Osnabrück  Bei der Linkspartei geht es zu, wie im Tollhaus – sei‘s drum

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 16.08.2023 15:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Hat die Linkspartei verschiedentlich zur Ordnung gerufen: Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Bundestagsfraktion. NUn schmeißt er hin. Foto: dpa/Hendrik Schmidt
Hat die Linkspartei verschiedentlich zur Ordnung gerufen: Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Bundestagsfraktion. NUn schmeißt er hin. Foto: dpa/Hendrik Schmidt
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Paukenschlag bei der Linkspartei: Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch gibt sein Amt ab. Damit wird die Lage bei den Genossen immer dramatischer – und ihre Zukunft immer ungewisser.

Der Aderlass bei der Linken geht weiter. Ausgerechnet inmitten der existenziellen Parteikrise gibt der langjährige Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch sein Amt ab. Erst jüngst hatte die Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali schon ihren Rückzug angekündigt. Hintergrund ist der Richtungsstreit um die Linken-Ikone Sahra Wagenknecht; sie kokettiert seit einiger Zeit offen mit der Gründung einer eigenen Partei. Der Linken droht die Spaltung.

Der „kleine Mann“, dessen Interessen die Partei vorgibt zu vertreten, reibt sich nur noch verwundert die Augen. Die Linke, die sich als letztes soziales Gewissen Deutschlands versteht, gleicht einem Tollhaus, zerlegt sich selbst. Sei‘s drum. In ihrem aktuellen Zustand ist an konstruktive politischer Arbeit ohnehin kaum mehr zu denken.

Viele Menschen fühlen sich inzwischen bei der AfD besser aufgehoben, als bei der Linkspartei. Protestwähler machen ihr Kreuz heute eher rechts als links.

Eine neu gegründete Wagenknecht-Partei könnte die Entwicklung vielleicht stoppen; sicher grübe sie der AfD wohl eher das Wasser ab, als es SPD und CDU/CSU können. Die umstrittene Linken-Politikerin sollte denn auch endlich mit offenen Karten spielen.

In einer solch prekären Lage der Ungewissheit die Fraktion der Linken im Bundestag zu führen, ist sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig, dass Bartsch nun hinschmeißt mithin verständlich. Den Laden zusammenzuhalten wird freilich immer schwieriger.

Wohl jeder, der Bartsch und Mohamed Ali auf den Posten folgt, dürfte damit überfordert sein, die Scherben zusammenzukehren. Schlössen sich Abgeordnete einer neuen Wagenknecht-Partei an, könnte Die Linke ihren Fraktionsstatus verlieren. Das bedeutet: kein Geld und Personal mehr für die Fraktion, weniger Redezeit für die Abgeordneten.

Und dann? Erhöbe sich die neue Linke aus der Asche der alten? Noch ist es nicht soweit, es wäre aber auch nicht weiter schlimm. Die Gründung einer Partei ist nichts, was man beweinen müsste, sondern Ausdruck einer vitalen Demokratie – und vielleicht fände eine dezidiert linke Politik dann auch wieder mehr Gehör bei den Menschen.

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