Barenburg/Sulingen  Frau verletzt, 17-Jährige getötet: Verdächtiger im Fall Diepholz festgenommen

Patrick Kern, dpa
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Von Patrick Kern, dpa
| 13.09.2023 11:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Polizei hat nach zwei Gewalttaten im Landkreis Diepholz den Tatverdächtigen Andreas B. festgenommen. Foto: Nordwest-Media
Die Polizei hat nach zwei Gewalttaten im Landkreis Diepholz den Tatverdächtigen Andreas B. festgenommen. Foto: Nordwest-Media
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Zwei Gewalttaten in kurzer Zeit erschüttern den Landkreis Diepholz in Niedersachsen. Die Polizei sieht einen Zusammenhang. Der flüchtige Tatverdächtige Andreas B. ist gefasst.

Nach dem gewaltsamen Tod einer 17-Jährigen im Landkreis Diepholz ist der gesuchte Tatverdächtige gefasst worden. Er sei am Mittwochabend, 13. September, festgenommen worden und habe dabei keinen Widerstand geleistet, teilte die Polizei mit. Das Auto des 42-Jährigen war gegen 19 Uhr an der A7 festgestellt worden, wie es hieß. Rund eine Stunde später sei es im Raum Schwarmstedt zur Festnahme gekommen.

Gegen den 42-jährigen Tatverdächtigen aus der Region lag ein Haftbefehl vor. An diesem Donnerstag, 14. September, will die Polizei über weitere Details in dem Fall informieren.

Der Verdächtige soll zwei Gewalttaten begangen haben: Zu dem gewaltsamen Tod einer 17-Jährigen in Barenburg kommt ein versuchtes Tötungsdelikt in Sulingen im Landkreis Diepholz. In beiden Fällen sei die Vorgehensweise ähnlich gewesen. Jedes Mal sei die Tatwaffe ein Messer gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

Das Amtsgericht Verden hatte am Mittwochnachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den 42-Jährigen erlassen – wegen des Verdachts des vollendeten und des versuchten Totschlags.

Der Polizei zufolge soll der 42-Jährige am frühen Mittwochmorgen vor einem Fast-Food-Restaurant in Sulingen eine 30 Jahre alte Frau angegriffen und mit einem Messer schwer verletzt haben. Zeugen verhinderten einem Polizeisprecher zufolge Schlimmeres und halfen der Frau. Sie wurde mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Zeugenaussagen hätten einen dringenden Tatverdacht gegen einen 42-Jährigen aus Kirchdorf ergeben, sagte der Polizeisprecher.

Wie die „Kreiszeitung“ am Mittwoch berichtete, soll die Polizei im Zuge der Ermittlungen am Morgen einen Bauernhof gestürmt haben, in dem der mutmaßliche Täter leben soll.

Die Polizei sieht auch einen Zusammenhang mit der Tötung der 17 Jahre alten Schülerin. Die Jugendliche war am Sonntagabend mit ihren Inlineskatern unterwegs gewesen. Ein Radfahrer fand die leblose Schülerin und alarmierte die Polizei, die sofort mit der Spurensuche am Tatort begann. Eine Obduktion bestätigte, dass die junge Frau einer Gewalttat zum Opfer gefallen war. Sie wurde demnach erstochen. Die Polizei schloss sowohl einen Verkehrsunfall als auch ein Sexualdelikt aus.

Die junge Frau war am Sonntagabend tot im benachbarten Barenburg in einem Straßengraben gefunden worden. Die 25-köpfige Mordkommission „Inliner“ hatte daraufhin ihre Arbeit aufgenommen.

Der gewaltsame Tod erschütterte die Menschen in der Region. Zu einem Trauergottesdienst am Dienstagabend seien seiner Schätzung nach rund 400 Menschen gekommen, sagte Pastor Klaus-Joachim Bachhofer von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Kirchdorf.

Die Kirche stehe derzeit von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends offen, um Abschied von der jungen Frau zu nehmen. Es sei ein großes Bild der 17-Jährigen aufgebaut worden, und es bestehe die Möglichkeit, Kerzen anzuzünden und zu beten, sagte Bachhofer: Am Mittwochabend sollte es erneut einen Trauergottesdienst geben.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe der Tatverdächtige seine Opfer zufällig ausgewählt und diese unkontrolliert attackiert, so die Polizei. Andreas B. ist den Ermittlern zufolge als gefährlich einzustufen.

Wie die Zeitung „Die Harke“ unter Berufung auf das Amtsgericht Stolzenau berichtet, war der gesuchte Mann schon vorher der Polizei bekannt. Demnach soll er im Juni 2016 einen 14-jährigen Jungen vom Fahrrad gezerrt, ihn auf den Beifahrersitz seines Autos geschubst und mit ihm davon gefahren sein – „um ein bisschen zu kuscheln“, zitiert die Zeitung seine angebliche Aussage vor Gericht. Der 14-Jährige konnte sich laut Bericht bei einem Zwischenhalt befreien, der Mann sei festgenommen und später zu einer 18-monatigem Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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