Posse um Kleinanzeigen  Warum stand die MS „Wiesmoor“ unerlaubt zum Verkauf?

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 20.09.2023 14:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Bis zu 43 Gäste finden an Bord der MS „Wiesmoor“ bei Ausflugs- und Charterfahrten Platz. Foto: Archiv
Bis zu 43 Gäste finden an Bord der MS „Wiesmoor“ bei Ausflugs- und Charterfahrten Platz. Foto: Archiv
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Ohne Zustimmung des Förderkreises der MS „Wiesmoor“ hat der Vize-Vorsitzende des Vereins das Schiff erst zum Pachten, dann zum Verkauf angeboten. Wieso nur?

Wiesmoor - Das ist kurios: Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr ist das Ausflugsschiff MS „Wiesmoor“ übers Internet angeboten worden – Ende Mai zur Pacht, nun plötzlich auch zum Kauf. Dabei soll es weder verpachtet noch verkauft werden. Zumindest hat es dazu noch überhaupt keine Beschlüsse im Vorstand des Förderkreises gegeben, dem das 1958 gebaute, 15 Meter lange und 3,60 Meter breite Schiff gehört und der es betreibt. Erst im vorigen Herbst hatte der Förderkreis noch mal kräftig Geld in die MS „Wiesmoor“ gesteckt. Das Schiff bekam neue Bugstrahler sowie eine neu gestaltete Ruder- und Steuertechnik, wurde auf der Werft generalüberholt, ist nun deutlich manövrierfähiger, heißt es. Wieso aber landet die MS „Wiesmoor“ bei „Kleinanzeigen“ (vormals: eBay-Kleinanzeigen), wenn es gar nicht verkauft oder verpachtet werden soll?

„Das war ein vorschneller Alleingang, der für uns schon unverständlich war“, sagt der Vorsitzende des Förderkreises, Alt-Bürgermeister Alfred Meyer. „Das ist schon ein bisschen verrückt. Wir haben schon seit Längerem auch mal überlegt, wie es weitergehen kann, weil der Verein überaltert ist. Aber wir haben dafür noch kein Konzept, haben auch noch keine Beschlüsse in der Richtung gefasst.“ Der Alleingänger war sein Stellvertreter, Peter Schoon. Der hatte die MS „Wiesmoor“ Ende Mai erst zur Pacht ab 2024 ausgeschrieben und zuletzt zum Kauf. Und der sagt: „Ich weiß, dass das ein Alleingang war. Ich kenne die Vereinssatzung. Ich weiß, dass ich das nicht durfte – aber ich habe es in vollem Bewusstsein getan, weil ich ein Zeichen setzen wollte, weil es wie zuletzt auf Sicht nicht weitergehen kann.“

Förderkreis ist überaltert

Was kann nicht so weitergehen? „Wir sind etwa 20 Leute im Förderkreis. Sehr viele davon sind älter als 70 Jahre. Davon stemmen vor allem zwei Leute den Großteil der Arbeit, insbesondere Alfred Meyer“, sagt Peter Schoon. „Alfred macht fast alles und er macht es wirklich toll. Er kauft ein, bringt Blumen an Bord, macht das Schiff sauber, gibt alles, was er kann – und engagiert sich zusätzlich ja auch noch in weiteren Vereinen, hat Arbeitseinsätze im Torf- und Siedlungsmuseum, macht als Wagenbauer beim Blütenfest mit. Er macht das mit riesigem Engagement“, sagt Schoon. „Aber er wird bald 74, und er wird das nicht ewig können. Die Ausflugsfahrten und gerade die Grill-Touren sind seit Corona deutlich mehr geworden. Das muss man aber ja stemmen können, und da schieben wir seit Langem Entscheidungen vor uns her“, fügt er hinzu.

Mit seinen bewussten Verstößen gegen die Satzung und seinen Alleingängen habe er „dringend notwendige Diskussionen in Gang bringen wollen“, sagt Schoon. Auch, weil etwa der Bootswart krankheitsbedingt nicht mehr mithelfen könne – und er selbst helfe, wo er könne. „Aber das geht auch nur sporadisch, weil ich berufstätig bin.“ Alfred Meyer sagt selbst: „Wir haben zwei Kapitäne, die für uns fahren. Drei wären eigentlich besser. Und viel vom Rest mache ich, was auf Dauer nicht richtig sein kann. Es ist schon so, dass es oft an wenigen hängt, wenn man etwas ehrenamtlich macht. Deswegen wäre es schon schön, wenn mehr Leute Lust hätten, sich bei uns einzubringen im Förderkreis. Sonst müssen wir das Schiff entweder an die Leine legen oder doch verkaufen“, sagt Meyer.

Hoffen auf Unterstützung durch Jüngere

Auch wenn diese Option durchaus im Raum stehe, sei man im Verein aber schon irritiert gewesen vom Vorgehen des Vize-Vorsitzenden. „Da ist ja noch nichts spruchreif. Dass wir mehr helfende Hände sehr gut gebrauchen können, um das alles auf mehr Schultern zu verteilen, ist richtig. Dass es ohne zusätzliche Unterstützung schwierig wird, ist ja auch kein Geheimnis. Aber dass wir in kleiner Runde erst mal lose diskutieren, wie wir das künftig machen können, und dann steht zack, zack das Schiff im Netz zum Pachten oder Kaufen und das auch noch zwei Mal. Das war beim ersten Mal schon seltsam und fanden wir jetzt dann schon auch ein bisschen ärgerlich.“

Nach einem Gespräch hat Schoon deshalb die Verkaufsanzeige für das Schiff gelöscht. Den Handlungsbedarf sieht er aber weiterhin. „Sollte der Verein sich auflösen, fiele das aus Spenden finanzierte Schiff an die Stadt Wiesmoor. Die Idee, die mir vorschwebt, wäre, das Schiff nur an jemanden zu verkaufen, der es in Wiesmoor weiterbetreibt und sich auch verpflichtet, das sehr langfristig für beispielsweise 20 Jahre weiterhin zu tun. Es geht darum, der Stadt dieses Schiff zu erhalten – aber die Verantwortung dafür auf neue Schultern zu legen. Denn die Fahrten an sich sind gefragt, die Gästezahlen sind gut und das Ganze rechnet sich auch.“

Im Herbst, nach der Saison, will der Verein sich nun zusammensetzen und die Situation diskutieren. Gemeinsames Ziel aller bleibt, dass die MS „Wiesmoor“ weiterhin von der Blumenstadt aus touristische Ausflugsfahrten anbietet. „Wir hoffen weiterhin, dass wir jüngere Leute dazukriegen, denn das Schiff ist ja auch etwas, was Spaß macht. Aber was wir tun, werden wir gemeinsam entscheiden“, sagt Meyer.

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