Hannover  Niedersachsen: Helfen Pensionäre gegen den Lehrermangel?

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 16.08.2023 16:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Niedersachsen will Lehrer, die kurz vor der Pension stehen, ermuntern, weiterhin zu unterrichten. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Niedersachsen will Lehrer, die kurz vor der Pension stehen, ermuntern, weiterhin zu unterrichten. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
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Am Donnerstag geht die Schule in Niedersachsen nach den Sommerferien wieder los. Kultusministerin Julia Willie Hamburg hat dabei eine große Sorge: den Lehrermangel. So will die Grünen-Politikerin gegensteuern.

Lehrer, die auf ihre Pensionierung zusteuern, erhalten neuerdings Post von Kultusministerin Julia Willie Hamburg. Die Grünen-Politikerin wirbt angesichts des Lehrermangels in ihrem Schreiben darum, dass die Pädagogen weiter unterrichten. „Wir informieren aktiv darüber, wie eine Weiterarbeit über die Pensionsgrenze hinaus gestaltet werden kann“, sagte die Ministerin am Mittwoch in Hannover bei der Vorstellung der Eckpunkte für das neue Schuljahr.

Nach den Sommerferien beginnt für rund 841.000 Schüler in Niedersachsen an diesem Donnerstag wieder der Unterricht. Damit ist die Zahl deutlich gestiegen: Im Vorjahr betrug die Gesamtschülerzahl gut 812.400. Der Anstieg liegt auch an der Zahl ukrainischer Kinder und Jugendlicher, die das Land mit etwa 18.000 angibt.

Rund 82.000 Kinder werden am Sonnabend eingeschult (Vorjahr: 80.000). Aufgrund steigender Geburtenzahlen ist auch für die nächsten Schuljahre mit ansteigenden Zahlen zu rechnen.

Gleichzeitig ringt das Land um neue Lehrer. Als einen Baustein zur Nachwuchsgewinnung hat die rot-grüne Koalition kurz vor den Sommerferien angekündigt, die Lehrergehälter anzuheben. So sollen die Einstiegsgehälter vieler Lehrer zum 1. August kommenden Jahres steigen. Für Lehrkräfte in Grund-, Haupt- und Realschulen sollen die Gehälter vollständig auf die Besoldungsstufe A13 angehoben werden.

Ministerin Hamburg betonte in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass gleichzeitig auch die Gehälter für Lehrer mit gesondertem Verantwortungsbereich (Funktionsstellen) angehoben werden. „Das Abstandsgebot wird eingehalten“, machte die Ministerin deutlich.

Für den Beginn dieses Schuljahres hatte das Land eigenen Angaben zufolge 1753 Lehrerstellen ausgeschrieben, konnte bislang aber nur 1427 besetzen. „Das Einstellungsverfahren bleibt offen und wird auch nach dem Beginn des Schuljahres intensiv fortgesetzt. Ob grundständig ausgebildete Lehrkräfte oder Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger: Wir stellen in den nächsten Wochen weiter mit Hochdruck ein“, versicherte Hamburg.

Bereits Anfang dieser Woche hatte sich auch Ministerpräsident Stephan Weil gegenüber unserer Redaktion dafür ausgesprochen, stärker um pensionierte Lehrer zu werben. „Natürlich haben wir ein Interesse daran, dass pensionierte Lehrerinnen und Lehrer darüber nachdenken, ob sie nicht in Teilzeit in die Schule zurückkehren und Unterricht machen wollen“, sagte Weil.

Mit ihrem Schreiben an kurz vor der Pensionierung stehende Lehrer setzt die Ministerin nun sogar früher an und will versuchen, die Pädagogen zumindest in Teilzeit an den Schulen zu halten. Hamburg räumte allerdings auf Nachfrage unserer Redaktion ein, dass die große Mehrheit der Lehrer gar nicht bis zur Pensionsgrenze von 67 Jahren im Dienst bleibe. „Zu meiner Zeit als Landtagsabgeordnete hatte ich mal eine entsprechende Anfrage gestartet. Da lag die Quote derjenigen, die vorzeitig aus dem Schuldienst ausscheiden, bei um die 90 Prozent“, erinnerte die Ministerin sich.

Um zu verhindern, dass Lehrer ausgebrannt den Dienst quittieren, steht seit einiger Zeit das CARE-Angebot zur Verfügung. CARE steht für „Chancen Auf Rückkehr Ermöglichen“. „Es ist wichtig, gerade in belastenden Zeiten auch den Gesundheitsschutz in den Blick zu nehmen. Ich freue mich, dass es gelungen ist, ab dem kommenden Jahr diese Angebote dauerhaft zu verstärken“, erklärte Hamburg.

Unterdessen blickt der Landesschülerrat angesichts des Lehrkräftemangels besorgt auf das neue Schuljahr und auch der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte sieht „kein Licht am Ende des Tunnels“. Während der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Fühner, an die Ministerin appelliert, die zur Verfügung stehenden Lehrerstunden effizienter und flexibler zuzuweisen und unterrichtsfremde Aufgaben verstärkt von nicht lehrendem Personal wahrnehmen zu lassen, macht der Bildungspolitiker Harm Rykena von der AfD einen radikaleren Vorschlag: „Der Ganztagsunterricht muss vorübergehend ausgesetzt werden. Dadurch würden genügend Lehrkräfte frei.“

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