Osnabrück  Frankfurter Buchmesse: Kräftiges Besucherplus zum 75. Jahrestag?

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 20.09.2023 16:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Besucher auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: picture-alliance/dpa
Besucher auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: picture-alliance/dpa
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Die Frankfurter Buchmesse wird 75. Pünktlich zum Jahrestag steht der Branchentreff auf Wachstum. Der Vorverkauf ist auf Rekordniveau. Ein Thema, das bislang Sorgen machte, scheint 2023 abgeräumt.

Besucher der Frankfurter Buchmesse bemerken sie kaum. Für Profis der Buchbranche liefert ihre Aktivität allerdings den Gradmesser. Gemeint sind Literaturagenten. 2023 erwartet die Frankfurter Buchmesse ein sattes Plus bei den Agenten. Nach den Worten von Juergen Boos, Direktor der Buchmesse, ist die Fläche für das Zentrum der Literaturagenten um 20 Prozent gewachsen. „Die Welt ist dabei, sich zu vernetzen“, betonte Boos und sprach dabei insbesondere China und Indien an. Diese Länder haben den Angaben nach ihre Präsenz bei der Frankfurter Buchmesse deutlich ausgebaut.

Ein klares Plus sagte Boos bei einer Pressekonferenz auch bei den Zahlen der Aussteller und der Besucher voraus. „Wir haben mehr Fläche verkauft“, sagte er. Bei den Ausstellern sei ein Zuwachs von zehn Prozent zu erwarten. Noch höher liegen offenbar die Zuwächse beim Ticketverkauf. „Wir liegen 50 Prozent über dem Vorjahr und auch höher als 2019“, verkündete Boos. Sein Fazit: „Auf der Frankfurter Buchmesse wird es rappelvoll werden“.  

Die Frankfurter Buchmesse findet vom 18. bis 22. Oktober 2023 statt. Zum Eröffnungsfestakt am 17. Oktober hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigt. Besondere Aufmerksamkeit wird der Schriftsteller Salman Rushdie genießen. Der Verfasser des Romans „Die satanischen Verse“ erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der zum Abschluss der Buchmesse verliehen werden wird. Der Autor war bei einem Messerattentat am 12. August 2022 von einem islamistischen Extremisten schwer verletzt worden.

Zum 75. Jahrestag ihres Bestehens setzt die Frankfurter Buchmesse mit dem Bookfest neue Akzente. Nach Messeschluss soll an den Tagen der Messe Literatur in der ganzen Stadt mit einer Fülle von Veranstaltungen und Aktionen erlebbar sein. Juergen Boos und Torsten Casimir, Sprecher der Buchmesse, verwiesen vor allem auf die Aktion „75 Stühle“, bei der Besucher Erzählungen von Menschen aus Frankfurt zuhören können, die von ihren Erlebnissen mit der Buchmesse berichten.

Wie Juergen Boos und andere Vertreter der Buchmesse deutlich machten, will sich der Branchentreff auch den Fragen nach der Künstlichen Intelligenz (KI) und neuen medialen Kanälen stellen. Boos kritisierte dabei das Vorgehen, die KI-Anwendung ChatGPT mit Büchern zu füttern. Damit werde der Urheberschutz verletzt.

Boos lobte hingegen neue Social-Media-Kanäle. „TikTok hat sich zu einem richtigen Absatzkanal für die Buchbranche entwickelt“, sagte Boos. In diesem Kanal seien neue Formen der Vermittlung des Mediums Buch zu beobachten. TikTok avanciere auch zu einem regelrechten Dienstleister für die Verlagsbranche, erläuterte Boos und zitierte den Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch mit dem Satz: Die Gutenberg-Galaxis hört nicht auf, zu enden.

Was in den letzten Jahren für politische Kontroversen in Frankfurt führte, spielt offenbar auf der anstehenden Buchmesse keine Rolle mehr. Boos betonte, dass es wieder einen großen Stand der Ukraine, aber keinen Nationenstand Russlands geben werde. Die russische Zivilgesellschaft sei aber vertreten.    

Nach den Worten der Verantwortlichen sind keine neuen Konflikte um die Präsenz rechter Verlage zu erwarten. Die einschlägigen Verlage hätten sich für die Messe 2023 schlicht nicht angemeldet, sagte Juergen Boos. Messe-Sprecher Torsten Casimir sprach dabei von einem „Phantomthema“.

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