Investition in Bildung  Großprojekt Ganztagsschule wird auf Borkum forciert

| | 25.09.2023 07:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Im Kontext des geplanten Baus einer Ganztagsgrundschule wird auch über eine mögliche Nachnutzug der bisherigen Grundschule diskutiert. Foto: Ferber
Im Kontext des geplanten Baus einer Ganztagsgrundschule wird auch über eine mögliche Nachnutzug der bisherigen Grundschule diskutiert. Foto: Ferber
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Die Mitglieder waren sich in ihrer Sitzung am Donnerstagabend einig, dass das Millionen-Vorhaben auf Borkum weiter vorangetrieben werden soll. Es sind aber noch einige Fragen zu klären.

Borkum - Es dürfte das größte Bauvorhaben der nächsten Jahre auf Borkum werden: die geplante Errichtung einer offenen Ganztagsgrundschule an der Weidenstraße. In der Vorlage zur jüngsten Ratssitzung ist von einem „einmaligen Leuchtturmprojekt“ zu lesen. Das soll nun – nach einstimmigem Grundsatzbeschluss – weiter vorangetrieben werden. Hintergrund ist, dass ab dem Schuljahr 2026/27 alle Schülerinnen und Schüler der ersten Klassenstufe Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz haben.

Was ist geplant?

War zunächst „nur“ über den Neubau der Grundschule als Ganztagsgrundschule diskutiert worden, wandte sich später der Landkreis Leer an die Stadt – „um die Möglichkeit einer Zusammenlegung aller auf Borkum vorhandenen Schulformen im räumlichen Umfeld der Inselschule zu prüfen“, wie es in der Vorlage heißt. Denn auch die Berufsbildenden Schulen (BBS) Borkum, deren Träger der Kreis ist, sind sanierungsbedürftig, ein Neubau daher ebenfalls eine Option. So kristallisierte sich die Idee eines Bildungszentrums heraus. Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) hob im Rat die angestrebten Synergieeffekte einer solchen Zusammenführung hervor. Er verwies unter anderem auf eine gemeinsame Nutzung von Mensa, Werkraum oder Sporthalle.

Wer soll das alles bezahlen?

Diese entscheidende Frage ist nicht beantwortet. Für den Bau der Ganztagsgrundschule steht eine Summe von bis zu 20 Millionen Euro im Raum. Diese könnte sich durch ein gemeinsames Projekt mit dem Landkreis aber noch reduzieren, wie Frank Pahl, Leiter der Haupt- und Personalabteilung, in der Ratssitzung betonte. Bürgermeister Jürgen Akkermann unterstrich derweil den Standpunkt der Stadt: „Die Finanzierung von Bund und Land ist aus unserer Sicht unabdingbar, denn das ist eine Größenordnung, die wir nicht stemmen können.“ Wie viel Geld es von Bund und Land gibt, sei aber noch unklar. Eventuell, so Akkermann, müsse man in gewissem Umfang für Planungsleistungen in Vorleistung treten. Gleichzeitig sei bekräftigt worden, dass im August 2026 die erste Kohorte mit Ganztagsanspruch einfährt. Daher dürfe man keine Zeit verlieren.

Das sah auch Ratsherr Olaf Look (SPD) so. Er betonte im Hinblick auf die mögliche Freigabe von Fördertöpfen und das dann geltende Windhundprinzip die Wichtigkeit, frühzeitig alles für eine Beantragung nötige „einzutüten“. Peter de Buhr (Borkums freie Liste) zeigte sich ob der ungeklärten Finanzierung skeptisch bezüglich des avisierten Zeitplans: „Wir haben keinerlei Aussagen vom Land und Bund. Glaubt denn wirklich jemand, dass 2026 die erste Kohorte in einen Neubau einzieht?“

Den Grundsatzbeschluss zum Standort und Neubau einer Ganztagsgrundschule hat der Borkumer Rat einstimmig getroffen. Foto: Ferber
Den Grundsatzbeschluss zum Standort und Neubau einer Ganztagsgrundschule hat der Borkumer Rat einstimmig getroffen. Foto: Ferber

Was passiert, wenn der Neubau nicht rechtzeitig fertig wird?

Diese Frage warf CDU-Ratsfrau Pia Hosemann auf. Frank Pahl entgegnete, es werde dann hoffentlich eine Lösung geben, direkt am jetzigen Standort oder ein anderes Provisorium. „Wenn der Anspruch besteht, wird er auch umgesetzt werden müssen und wird es auch.“ Pahl machte ebenfalls deutlich, dass ab 2026/27 nicht sofort alle Klassen gleichzeitig im Ganztagsschulbetrieb sind, sondern zunächst die ersten Klassen. Der Rechtsanspruch wird laut Ministerium in den nachfolgenden Jahren dann um jeweils eine Klassenstufe ausgeweitet.

Wie sieht es mit einer Nachnutzung aus?

Bei der Wichtigkeit, dass eine Nachnutzung der irgendwann leer stehenden Gebäude in der Deichstraße 25 (BBS) und der Wilhelm-Bakker-Straße 3 (Grundschule) frühzeitig geklärt werden müsse, war man sich im Rat einig. Melanie Helms (SPD) erklärte, ihr liege besonders ein Ausbildungsinternat für handwerkliche und andere Berufe am Herzen. „Wir kriegen nur Auszubildende vom Festland, wenn wir sie vernünftig unterbringen können“. Peter de Buhr ergänzte, das Thema Nachnutzung müsse parallel laufen und genau abgestimmt werden. Eldert Sleeboom (Bündnis 90/Die Grünen) unterstrich mit Blick auf das BBS-Gebäude, dieses sollte vom Landkreis nicht verkauft werden, sondern dem Wohnungsmarkt zur Verfügung gestellt werden.

Pia Hosemann verwies in dem Kontext noch auf einen anderen Punkt: den Lehrermangel auf der Insel. Durch die Schaffung eines Schulzentrums könne man die bereits jetzt gelebte Praxis – dass sich Lehrkräfte der unterschiedlichen Schularten gegenseitig aushelfen – intensivieren. Mit so einer Bündelung lasse sich gerade im Bereich der Sonderpädagogik noch zielführender arbeiten. „Deshalb gibt es für mich auch nur eine mögliche Nachnutzung der Gebäude: Dort Wohnraum entstehen zu lassen, um für Lehrkräfte, für die Stellen, die alle frei sind, eine Unterkunft zu finden.“

Was wurde beschlossen?

Der Stadtrat hat die Verwaltung einstimmig beauftragt, gemäß Beschlussvorschlag „mit dem Landkreis Leer ein gemeinsames Projekt für die Zusammenlegung aller Schulformen auf Borkum anzustreben“. Dazu wird eine Machbarkeitsstudie vom Landkreis initiiert. Unabhängig und parallel dazu hat die Verwaltung den Auftrag bekommen, „die Planungen für den Neubau einer offenen Ganztagsgrundschule am Standort Weidenstraße fortzuführen“. Dies diene der Absicherung, erklärte Frank Pahl, für den Fall, dass sich der Landkreis noch zurückziehen sollte. Ergänzt wurde das Ganze durch einen dritten Beschluss, den SPD-Ratsherr Hendrik Maisch einbrachte, um Leerstand zu vermeiden. Die Verwaltung wird demnach ebenfalls beauftragt, „dem Rat der Stadt Borkum frühzeitig eine mögliche Folgenutzung des Gebäudes in der Wilhelm-Bakker-Straße 3 und ihre Planungen dazu aufzuzeigen“.

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