Knackpunkt Verkehrsanbindung Neues Baugebiet in Aurich liegt auf Eis
Die Lage ist verzwickt: Für ein neues Baugebiet in Aurich-Kirchdorf stellt der Ortsrat Bedingungen, die der Landkreis nicht erfüllen will. Müssen die Pläne nun beerdigt werden?
Aurich - Ist das geplante Baugebiet im Auricher Stadtteil Kirchdorf noch zu retten? Die Lage ist vertrackt. Der Bauausschuss des Stadtrats hat dem Bebauungsplan noch nicht zugestimmt. Zunächst soll die Stadt Aurich klären, ob das Wohngebiet nicht doch eine direkte Anbindung an die Kirchdorfer Straße (K 111) erhalten kann. Darüber entscheidet der Landkreis Aurich – und der hat wiederholt erklärt, dass er zusätzliche Einfahrten in die Kirchdorfer Straße ablehne, da dies die Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs beeinträchtigen würde. „Die Verkehrsbedeutung und -belastung der K 111 hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen“, argumentierte kürzlich Landkreis-Pressesprecher Rainer Müller-Gummels. Eine weitere Zufahrt würde dieses Problem verschärfen.
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Der Ortsrat Kirchdorf hat allerdings die Anbindung an die K 111 zur nicht verhandelbaren Bedingung erklärt. „Ohne eine Zufahrt über die Kirchdorfer Straße kann dieses Baugebiet nicht verwirklicht werden“, sagte Volker Rudolph von der Wählergemeinschaft Grün-Alternative Politik (GAP). „Das ist wirklich eine unabdingbare Voraussetzung für eine Zustimmung.“
„Dann können wir das Ding beerdigen“
Das neue Baugebiet mit 80 Wohneinheiten soll eine Lücke zwischen zwei bestehenden Wohngebieten am Hohen Weg und am Schwarzen Fehn schließen. Es wird von der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) entwickelt und vermarktet. Anwohner protestieren seit Monaten gegen das Vorhaben, die von Wallhecken umgebene Weidefläche zu bebauen. Sie sehen eine enorme Verkehrsbelastung auf sich zurollen. Der Verkehr zu den neuen Häusern soll durch die Straßen der benachbarten Wohngebiete fließen. Aus Sackgassen mit Blick ins Grüne würden somit Durchfahrtsstraßen. Dies könnte durch eine Anbindung an die K 111 verhindert werden.
Hendrik Siebolds (Die Linke) fand im Bauausschuss klare Worte: „Wenn der Ortsrat das wirklich ernst meint, können wir das Ding hier und heute beerdigen.“ Der Landkreis werde nicht von seiner Position abrücken, sagte Siebolds, und das zu Recht: „Man würde dort einen Gefahrenpunkt schaffen, insbesondere für Radfahrer.“
Politik muss Farbe bekennen
Der Bauausschuss hat die Entscheidung vertagt und die Stadtverwaltung beauftragt, den Landkreis zunächst um eine Stellungnahme zu bitten. Man werde nun die Kreisverwaltung anschreiben und noch einmal die Argumente darlegen, erklärte Planungsamtsleiter Mirko Wento im Gespräch mit der Redaktion. „Man kann natürlich darüber diskutieren“, sagte er, aber eigentlich sei die Haltung des Landkreises bekannt, und der habe nun mal zu entscheiden. Die Stadt brauche jetzt eine verbindliche Aussage der Kreisverwaltung. Das Thema werde dann im Bauausschuss des Stadtrates erneut auf die Tagesordnung kommen. Am Ende müsse die Politik entscheiden, so Wento.
Fazit: Wenn der Landkreis – was zu erwarten ist – die direkte Anbindung an die Kreisstraße ablehnt, muss die Politik Farbe bekennen: Beugt sie sich dem Druck der Anwohner und beerdigt den Plan eines Baugebiets in Kirchdorf, oder setzt sie sich über die Bedenken hinweg und riskiert somit weiteren Protest? Man darf gespannt sein.