Eröffnung verschoben Darum dauert der Bau des Emder Festspielhauses so lange
Die Emder Kulturchefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer nennt die Gründe für weitere Verzögerungen beim Umbau des Neuen Theaters zum Festspielhaus. Sie hat aber ein festes Ziel.
Emden - Die vor gut zwei Jahren begonnenen Arbeiten am neuen Festspielhaus am Wall verzögern sich zwar erneut, dennoch halten die Stadt und ihr Kulturbetrieb Kulturevents Emden an der Eröffnung im Herbst fest - vorausgesetzt es läuft alles mit. Das sagte Kulturchefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer dieser Zeitung am Mittwoch bei einem Rundgang auf der Baustelle. Sie trat damit Spekulationen entgegen, nach denen in diesem Jahr nicht mehr mit einem Abschluss beim Umbau des früheren Neuen Theaters gerechnet werden könne.
Das Ziel, im Herbst fertig zu werden, sei zwar „sportlich“, sie sei aber zuversichtlich, dass es erreicht werden könne, so Rogge-Mönchmeyer. Auf einen genauen Termin oder Monat wollte sie sich allerdings nicht festlegen lassen. Obwohl die Baustelle gegenwärtig auf Unbeteiligte noch nicht den Eindruck mache, biege der aufwändige Umbau „langsam auf die Zielgerade“ ein. „Es ist alles in Arbeit“, sagte die Kulturchefin.
Kulturevents steht unter Druck
Kulturevents steht auch unter Druck. Denn der städtische Kulturbetrieb muss Fristen wahren, um die millionenschweren Zuschüsse des Landes Niedersachsen für das Festspielhaus zu bekommen. Bis Ende Oktober müssen alle Rechnungen der beteiligten Firmen bei der N-Bank als Fördermittelgeber vorliegen, so die Betriebsleiterin.
Ihre Zuversicht stützt sie auch auf Erfahrungen, die sie 2011 bei ihrer damaligen Tätigkeit als Geschäftsführerin der Stadthalle Bremerhaven machte. Damals entstand in ihrer Regie die Eissportarena in Bremerhaven. „Dort hatte ich 14 Tage vor der Eröffnung auch nicht geglaubt, dass alles rechtzeitig fertig wird“.
Andere Theater schließen anstatt zu bauen
Doch mittlerweile seien die Zeiten anders. Die Umsetzung eines Projektes wie das Festspielhaus sei auch im Hinblick auf Lieferengpässe und Preissteigerungen aber gegenwärtig ungleich schwieriger. Der Fachverband der Gastspielbranche rate eigentlich dazu, Bauvorhaben gegenwärtig nicht zu realisieren. „Andere Städte machen deshalb ihre Theater lieber vorübergehend zu“, sagte Rogge-Mönchmeyer.
Der offiziell am 26. Juni 2021 mit einem sogenannten Abrisskonzert gestartete Umbau des früheren Neuen Theaters in Emden stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Damals war noch das ehrgeizige Ziel ausgegeben worden, zum Filmfest im Juni 2022 fertig zu sein. Doch die Corona-Pandemie machte schnell einen Strich durch die Rechnung.
Corona wirbelte Bauablauf durcheinander
Auf Ausschreibungen habe es damals keine oder nur völlig überhöhte Angebote gegeben. Sie hätten deshalb teils wiederholt werden müssen - mit entsprechenden Fristen. Widersprüche konkurrierender Firmen hätten zu weiteren Verzögerungen geführt.
Probleme bereitete auch die Suche nach Kampfmitteln, zumal das Gelände als potenziell gefährdet ausgewiesen war und es auch einen konkreten Verdachtsfall gab. Das habe deutlich umfangreichere Sondierungen erforderlich gemacht als zunächst vorgesehen.
Tiefengründung zog sich hin
In der Folge habe sich auch die Tiefengründung hingezogen. Im Frühjahr dieses Jahres hätten weitere Pfähle gesetzt werden sollen. „Das bedeutete weitere Verzögerungen von einigen Wochen“, so die Kulturchefin. Hinzu gekommen seien unerwartete Asbestfunde bei Abbrucharbeiten, die längere Baustopps erforderten.
Einer der Hauptgründe für die Verzögerungen im Bauablauf sei aber die Gas-Krise im Herbst des vorigen Jahres gewesen. Die Folge: Deutsche Hersteller konnten zu der Zeit kein Glas für die gläserne Front des neuen Festspielhauses liefern.
Glas für die Fassade kam aus Tschechien
Das Thermoglas wurde schließlich aus Tschechien geliefert. „Die Qualität musste allerdings zunächst von einem Gutachter geprüft werden“, so die Betriebsleiterin. Die Freigabe erfolgte erst einen Tag vor Jahresende 2022. Das wiederum wirbelte den Bauablauf erneut durcheinander. „Denn die Arbeiten sind alle miteinander verzahnt“, so Rogge-Mönchmeyer. Auch die Montage der Glasscheiben sei nicht problemlos verlaufen.
Weil die Fassade des Foyers zunächst nicht geschlossen werden konnte, verschoben sich den Angaben der Kulturchefin zufolge auch die Estricharbeiten und der Einbau der Fußbodenheizung um mehrere Monate. Das habe weitere logistische Probleme geschaffen, weil die beauftragten Firmen ihren Personaleinsatz umplanen mussten.
Kosten liegen bislang im Rahmen
Kopfzerbrechen bereiteten den Verantwortlichen auch die Montage der Elektrotechnik im Winter, weil Kabel nur bei Raumtemperaturen über fünf Grad Celsius montiert werden dürfen. Zuletzt verzögerten sich wegen des unbeständigen Wetters in den vergangenen Wochen auch die Dachdeckerarbeiten an den Garderobengängen. Weil das Dach stellenweise leckte, kam auch der Trockenbau nicht voran.
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Zur Entwicklung der Kosten wollte sich Rogge-Mönchmeyer im Detail noch nicht äußern. Aktuell liege man zwar im Kostenrahmen, Verteuerungen schließe sie aber nicht aus. Ursprünglich war man von rund 4,7 Millionen Euro ausgegangen. Etwa 2,7 Millionen von dieser Summe kommen vom Land.
Im April war bekannt geworden, dass sich das Vorhaben um etwa 1,1 Millionen verteuert. Zu dieser Summe gehören unter anderem die Ausstattung des Gastronomiebereiches sowie eine neue Tontechnik (Dolby Atmos), die es auch in modernen Kinos gibt. Beides wird nicht vom Land gefördert.