Umbau auf der Zielgeraden  Emden rollt Festspielhaus-Besuchern den roten Teppich aus

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 18.08.2023 18:57 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So sieht das Foyer des neuen Festspielhauses in der computergestützten Visualisierung aus: Rechts ist der Elektrokamin zu sehen. Die weißen Säulen in der Eingangshalle sind auf diesem Bild zum Teil nur angedeutet. Grafik: Hinsche Gastrodesign
So sieht das Foyer des neuen Festspielhauses in der computergestützten Visualisierung aus: Rechts ist der Elektrokamin zu sehen. Die weißen Säulen in der Eingangshalle sind auf diesem Bild zum Teil nur angedeutet. Grafik: Hinsche Gastrodesign
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Der Emder Kulturbetrieb gibt Details über Farben und Formen der Einrichtung des neuen Festspielhauses bekannt. Für einen echten Hingucker ist die Chefin schon jetzt Feuer und Flamme.

Emden - Die Stadt Emden und ihr Kulturbetrieb Kulturevents rollen für Besucherinnen und Besucher des neuen Festspielhauses am Wall einen roten Teppich aus - und zwar dauerhaft. Denn das Foyer des multifunktionalen Theater- und Kongresshauses soll einen Bodenbelag in einem sattroten, leicht gesprenkelten Farbton erhalten.

Was und warum

Darum geht es: um die Einrichtung des neuen Festspielhauses am Wall in Emden

Vor allem interessant für: Besucherinnen und Besucher von Kulturveranstaltungen in Emden und diejenigen, die sich für Design interessieren

Deshalb berichten wir: Der städtische Kulturbetrieb hat weitere Details zur Einrichtung und Ausstattung des neuen Festspielhauses am Wall preisgeben. Unsere Redaktion hatte einen Rundgang über die Baustelle mit den Verantwortlichen gemacht.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Der Teppichboden wird gegenwärtig noch von einem namhaften deutschen Hersteller produziert, sagte Kulturevents-Chefin Kerstin Rogge-Mönchmeyer dieser Zeitung. Die Bodenfarbe ist aber nur ein Detail der neuen und großzügigen Eingangshalle, deren Gestaltung zumindest in der computergestützten Visualisierung schon Formen angenommen hat.

Diskussionen sind vorprogrammiert

Wer aber die Emderinnen und Emder kennt, weiß schon jetzt, dass die Farbgebung des Teppichs Diskussionen und Spott in der als „rote Hochburg“ bekannten Stadt geben wird. So gab der Volksmund beispielsweise auch dem „roten Platz“ vor der Löwen-Apotheke in der Fußgängerzone Zwischen Beiden Sielen wegen seiner roten Klinkerpflasterung schnell seinen Namen.

Der Blick in die Geschichte des früheren Neuen Theaters zeigt, dass es schon einmal kontroverse Debatten um den Teppichboden im Foyer gab. Die liegen mehr als 30 Jahre zurück. Damals war die mittlerweile durch einen Neubau ersetzte Eingangshalle des Theaters erstmals seit Eröffnung im Jahr 1980 umgestaltet worden.

Der alte Teppich war legendär

Den Bodenbelag, den die Verantwortlichen damals wählten, war nicht wie jeder andere. Seine Optik drängte sich dem Gast förmlich auf. Viele Besucherinnen und Besucher störten sich an dem markanten Muster mit den Kreisen in den knalligen Emder Farben Gelb, Rot und Blau, die in einem Gitternetz aus schwarzen Quadraten und auf hellgrauen Grund ineinander übergingen. Manche soll der Anblick sogar regelrecht schwindelig gemacht haben.

Legendär: Emdens knalliger Theater-Teppich aus den 1980er Jahren machte manchen Besucher schwindelig. Foto: Ortgies/Archiv
Legendär: Emdens knalliger Theater-Teppich aus den 1980er Jahren machte manchen Besucher schwindelig. Foto: Ortgies/Archiv

Bei anderen löste das Muster des berühmten amerikanischen Künstlers Sol LeWitt damals hingegen Beifall aus. Aber alle gewöhnten sich schließlich daran. Vorgeschlagen hatte das für damalige Zeiten hochmoderne Design der frühere Stern-Herausgeber, Kunstsammler und Kunsthallen-Stifter Henri Nannen. Viele Emderinnen und Emder haben sich nach Beginn der Umbauarbeiten im früheren Neuen Theater kleine Stücke des legendären Teppichs zur Erinnerung gesichert. Kulturevents verkaufte sie zugunsten der Musischen Akademie und der Malschule der Kunsthalle.

