Erst Joggen, dann Vortrag Bundesliga-Schiedsrichter Deniz Aytekin war in Leer
Einer der bekanntesten Unparteiischen Deutschlands verbrachte einen Tag in Ostfriesland. Was hinter dem Besuch steckt und wer in alles traf.
Leer - Jan-Henrik Koppelkamm saß gemütlich mit Kumpel Onno Janßen in einem Leeraner Café. Dann kam dem Frauen-Trainer des SV TiMoNo ein vorbeijoggender Mann sehr bekannt vor. „Der sieht aus wie Deniz Aytekin“, sagte Koppelkamm zu Janßen, der bei TuRa Westrhauderfehn in der Fußball-Bezirksliga spielt. „Das ist Deniz Aytekin.“ Einer der bekanntesten und beliebtesten Fußball-Schiedsrichter Deutschlands. Da der groß gewachsene Unparteiische gerade seine Laufrunde beendet hatte, nutzte Jan-Henrik Koppelkamm die Gunst der Stunde, um Aytekin anzusprechen. Da nahm dieser gerade seine Kopfhörer aus dem Ohr und hatte sein Handy in der Hand. „Wir haben kurz gequatscht, viel Zeit hatte er aber nicht“, schildert Koppelkamm.
Denn nur gut 20 Minuten nach Beendigung seines Laufes stand der Termin an, weshalb Deniz Aytekin am Dienstag überhaupt nach Leer gekommen war. Er war als Gastredner einer Firmenveranstaltung der Ostfriesischen Volksbank in Leer geladen.
Anekdoten vom Bundesliga-Fußballfeld
Seine Finger dabei hatte Guido Mülder, Bereichsleitung für Firmenkunden der Seeschifffahrt bei der Volksbank, mit im Spiel. „Wenn solch ein bekannter, guter und erfahrener Schiedsrichter nach Ostfriesland kommt, dann wäre es super, wenn Jungschiedsrichter von hier auch was davon haben“, sagt Guido Mülder. Gesagt, getan. Bevor Deniz Aytekin Firmenkunden der Bank Anekdoten und Erfahrungswerte seiner langen Karriere als Profi-Schiedsrichter erzählte, hatte er sich noch die Zeit für 15 Schiedsrichter aus der Region und wenige weitere extra geladene Gäste genommen.
„Das waren talentierte junge Schiedsrichter, die überwiegend in der Bezirksliga pfeifen“, sagt Peter Bartsch. Der Ex-Schiri war als Vorsitzende des Stadtsportbundes Emden vor Ort. „Deniz Aytekin ist nicht nur eine echte Erscheinung, sondern auch ein sehr umgänglicher Typ. Er trat mit den Jungs in Dialog und hat alle Fragen beantwortet“, so Bartsch.
Aytekin mit Video-Botschaft
Aytekin, der mittlerweile auf 219 Bundesliga-Spiele kommt und bereits zweimal Schiedsrichter des Jahres geworden war, wendete sich in einer Videobotschaft an alle Unparteiischen der Region. „Ostfriesland-Schiris, gebt Gas. Wir brauchen wieder einen Ostfriesen in der Bundesliga. Denn ich werde langsam alt. Deshalb brauchen wir junges Blut und vielleicht kommt der nächste aus Ostfriesland“, sagte Aytekin in einem Video, das auf der Instagram-Seite „ostfrieslands_schiris“ verbreitet wurde.
Der 45-Jährige selbst ist kein Ostfriese, sondern wohnt in Oberasbach (Bayern). Bislang haben es zwei ostfriesische Schiedsrichter in die Herren-Bundesliga geschafft – wenn auch „nur“ als Assistent. Und das ist schon lange her. Der Warsingsfehntjer Günther Rosendahl ist im vergangenen Jahr im Alter von 76 Jahren verstorben. Und auch der Ihrhover Hans-Georg Füllbrunn hat das 70. Lebensjahr schon überschritten.