Wegen Einsturzgefahr gesperrt  Entwarnung für die bröckelnde Brücke auf dem Emder Wall

Stephanie Schuurman
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Von Stephanie Schuurman
| 07.09.2023 17:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kein Christo: Die Einhausung der „Neutorpiepe“ dient als Schutz gegen abbröckelnde Fugen und Gesteinspartikel. Bild: Schuurman
Kein Christo: Die Einhausung der „Neutorpiepe“ dient als Schutz gegen abbröckelnde Fugen und Gesteinspartikel. Bild: Schuurman
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Die „Neutorwallpiepe“ auf dem Wall nahe der Pizzeria ist seit einem Jahr für die Durchfahrt auf dem Wasserweg wegen Einsturzgefahr gesperrt. Noch eine letzte Messung, dann folgt wohl die Freigabe.

Emden - Anfang Oktober vergangenen Jahres schien die historische Brücke am Albringwehrster Zwinger wortwörtlich aus den Fugen zu geraten. Das Baudenkmal aus dem Jahr 1789 zeigte Risse auf, das Mauerwerk des Tonnengewölbes aus roten Ziegeln bröckelte an einer Stirnwand derart, dass die Durchfahrt für jeglichen Sportbootverkehr gesperrt wurde. Gefahr in Verzug hieß es seinerzeit. Sogar Arbeitsfahrzeuge des Bau- und Entsorgungsbetriebs Emden (BEE) durften diese Stelle auf dem Hinter Tief laut einer Arbeitsanweisung nicht mehr passieren.

Jetzt könnte die Sperrung auf dem Hinter Tief wieder aufgehoben werden, weil die bisherigen Untersuchungen eine akute Einsturzgefahr nicht bestätigt haben, die zunächst angenommen worden war. „Diese Woche steht noch eine Messung aus“, sagte Wolfgang Fecht, verantwortlich für das Sachgebiet Straßen- und Brückenbau beim BEE. „Wenn dann keine Auffälligkeiten mehr festgestellt werden, geben wir die Durchfahrt zeitnah wieder frei.“

Vergleichszeitraum mit allen Witterungsbedingungen

Der lange Zeitraum für die Bauwerksuntersuchungen sei nötig gewesen, um Gewissheit zu erlangen. „Wir sind für die Sicherheit verantwortlich“, betonte Fecht. In regelmäßigen Abständen und unter allen Jahreszeiten beziehungsweise Wetterbedingungen sei deshalb an bestimmten Punkten die Brücke auf ihre Statik und mögliche Bewegung als Ursache für die bröckelnde Stirnseite gemessen worden. Für den Vergleich brauche es eben einen gewissen Zeitraum mit allen typischen Witterungseinflüssen.

Nicht sonderlich elegant, aber zweckmäßig: Die Schutzfolien-Befestigung berhalb der Brücke am Wallweg zur Auricher Straße. Bild: Schuurman
Nicht sonderlich elegant, aber zweckmäßig: Die Schutzfolien-Befestigung berhalb der Brücke am Wallweg zur Auricher Straße. Bild: Schuurman

Beauftragt mit Messungen und Analysen ist das Ingenieursbüro M. Grote aus Papenburg, das nun auch einen „ersten Ansatz“ zur Sanierung erarbeitet habe. Auch dazu müssten aber noch Abstimmungen getroffen werden, so Fecht. Was die Sanierung der sogenannten Neutorwallpiepe letztlich kosten wird, ist somit noch nicht geklärt.

Der Denkmalschutz muss bei der Sanierung beachtet werden

Dabei spielt auch der Denkmalschutz eine gewichtige Rolle. Denn es gilt, möglichst die historische Substanz zu erhalten. Und das kostet bekanntlich neben Zeit auch Geld. Die „Neutorwallpiepe“ ist eine von noch sechs Bogenbrücken dieses Typs in Emden und gilt als eine der ältesten Brücken in der Stadt. Noch deutlich älter soll die Blumenbrücke sein, die um 1620 herum gebaut worden sein soll. Auch sie führt über das Hinter Tief.

Auf jeden Fall ist die Einhausung mit weißer Plane und Vlies nicht als erster Schritt zur Sanierung zu sehen, dafür sei weiterhin kein Zeitplan gesetzt. „Mit dem provisorischen Konstrukt können wir aber gegebenenfalls abbröckelndes Material auffangen und somit die Durchfahrt wieder erlauben“, sagte Fecht.

Gewässer wird vor Freigabe noch gereinigt

Sollte die letzte Messung grünes Licht geben, werde auch noch einmal das Hinter Tief gereinigt. Die Passage ist aktuell unter anderem durch eine umgestürzte Esche erschwert. Und zusätzlich wuchert das Grün nach einjähriger Nutzungs-Pause an dieser Stelle kräftig. Zudem müssen dann auch noch die rotweißen Sperrketten und die Straßenschilder entfernt werden, die der BEE ebenfalls provisorisch aufgehängt beziehungsweise am Ufer aufgestellt hatte.

Allein Fußgänger und Radfahrer durften seit dieser Zeit die Brücke oberhalb nutzen, für den motorisierten Verkehr ist sie ohnehin gesperrt. Für Paddler hingegen ist augenblicklich noch eine Umleitung ausgeschildert. Und auch wenn die Sommersaison jetzt dem Ende zugeht, „dürften sich die Bootjefahrer freuen, wenn sie noch in diesem Jahr wieder direkt in die Stadt paddeln können“, sagte Fecht.

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