Verkehr sichtbar machen  In Aurich zählt jetzt jedes Fahrrad

| | 21.09.2023 11:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Aurichs Radverkehrsbeauftragter Frank Patschke vor dem frisch installierten Display an der Ostertorkreuzung. Im Hintergrund sein Stadtradeln-Konkurrent Christian Erdwiens vom Tiefbauamt in Aurich. Foto: Böning
Aurichs Radverkehrsbeauftragter Frank Patschke vor dem frisch installierten Display an der Ostertorkreuzung. Im Hintergrund sein Stadtradeln-Konkurrent Christian Erdwiens vom Tiefbauamt in Aurich. Foto: Böning
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Seit Mittwoch werden an der Auricher Ostertorkreuzung Fahrräder gezählt. Ein Display soll den Radverkehr der Kreisstadt sichtbar machen – und die Menschen auf das Rad bringen.

Aurich - Jan Fischer zieht die letzten Schrauben an, dann ist sein Job erledigt. Der Monteur des Unternehmens Eco Counter hat an der Fockenbollwerkstraße im Bereich der Ostertorkreuzung gerade Aurichs erste fest installierte Zählstelle für Fahrräder montiert – samt eines großen Displays. Frank Patschke, Aurichs Radverkehrsbeauftragter, blickt auf die graue Säule mit den blau leuchtenden Ziffern. Uhrzeit, Datum und zwei Zahlen zu den vorbeifahrenden Rädern sind darauf zu lesen – einmal sämtliche an diesem Tag gezählten Räder, dann die Summe aller in diesem Jahr gezählten. „So machen wir den Radverkehr in Aurich sichtbar“, sagt Patschke.

Was und warum

Darum geht es: Ein verdecktes Fahrradzählsystem zählt jetzt ganzjährig den Radverkehr an Aurichs Ostertorkreuzung – und macht die Zahlen über ein Display sichtbar.

Vor allem interessant für: Radfahrer und alle, die sich über das Display wundern

Deshalb berichten wir: Die Autorin war zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um alle Beteiligten zum neuen Gerät zu befragen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

21 Räder sind an diesem Tag zusammengekommen, meldet das System. Dabei ist der Bereich noch gesperrt. „Das war der Testdurchlauf“, erklärt der Radverkehrsbeauftragte und nickt in Richtung der neben ihm abgestellten Räder. Er und Fischer sind damit 21 Mal über den Radweg gefahren. 21 Mal hat das Gerät gezählt. 100 Prozent richtig, den Test hat es bestanden. Unter dem Pflaster erfasst eine Induktionsschleife, wenn ein Fahrrad vorbeikommt. Das System erkennt den elektromagnetischen Fingerabdruck eines Rades an verschiedenen Faktoren wie seinen Achsen oder dem Tretlager. „Elektro-Scooter werden zum Beispiel nicht gezählt“, sagt Patschke.

Erfassen, sichtbar machen und auswerten

In der Fockenbollwerkstraße werden im Bereich der Ostertorkreuzung laut Patschke regelmäßig die meisten Radfahrer gezählt. Deshalb sollen genau hier diese Zahlen sichtbar werden. Zusätzlich kann Patschke die Daten, die das Gerät erfasst, nach Bedarf auswerten. Seit dem Jahr 2020 sei die Anschaffung eines solches Systems geplant gewesen. Schon der im Juni 2019 vom Stadtrat beschlossene „Masterplan Radverkehr 2030“ hatte die Installation von Radzählstellen empfohlen. Dort heißt es: „Daran ist nicht nur ein Indiz zur Entwicklung des Radverkehrs abzulesen, er wird auch stärker thematisiert, was sich positiv auf die Radnutzung auswirken sollte“.

Wie wichtig diese Sichtbarkeit ist, um Menschen auf das Rad zu bringen, hat Christian Erdwiens vom Fachdienst Tiefbau an sich selbst festgestellt. „Seit dem Start Aktion ‚Stadtradeln‘ fahre ich zum ersten Mal regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit“, sagt er. Dass er täglich die Strecke zwischen Großefehn und Aurich zurücklegt, bringt ihn in der Kilometer-Wertung ordentlich nach vorne. „Mein Ziel ist es, die Aktion vor Frank abzuschließen“, sagt Erdwiens und grinst in Richtung Frank Patschke. Manchmal fährt er für bessere Zahlen sogar Umwege. Der Nebeneffekt: „Danach ist mein Kopf total frei.“ Vielleicht kann das neue Display die Radfahrer Aurichs ebenfalls dazu anspornen, gemeinsam die angezeigten Zahlen steigen zu lassen.

Ähnliche Systeme seien vor allem in Großstädten im Einsatz, sagt Jan Fischer von Eco Counter. Die Stadt Oldenburg habe bereits mehrere Messtellen. Auch in Leer seien bereits drei davon installiert worden. „Zwei verdeckte und eine ebenfalls mit einem Display“, so Fischer. In Aurich wird dieses Display laut Frank Patschke erst einmal das einzige bleiben. Zusätzlich habe die Stadt ein weiteres mobiles Gerät, mit dem der Radverkehr wie bisher an verschiedenen Stellen erfasst wird. Die Kosten der Zählstelle samt Display, Aufbau und Inbetriebnahme belaufen sich nach Auskunft der Stadt auf rund 25.000 Euro.

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