Haus steht seit Jahrzehnten leer Angst vor Einsturz der benachbarten Hofruine
Ratten, zündelnde Kinder oder ein Zusammenbruch unter Getöse – Landwirt Johann Ockinga aus Theene kommen viele Befürchtungen, wenn er auf die Ruine neben seinem Stall blickt. Er sucht Hilfe.
Theene - Wenn Johann Ockinga aus Theene seine Kühe in den Stall bringt, hat er immer ein mulmiges Gefühl. Denn nebenan steht ein alter Resthof an der Forlitzer Straße – eher eine Ruine. „Darin wohnt seit bestimmt 40 Jahren niemand mehr“, sagt Ockinga. Nur eine Zufahrt zu seinem Hof trennt das einsturzgefährdete Gebäude von seinem Kuhstall. Der 52-jährige hauptberufliche Landwirt wartet eigentlich nur darauf, dass das Gebäude eines Tages mit einem großen Rums zusammenkracht. „Wenn meine Kühe gerade dann im Stall sind und in Panik geraten, kann ich nur hoffen, dass sie sich nicht verletzen“, sagt Ockinga. Doch er befürchtet Schlimmes.
Was und warum
Darum geht es: In Theene steht ein verfallener Hof neben einem neuen Kuhstall. Der betroffene Landwirt hat wegen der für seinen Betrieb drohenden Gefahren den Landkreis informiert – doch der sieht keinen Grund zu handeln.
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Deshalb berichten wir: Johann Ockinga hatte der Redaktion von seinem Problem berichtet.
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Johann Ockinga hat bereits mit verschiedenen Behörden gesprochen. Den zuständigen Stellen des Landkreises ist der Fall und auch der Zustand des einsturzgefährdeten Gebäudes bekannt. Zuletzt sei es im Mai 2023 überprüft worden, heißt es in einem Schreiben des Landkreises an die Redaktion. Dabei habe man auch das eingestürzte Dach bemerkt. „Eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit konnte allerdings nicht festgestellt werden, da das Dach nach innen und nicht nach außen, beispielsweise auf öffentliche Wege oder ähnliches fällt“, heißt es aus der Presseabteilung. Da das Objekt rund zwölf Meter von der Straße entfernt stehe, bestehe auch für vorbeilaufende Passanten keine Gefahr. Laut der Beurteilung des Landkreises ist es unwahrscheinlich, dass das Haus „unter Getöse zusammenbricht. So etwas passiert tatsächlich nur sehr selten.“
Landkreis sieht keinen Anlass, aktiv zu werden
Weiter heißt es, dass auch die Zugänge zum Gebäude verschlossen sind. Darauf habe die zuständige Stelle die Eigentümerin hingewiesen. Aus Sicht der Kreisverwaltung bestehe daher derzeit „kein Anlass für ein bauaufsichtliches Einschreiten“. Das sieht Johann Ockinga anders. Die Mauern des ehemaligen Hofes wölben sich bereits bedenklich nach außen, einige Fensterstürze sind gebrochen. Unter den verbliebenen Dachpfannen bröckeln die Mauern weg. Die blaue Eingangstür besitzt zwar einen biologischen Einbruchschutz – davor wächst eine Esche. Wer hinein möchte, kann das Gebäude aber durch die eingestürzte Wand auf der anderen Hausseite betreten.
„Wir haben hier schon Jugendliche erwischt, die Feuer machen wollten“, sagt Johann Ockinga. Was dann passieren könnte, mag er sich gar nicht ausmalen. Der Gedanke an das damals entdeckte zusammengeknüllte Papier weckt bei Ockinga schreckliche Erinnerungen. 2012 war der Stall seines Betriebs nach einem Blitzschlag abgebrannt. Ein Bulle und einige Ferkel konnten nicht mehr gerettet werden und starben in den Flammen. Ockinga selbst kam mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus, seine Mutter blieb unverletzt. Damals wurde auch das Wohnhaus der Familie in Mitleidenschaft gezogen. Das ist inzwischen abgerissen. Seitdem wohnt der Landwirt mit seiner inzwischen 88-jährigen Mutter in einem Häuschen vor dem Stall. Große Sprünge kann er sich mit seinen 45 Milchkühen nicht erlauben, sonst würde er das Nachbargrundstück selbst kaufen. So aber bleibt nur die Angst.
Die Eigentümerin ist enttäuscht vom Schicksal des Grundstücks
Seine Angst hat viele Gesichter. Die hat er auch wegen der Ratten, die er in dem Gebäude vermutet. „Sie wohnen nebenan und kommen zu mir zum Essen“, sagt Ockinga. Auch durch sie drohe Gefahr. Sollten sie in seinem Futtersilo sterben, können ihre Kadaver dort gefährliche Keime bilden. Fressen seine Kühe das verdorbene Futter, kann das für sie tödlich enden. Ockingas Forderung ist deshalb, das Gebäude umzulegen, um die Gefahren für seinen Hof abzuwenden. „Sie sollen einfach die Bagger schicken“, fordert der Landwirt.
Dass das Haus zugänglich ist, war der Eigentümerin bisher nicht bekannt. „Bisher war es verriegelt. Ich hätte mich über eine Information gefreut und werde natürlich sofort etwas unternehmen“, erklärt die inzwischen in Freiburg lebende Frau am Telefon, die lieber anonym bleiben möchte. Auch eine drohende Gefahr für die Tiere der Ockingas sei ihr nicht bekannt gewesen. Ihre Familie hatte das Haus in ihrer Kindheit gekauft, saniert und als Ferien- und Wochenendhaus genutzt. Sie selbst sei als Kind oft in Theene gewesen: „Ich fühle mich dem Ort und Ostfriesland sehr verbunden.“
Zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 habe sie Käufer für das Grundstück gefunden, die dort ein Einfamilienhaus errichten wollten. „Es war schon alles unterschrieben“, so die Eigentümerin. Dann habe plötzlich die Landwirtschaftskammer Einspruch erhoben, weil ein Neubau den Betrieb des benachbarten Hofes beeinträchtigen könnte. Aus der Baugenehmigungsbehörde habe es daraufhin plötzlich geheißen, sie könne allenfalls das bestehende Wohnhaus sanieren, dürfe aber keine Innenwände verändern. So platzte der Verkauf. „Damals war ich mit zwei Bauunternehmern noch im Gebäude. Rattenkot haben wir dort nicht gefunden“, entkräftet sie den Vorwurf von Johann Ockinga.