Moskau  Wagners Nummer Zwei: Wer war Dmitri Utkin?

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 26.08.2023 21:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Russland legten Menschen Blumen vor Bildern des Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin (l.) und des Wagner-Gründers Dmitri Utkin ab. Sie sollen in einem Flugzeug gesessen haben, das am Mittwoch abstürzte. Foto: AFP/Vladimir Nikolayev
In Russland legten Menschen Blumen vor Bildern des Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin (l.) und des Wagner-Gründers Dmitri Utkin ab. Sie sollen in einem Flugzeug gesessen haben, das am Mittwoch abstürzte. Foto: AFP/Vladimir Nikolayev
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Er scheint der eigentliche Kopf der russischen Privatarmee Wagner gewesen zu sein – zumindest militärisch gesehen: Dmitri Utkin. Gemeinsam mit Jewgeni Prigoschin stürzte er mutmaßlich mit einem Flugzeug in den Tod. Was ist über den Mann im Schatten bekannt?

Jewgeni Prigoschin war der Chef der russischen Söldner-Truppe Wagner, in der Öffentlichkeit die Nummer Eins. Doch es gab einen Mann in seinem Schatten. Einen, der die Fäden gezogen haben soll. Wagners Nummer Zwei: Dmitri Utkin.

Beide haben mutmaßlich – gemeinsam mit anderen wichtigen Wagner-Vertreten – in einem Privatflugzeug gesessen, dass am Mittwoch, 23. August, auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg im nordrussischen Gebiet Twer abstürzte. Keine Überlebenden.

Und so starb nicht nur der Kopf der Söldner-Truppe, sondern mit Utkin auch ihr militärischer Führer. Was ist über den Wagner-Kommandeur bekannt?

Er war der Mann, der der Gruppe ihren Namen gab. Ehemals Offizier des russischen Militärnachrichtendienstes (GRU), legte er sich dort den Spitznamen „Wagner“ zu – Hitlers Lieblingskomponist. Unter anderem kämpfte er während dieser Zeit in Tschetschenien.

Geboren wurde Utkin 1970 in der russischen Stadt Asbest. Das geht aus einer Recherche des „Dossier Center“ hervor, dass kriminelle Aktivitäten verschiedener Personen, die mit dem Kreml in Verbindung stehen, verfolgt. Noch in jungen Jahren soll seine Mutter demnach mit ihm in einen kleinen Ort im Zentrum der Ukraine – die damals noch Teil der Sowjetunion war – gezogen sein.

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Im Gegensatz zu Prigoschin hielt sich der 53-Jährige, der als Neonazi galt, lieber im Hintergrund auf, vermied Kameras. Auch wenn nicht viele Bilder von ihm existieren, so gibt sein nackter Oberkörper auf einigen wenigen doch den Blick auf Tattoos frei, die an Nazi-Symbole erinnern. Unter anderem handelt es sich wohl um SS-Runen, mit denen er im Übrigen auch seine Befehle unterschrieben haben soll. Seinen Chef soll der mit „Heil Petrowitsch“, der Codename für Prigoschin, begrüßt haben.

2013 wurde er Söldner in Syrien. Dort nahm er an der Operation des Slawischen Korps bei, der dem brutalen syrischen Herrscher Baschar al-Assad half, seine Macht zu sichern. Schon nach kurzer Zeit kommandierte Utkin seine eigene Einheit innerhalb des Korps.

Als seine Zeit in Syrien vorerst endete, gründete Utkin die private Wagner-Armee. Zum ersten Mal trat sie 2014 bei der Besetzung der damals noch ukrainischen Halbinsel Krim in Erscheinung. Anschließend spielten die Söldner unter der Führung ihres Mitgründers auch im Donbass eine Rolle, im Frühjahr 2023 dann vor allem in der ukrainischen Stadt Bachmut.

Ende 2021 bezeichnete die EU Utkin als Kriegsverbrecher, denn ihm wurden zahlreiche Gräueltaten vorgeworfen. Der glatzköpfige Hüne schreckte offenbar nicht davor zurück, sich die Hände schmutzig zu machen. Unter anderem soll er für Folterungen und Hinrichtungen verantwortlich sein.

Weiterlesen: „Verräter“: Wagner-Söldner exekutieren Ex-Kameraden auf brutale Weise

Bis zuletzt habe Prigoschins rechte Hand die militärische Befehlsgewalt über die Söldner gehabt, wie die international renommierte Wagner-Forscherin Karen Larsen vom Danish Institute for International Studies (DIIS) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte. So soll Utkin auch die fast 5000 Mann starke Truppe, die vor zwei Monaten im Zuge des Aufstands Kurs auf Moskau nahm, angeführt haben. Der Wagner-Chef selbst hatte keinerlei Kampferfahrung.

Dass Prigoschin bis zu seinem Putschversuch ein enger Vertrauter Putins war, ist längst bekannt. War er doch bekannt als „Putins Koch“, zeigte sich immer wieder öffentlich mit ihm. Doch auch Utkin schien dem russischen Machthaber nahe gestanden zu haben. Zumindest existieren auch hier Bilder – wenn auch wenige und bereits einige Jahre alt –, die den brutalen Söldner zusammen mit Russlands Präsident zeigen.

Bevor Prigoschin vor rund einem Jahr zugab, die Wagner-Armee mitgegründet zu haben, galt Utkin als deren Kopf. „Der Tod von Utkin ist ein schwerer Schlag für Wagner“, resümiert Expertin Larsen gegenüber des RND.

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