Landkreis Leer räumt ein Schlimme Pflegemängel in Seniorenwohnanlage Heisfelde
Gravierende Mängel bei der Pflege hat es offenbar in der Seniorenwohnanlage Heisfelde gegeben. Die waren so schlimm, dass einige der Betroffenen Schäden erlitten haben sollen.
Leer - Es muss schon Gravierendes geschehen sein, wenn der Landkreis Leer wie jetzt geschehen die Angehörigen der Menschen, die in der Seniorenwohnanlage Heisfelde betreut werden, kurzfristig „über aktuelle Entwicklungen“ dort informieren will. In der Tat: Der Grund seien „deutliche Pflegemängel“ in der Einrichtung, sagt Kreissprecher Philipp Koenen. Der Landkreis ist Träger der Seniorenwohnanlage und insofern verantwortlich für die Situation dort. Er ist aber gleichzeitig die Heimaufsicht und damit das Kontrollorgan.
Was und warum
Darum geht es: In der Seniorenwohnanlage Heisfelde gibt es offenbar deutliche Defizite in der Pflege – und das wohl schon seit länger als einem Jahr.
Vor allem interessant für: Angehörige von Pflegebedürftigen
Deshalb berichten wir: Uns wurde die Einladung an die Angehörigen der Pflegebedürftigen in der Seniorenwohnanlage zugespielt. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Wie die Pflegemängelaussehen, zeigt ein Blick in den „Pflegefinder“ des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK), der im Internet einsehbar ist. Dort sind die Ergebnisse einer anlassbezogenen Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst vom Mai 2022 zu finden. Anlassbezogen bedeutet, dass es Hinweise auf Missstände gegeben haben muss. In der Tat sehen die Ergebnisse nicht gut aus.
Fehlende Unterstützung bei Medikamenten-Einnahme
Zum Beispiel kamen die Kontrolleure bei ihren Stichproben zu dem Ergebnis, dass Personen mit Bewegungseinschränkungen in ihrer Mobilität so schlecht unterstützt werden, dass sie schon negative Folgen erlitten hätten oder in der Gefahr stünden, dass das passiert. „Schwerwiegende Qualitätsdefizite“ lautete das Urteil der Experten. Genauso schlecht war nach deren Einschätzung die Unterstützung bei der Körperpflege oder bei der Medikamenten-Einnahme.
Nur geringfügig besser sei die Situation bei der Betreuung von Menschen, die unter Inkontinenz leiden, und bei der Vermeidung oder Linderung von Schmerzen. Hier lautet das Urteil des Medizinischen Diensts „erhebliche Qualitätsdefizite“. Auch hier hatte die Situation schon negative Folgen für die Betroffenen.
Keine Besserung
Die Überprüfung, aus der diese Daten stammen, ist schon 15 Monate her. Anfang Juni habe es eine weitere Untersuchung des Medizinischen Dienstes und des Landkreises gegeben, teilt Simon Kopelke, Pressesprecher des Verbands der Ersatzkassen (VdEK) Niedersachsen mit. Die Kassen geben die Überprüfungen beim Medizinischen Dienst in Auftrag.
Die Ergebnisse der jüngsten Untersuchung, die ohne konkreten Anlass geschehen sei, seien aber noch nicht öffentlich zugänglich. Dass sie aber wohl wieder nicht allzu gut ausfallen werden, lässt eine Äußerung Koenens vermuten: „Trotz aller Bemühungen ist es leider noch nicht gelungen, diese Mängel komplett abzustellen.“
Festes Szenario
Werden bei einer anlassbezogenen Überprüfung, wie im Mai 2022, Mängel deutlich, gebe es ein festes Szenario, sagt Kopelke. Zunächst habe die Heimleitung drei Wochen Zeit für eine Erklärung. Dann gebe es vom VdEK, eine Anweisung, welche Mängel abzustellen sind. Dafür wiederum habe die Einrichtung vier Wochen Zeit und müssen den Vollzug dem VdEK ausdrücklich bestätigen.
Hauptgrund für die Situation in der Seniorenwohnanlage Heisfelde sei wohl der Personalmangel, unter der die Einrichtung leidet: „Als singuläre Einrichtung können wir uns nicht aus einem Personalpool bedienen, um Ausfälle auszugleichen. Auf dem freien Markt finden wir aber derzeit auch keine Fachkräfte und müssen diese für viel Geld bei Personaldienstleistern anwerben“, so der Kreissprecher. Aber auch „individuelle Fehler“ hätten zur aktuellen Situation geführt.
Pflegesituation rasch verbessern
Nun sei die dringlichste Aufgabe, die Pflegesituation rasch zu verbessern: „Die uns anvertrauten Menschen müssen im Sinne einer guten Pflege bestmöglich versorgt werden“, so Koenen. Grundsätzlich hätten in der Einrichtung 98 Menschen Platz, aktuell leben dort nach Auskunft des Landkreises aber nur 53. Es sei schon vor einiger Zeit ein Aufnahmestopp verhängt worden, der immer noch gelte.
Grund dafür sei neben den Pflegemängeln auch die bauliche Situation in der Einrichtung. Die Seniorenwohnanlage verfüge über viele Doppelzimmer, die sich ein gemeinsames Badezimmer teilten: „Das ist nicht mehr zeitgemäß. Daher sind die meisten Doppelzimmer nur einfach belegt. Es gibt bereits ein Konzept, um einen Umbau dieser Doppelzimmer in Einzelzimmer mit separatem Bad vorzunehmen“, sagt der Kreissprecher.
Um die Pflegesituation zu verbessern, seien für jeden Bewohner die Pflegemaßnahmen individuell neu erstellt worden. Pflegefehler würden gezielt angesprochen, das Personal werde regelmäßig geschult. „Außerdem wurden Pflegefachkräfte über den Pflegeschlüssel hinaus eingestellt“, so Koenen.