Bluttat in Papenburg vor Gericht Mann will aus Notwehr mit dem Messer zugestochen haben
Versuchte Tötung eines Mannes durch Messerstiche in Rücken und Hals: Das wird einem 25-Jährigen vorgeworfen. Der Mann soll zudem für etliche Einbrüche verantwortlich sein. Er steht jetzt vor Gericht.
Papenburg/Osnabrück - Versuchte Tötung durch Messerstiche in Rücken und Hals, das wird einem 25-jährigen Mann vorgeworfen. Dazu kommen noch Anklagepunkte wegen Einbrüchen und Diebstählen in Papenburger Geschäften im vergangenen Jahr. Der Prozess ist nun am Landgericht in Osnabrück gestartet.
Schon im Februar 2021 war es, dass der Angeklagte einen Mitbewohner in Papenburg mit einem Küchenmesser verletzt hatte. Dieser hat laut Anklage bleibende Schäden an der Hand erlitten und ist als Nebenkläger vertreten. Der junge Mann, der zurzeit in Haft ist, bestreitet dies nicht.
Angst vor Wurf aus dem Fenster
Allerdings handelte es sich seiner Aussage nach um Notwehr. „Er wollte mich aus dem Fenster werfen“, sagte der Angeklagte vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichtes Osnabrück. Er habe in der Küche mit dem Küchenmesser Fleisch geschnitten, um Essen vorzubereiten. Der andere habe dann einen Streit begonnen – nicht zum ersten Mal.
Er sei von ihm dreimal ins Gesicht geschlagen worden und mit dem Messer in der Hand zu Boden gefallen, wobei er sich beinahe selbst verletzt hätte, der Angeklagte. Ihm sei daraufhin von seinem Widersacher der Weg nach draußen versperrt worden, er sei auf ihn losgegangen, habe ihn von vorne fest an sich gedrückt und hochgehoben.
„Ich habe ihn verletzt, damit er mich loslässt“, so der Angeklagte. Der Kampf habe sich in der Nähe des offenen Fensters im zweiten Stock abgespielt und sein Kontrahent hätte gedroht, ihn hinauszuwerfen.
Der Mann stand damals unter Drogeneinfluss
Auf den Bildern des Polizeiberichtes war das Fenster zu sehen: Ein für eine Küche ungewöhnlich tief angebrachtes und großes Fenster, mit Fensterbank circa auf Sitzhöhe, das einige Zentimeter offenstand.
Die tiefe Handverletzung seines Kontrahenten konnte sich der Angeklagte nicht erklären. Von der Polizei wurde er noch am Tag des Vorfalls zur Blutalkoholbestimmung gebracht, sie ergab einen Wert von 0,8 Promille. Außerdem wurden Rückstände von Drogen gefunden.
Den Angaben des Angeklagten zufolge hatte er zum Zeitpunkt des Vorfalls Marihuana und Kokain konsumiert. Sein Drogenkonsum könnte auch der Hintergrund für die etwas wirr wirkenden Einbrüche und Diebstähle sein, die er im Mai und Juni 2022 verübt hatte und vor Gericht zugab.
Zwölf Hosen gestohlen – und verloren
In einem Geschäft hatte er zur Öffnungszeit zwölf Hosen entwendet, die aber von der Verkäuferin, die ihn verfolgt hatte, direkt wiedergefunden wurden. In ein Restaurant sei er nachts eingebrochen, indem er ein Fenster mit Sicherheitsglas zerstört habe, wobei Sachschaden in Höhe von 1000 Euro entstand. Entwendet habe er zwei Bestellterminals im Wert von je 2500 Euro.
Einen Monat später habe er mit einer Gehwegplatte die Glastür eines Lebensmittelgeschäftes eingeschlagen, sich beim Einsteigen allerdings so stark an der Hand verletzt, dass ein Rettungswagen gerufen werden musste. Der Blutalkoholwert ergab 1,6 Promille.
Zeugen berichten von Blutspuren
Am ersten Verhandlungstag am Landgericht wurden vier Zeugen zu dem Einbruch in dem Restaurant im Mai 2022 gehört. Auch sie erwähnten Blutspuren.
Auf den Aufnahmen der Überwachungskamera sei der Täter kaum erkennbar, die Kamera sei daraufhin später ausgetauscht worden. Offensichtlich habe es in der Nacht auch einen Alarm gegeben, der aber wohl als Fehlalarm eingeordnet wurde, ohne beim Restaurant nachzusehen. Das eingeschlagene Fenster wurde erst am Morgen von einem Spaziergänger entdeckt, der die Polizei alarmierte. Insgesamt sind für die Verhandlung sechs Termine angesetzt, der letzte Anfang November.