Sylt  Klimaaktivisten in Pinguin-Kostümen blockieren Sylter Flughafen – 17 Festnahmen

Barbara Glosemeyer
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Von Barbara Glosemeyer
| 25.08.2023 09:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Aktivisten versuchen den Sylter Flughafen zu blockieren. Foto: Axel Heimken
Aktivisten versuchen den Sylter Flughafen zu blockieren. Foto: Axel Heimken
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Eine Gruppe mit dem Namen „Am Boden bleiben“ wollte am Freitagmorgen den Flugverkehr auf Sylt lahmlegen. Es wurden insgesamt 17 Personen festgenommen.

Heute Morgen gegen 8.15 Uhr haben Aktivisten den Flughafen auf Sylt blockiert. Zuvor hatten sie laut Polizeimitteilung ein Zaunelement des Sylter Flughafens zerstört und konnten so in den Sicherheitsbereich und auf das Rollfeld des Flughafens gelangen. Dort fuhren sie zunächst auf Fahrrädern und Inlineskatern herum und verteilten sich auf dem gesamten Gelände. Die sofort alarmierte Polizei konnte weitere Aktivisten daran hindern, das Gelände zu betreten.

Es wurden laut Polizei insgesamt 17 Personen festgenommen und für weitere polizeiliche Maßnahmen zum Polizeirevier Sylt gebracht. Gegen 10.30 Uhr befanden sich keine Aktivisten mehr auf dem Gelände des Flughafens.

Die 17 festgenommenen Personen wurden nach Feststellung und Aufnahme der Personalien wieder entlassen und mussten die Insel verlassen. Acht von ihnen, die sich unbefugt Zugang zum Flughafengelände erschafft hatten – die anderen waren vor dem Gelände – erhalten zudem ein Aufenthaltsverbot für die Insel, wie Polizeisprecherin Sandra Otte mitteilte.

Der Flugverkehr musste für die Dauer des Einsatzes eingestellt werden. Wie Flughafenchef Peter Douven gegenüber unserer Redaktion sagte, hat der Flughafen Strafanzeige gestellt. Es werde jetzt ermittelt, wie viele Privatjets wegen des Einsatzes zurückgeschickt werden müssen. Diese Kosten sollen den Aktivisten in Rechnung gestellt werden, kündigte Peter Douven an. Der Flughafen wurde am Mittag wieder für den regulären Flugverkehr freigegeben, nachdem auch per Drohne sichergestellt war, dass sich keine Aktivisten mehr auf dem Gelände verstecken. Einschränkungen im Linienverkehr hat es nach Auskunft des Flughafenchefs nicht gegeben.

Der Flughafen wurde am Mittag wieder für den regulären Flugverkehr freigegeben, nachdem auch per Drohne sichergestellt worden war, dass sich keine Aktivisten mehr auf dem Gelände verstecken. Einschränkungen im Linienverkehr hat es nach Auskunft des Flughafenchefs nicht gegeben.

Einer der Aktivisten hatte sich vor dem Flughafen-Eingang in einer Art selbstgebautem Hochsitz niedergelassen, musste aber nach Aussage von Augenzeugen wegen Kreislauf-Problemen mit Hilfe herabgelassen und behandelt werden.

Zum Ende der Aktion gesellten sich auch noch Punks dazu, die seit gut fünf Wochen gegenüber vom Flughafen ihre Zelte aufgeschlagen haben. Sie setzten sich vor das gegenüber liegende Gebäude der Feuerwehr Westerland und zeigten ein Transparent mit der Aufschrift „Bezahlbarer Wohnraum statt Kurzstreckenflug“. Außerdem sangen sie „I don‘t like die Polizei“, waren aber ansonsten friedlich.

Die Aktivisten geben an, dass sie zur Gruppe „Am Boden bleiben“ gehören, die laut ihrer Website „für drastisch reduzierten Flugverkehr, enkeltaugliches Reisen und eine lebenswerte Zukunft“ kämpft. Sie fordern ein Verbot für Privatjets.

In einer von der Gruppe veröffentlichten Pressemitteilung heißt es: „Wir bringen den Klima-Protest dorthin, wo er hingehört: auf die Insel der Reichen. Hier am Sylter Flughafen landen täglich viele Privatjets – jeder einzelne dieser Flüge ist ein Ausdruck von Klima-Ignoranz, absurden Privilegien und lebensfeindlichem Kapitalismus. Das können wir nicht länger hinnehmen.“

Die Strecke Hamburg-Sylt sei eine der meist beflogenen Privatjet-Strecken Deutschlands, heißt es in dem Statement. Ein Privatjet von Hamburg nach Sylt verbrauche, rund 70-mal mehr CO₂ als ein Mensch, der mit dem Zug reist.

Es dürfe nicht sein, „dass es Menschen gibt, die es sich leisten können, mal eben mit dem Privatjet ein Wochenende nach Sylt zu fliegen, um da von denen versorgt zu werden, die täglich pendeln müssen, weil eine Wohnung auf Sylt unbezahlbar ist“, heißt es weiter. Regulierungen seien möglich, wenn der Wille da wäre. Der Amsterdamer Flughafen etwa wolle Privatjets verbieten.

Die erste medial-wirksame Aktion hatte „Am Boden bleiben“ 2020 zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER. Auch damals protestieren die Mitglieder als Pinguine verkleidet.

Sylt ist in diesem Sommer nicht das erste Mal zum Ziel von Klimaaktivisten geworden. Bereits im Juni hatten Mitglieder der „Letzten Generation“ mit diversen Sprüh-Aktionen die Insel unsicher gemacht. Auch ein Privatjet am Flughafen war dabei das Ziel der selbsternannten Klimaschützer geworden.

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