohnort des Hundehalters genannt. Das blieb auch dem Veterinäramt nicht verborgen, wo man sich dann doch entschied, schnell einzuschreiten. „Wir hatten Angst, dass Halter und Hund Schaden entsteht“, so Schweizer, oder auch, dass der Hund bei irgendeiner Aktion unter die Räder kommen könnte. Am Samstag sei der Hund dann dem Veterinäramt übergeben worden. Wo das Tier sich jetzt befindet, will Schweizer nicht sagen. Das Verfahren zum Tierhaltungsverbot gegen den Mann läuft weiter.

„Wir sind erleichtert, dass der Hund endlich in Sicherheit und nicht länger der Gewalt seines Peinigers ausgesetzt ist“, schreibt Peta zu der Entwicklung. Gegen den Mann habe man Strafanzeige erstattet.

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