Feuer und Flamme für ein Objekt

Für Diskussionen dürfte im Foyer des neuen Festspielhauses aber auch ein weiteres Detail sorgen. Ein runder Elektrokamin, der durch einen ausgeklügelten Wasserdampfeffekt in Kombination mit Licht ein realistisches Flammenspiel erzeugen soll. „Wir wollten noch einen echten Hingucker“, sagt Kerstin Rogge-Mönchmeyer über die Wahl dieses Objekts. Sie ist buchstäblich Feuer und Flamme dafür.

Bei der Farbauswahl für Wände, Säulen und Einrichtungsgegenstände im Foyer sollen anthrazitfarbene und dunklere Töne vorherrschen und einen warmen Kontrast zum Rot des Bodens bilden. Es wird auch einen Gastronomiebereich mit einem Tresen geben. Dort entsteht auch ein Kühlraum zur Lagerung von Getränken und Speisen, der die Logistik des Caterings vereinfachen soll. Die Möbel aus variabel zusammensetzbaren Sitzelementen und Stuhlgruppen verteilen sich im Raum.

Auch die Theatersessel sind tiefrot

Auch die neue Bestuhlung des Theatersaals hat ihre Besonderheiten. Sie ist bereits geliefert worden und lagert gegenwärtig noch in der Nordseehalle, bevor sie montiert und aufgestellt wird. Die Theatersessel haben eine tiefrote Farbe, sollen den Angaben zufolge sehr bequem und komfortabel sein. An der Auswahl der Sessel war auch die Politik beteiligt. Die Mitglieder des Stadtrates durften schon mal zur Probe sitzen und aus etwa zehn verschiedene Mustern nach festgelegten Kriterien wählen.

Ähnlich wie in Kinos werden die Plätze auch mit Getränkehaltern ausgestattet. Gläser oder Flaschen dürfen aus Sicherheitsgründen aber nicht mit den Saal genommen werden. Getrunken wird künftig aus Bechern, die der von Kulturevents beauftragte Gastronomieausstatter aus Oldenburg eigens für das Festspielhaus entwirft.

Es gibt weniger Sitzplätze als vorher

Angeordnet werden die Sitzplätze in drei Blöcken, die über ein neues Treppensystem erschlossen werden. Der mittlere davon hat 20 Plätze pro Reihe. In den beiden Seitenblöcken sind es etwa die Hälfte. Das Festspielhaus wird laut der Kulturchefin insgesamt über 585 Plätze verfügen, wobei die genaue Zahl noch variieren kann. Das sind etwas weniger als im früheren Neuen Theater. Dafür soll es deutlich mehr Beinfreiheit als im alten Theater geben.

Für Besucher, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, können je nach Bedarf oben und unten eigene Plätze eingerichtet werden. Der obere Bereich wird über einen Fahrstuhl zu erreichen sein, der bereits installiert ist. Der Parkettbereich wird größer. Auch die versenkbare Vorbühne kann dazu genommen werden, um für verschiedene Zwecke Tische und Stühle für bis zu 100 Leute aufzustellen.

Das Festspielhaus soll künftig multifunktional genutzt werden und auch eine Kongressstätte werden. „Erste Anfragen dafür gibt es schon“, sagte Rogge-Mönchmeyer. Sie denkt dabei an Veranstaltungen mit zwischen 300 und 500 Gästen. Für sie sollen jeweils auch touristische Rahmenprogramme für mehrtägiger Aufenthalte gestrickt werden. Auf dem Wunschzettel der Kulturchefin steht dabei auch ein neuer Bootsanleger am Stadtgraben, der an dem Gelände des Festspielhauses entlang führt.

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