So weit geht Fan-Liebe  Ostfriesen drehen „Herr der Ringe“-Film – Premiere im Kino Leer

| | 22.09.2023 19:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Gandalf, gespielt von Norbert Eggers-Welp, und Gimli, gespielt von Michael Fleßner, posen für die Kamera. Fotos: Ortgies
Gandalf, gespielt von Norbert Eggers-Welp, und Gimli, gespielt von Michael Fleßner, posen für die Kamera. Fotos: Ortgies
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„Die Geschichte eines leidenden Hobbits“ ist ein Fan-Film vom Ostfriesland Film Studio über Tolkiens Werk. Wir haben mit dem Regisseur und der Drehbuchautorin gesprochen.

Leer/Uplengen - Das Team vom Ostfriesland-Film-Studio dreht Low-Budget-Filme und gewerbliche Image-Filme. Ihre neuste Produktion: Ein Fan-Film über Herr der Ringe, eine von Peter Jackson geschaffene Filmtrilogie nach dem gleichnamigen Werk von J. R. R. Tolkien. In „Die Geschichte eines leidenden Hobbits“ erzählen die Figuren Bilbo und Gandalf, wie die Geschichte wirklich abgelaufen sein soll. „Alle kämpfen, nur Frodo jammert“, fasst Drehbuchautorin Manuela Thien den 39-minütigen Kurzfilm zusammen. „Wenn man eine Satire schreibt, dann ist das immer ein Kompliment – eine Hommage an Peter Jackson.“

Was und warum

Darum geht es: Das „Ostfriesland Film Studio“ hat einen Fan-Film über die Filmtrilogie Herr der Ringe gedreht.

Vor allem interessant für: Filmfans, „Herr der Ringe“-Liebhaber und alle, die unterhalten werden wollen

Deshalb berichten wir: Die Gruppe hat auf sich und den Film aufmerksam gemacht.

Die Autorin erreichen Sie unter: d.cordes@zgo.de

„Masterchief“, wie er vom Team genannt wird, der Gruppe ist Stefan Thien, der Ehemann der 37-Jährigen. Der 41-Jährige ist Vorsitzender und Gründer – und auch sonst für alles andere zuständig: Sei es die Kameraführung, die Regie oder der Schnitt. Die beiden sind große „Herr der Ringe“-Fans und haben die Filme schon sehr oft geschaut: „Wir können sie nicht gucken, ohne sie zu kommentieren“, erzählt die Frau. So kam dann auch der Schubs von Stefan Thien, die Gedanken in Form eines Drehbuchs aufzuschreiben. Mit dem Schreiben eines Drehbuchs hatte sich die Uplengerin vorher noch gar nicht befasst, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach dem Wälzen passender Literatur ging es dann doch recht flott: Nach zwei Tagen war sie fertig. Das war im November 2022. Nun ist der Kurzfilm fertig und bereit für die Premiere im Kino Leer. „Ein großer Stein fällt vom Herzen, da der Film nun fertig ist“, sagt Stefan Thien.

Das Ostfriesland Film Studio freut sich auf die Premiere: Josephine Goertz als Éowyn (von links), Michael Fleßner als Gimli, Ingo Bruns als Aragorn, Leland Bruns als Hobbitkind, Drehbuchautorin Melanie Thien, Melanie Streich-Bruns als Peppin, Norbert Eggers-Welp als Gandalf und Kameramann Stefan Thien.
Das Ostfriesland Film Studio freut sich auf die Premiere: Josephine Goertz als Éowyn (von links), Michael Fleßner als Gimli, Ingo Bruns als Aragorn, Leland Bruns als Hobbitkind, Drehbuchautorin Melanie Thien, Melanie Streich-Bruns als Peppin, Norbert Eggers-Welp als Gandalf und Kameramann Stefan Thien.

Herausforderungen am Set

Aber nicht alle vom Ostfriesland-Film-Studio sind so große Fans wie die Thiens: „Tatsächlich gibt es Leute im Team, die den Film noch nie gesehen haben“, sagt die 37-Jährige. Das war beim Drehen dann auch eine sprachliche Herausforderung, denn anders als bei anderen Produktionen des Studios ist bei „Herr der Ringe“ die richtige Betonung und die richtige Wortwahl – entsprechend des Drehbuchs – wichtig. Manuela Thien musste die Schauspieler öfter mal unterbrechen und an das Drehbuch und die richtige Betonung erinnern.

Nachdem die Locations, Kostüme und Requisiten geplant wurden, war dann im März dieses Jahres der erste richtige Drehtag. Es sei terminlich schwierig gewesen, alle Leute zusammenzubringen, da die meisten in Vollzeitjobs arbeiten. Insgesamt haben um die 70 Menschen beim Film mitgewirkt – das Ostfriesland Film Studio ist ein Hobby. Es seien aber auch welche dabei, die das professioneller machen, erzählt Stefan Thien. „Da waren auch schon einmal welche eine Leiche beim Tatort“, fügt seine Frau hinzu.

Weite Reisen und witzige Outtakes

Gedreht haben sie unter anderem an der Burg Stickhausen, im Restaurant Walhalla in Großefehn und in der Schmiede in Werdum. Für eine größere Kampfszene reiste die Gruppe sogar zum Franz-Felix-See in Nordrhein-Westfalen. Dort wartete eine Truppe auf sie, die sich hobbymäßig als Orks verkleidet und eigentlich auf Conventions, also auf Veranstaltungen für Fans, mit ihren Kostümen auftreten. „Das Filmen war für die auch sehr anstrengend“, sagt Manuela Thien. Denn: Auf den Conventions müssen sie sich in ihren Kostümen nicht so viel bewegen wie in den Kampfszenen.

„Wir wachsen von Film zu Film“, so Stefan Thien, „und die Sachen werden immer aufwendiger.“ Aber: „Der Spaß steht im Vordergrund“, sagt seine Frau. „Wir sind Freunde, wir sind eine Familie.“ Und die Familie darf wachsen: „Wir freuen uns darauf, die Familie zu erweitern“, sagt Manuela Thien. Beim Schauspielern muss auch nicht immer alles glattgehen: Outtakes haben sie genug. Zum Beispiel von Legolas, der beim Umgang mit einem Spielzeug-Bogen scheitert. „Das sah zum Schießen aus“, so Stefan Thien. Beim leidenschaftlichen Spielen kann auch mal etwas kaputtgehen. Eine Kette, die eigentlich nicht Ziel der Axt war, wurde zerstört. Während der Schauspieler sich mehrmals entschuldigte, waren am Set alle glücklich, über die gelungene Szene, erzählen die Thiens.

Dann ist es soweit

Die Kosten vom Film mit allem Drum und Dran schätzt der 41-Jährige auf rund 6.500 Euro. Vieles davon haben die Beteiligten selbst ausgegeben, indem sie beispielsweise ihre Kostüme selbst genäht haben. Stefan Thien freut sich auch über die Zusammenarbeit mit hiesigen Gruppen, zum Beispiel die „Freei Blood Fresena“, die mit Schwertern ausgeholfen hat. „Da hieß es nur ‚Was brauchst du?‘ – und schon war der Kofferraum voll“, sagt Stefan Thien. „Man muss einfach den Mut haben, Leute zu fragen.“

Kameramann Stefan Thien (von links), Josephine Goertz als Éowyn, Michael Fleßner als Gimli und Norbert Eggers-Welp als Gandalf.
Kameramann Stefan Thien (von links), Josephine Goertz als Éowyn, Michael Fleßner als Gimli und Norbert Eggers-Welp als Gandalf.

Die Premiere von „Die Geschichte eines leidenden Hobbits“ ist am Sonntag, 1. Oktober, um 10 Uhr im Kino Leer. Karten kosten zehn Euro. Der Erlös geht an das Ammerland-Hospiz. Da nur noch wenige Restplätze übrig sind, wird um eine Anmeldung über deren Facebook- oder Instagram-Seite gebeten. Bei der Premiere werden die Schauspielerinnen und Schauspieler in ihrer Rolle kommen – und auch für das ein oder andere Autogramm zur Verfügung stehen, gibt Stefan Thien mit einem Augenzwinkern an. Ab Dienstag, 31. Oktober, 18 Uhr wird der Kurzfilm kostenlos auf Youtube zu sehen sein.

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