Bauen in der Krummhörn Wie kommen die Preise für die neuen 40 Baugrundstücke zustande?
Vor vier Jahren hat man beispielsweise in Jennelt noch knapp 48 Euro für den Quadratmeter Bauland bezahlt. Jetzt liegt der Preis 20 Euro höher, in anderen Orten ist der Anstieg noch größer. Warum?
Krummhörn - Nachdem die Gemeinde Krummhörn zu Beginn der Woche die Einzelheiten zu 40 neuen Baugrundstücken in sechs Dörfern bekanntgegeben hat, meldeten sich schnell die ersten Leserinnen und Leser. Alle zeigten sich erstaunt über die aufgerufenen Preise für den Quadratmeter Bauland.
Was und warum
Darum geht es: Ein Grundstück im Neubaugebiet Grachten II in Greetsiel kostet 98 Euro den Quadratmeter, ein Baugrundstück in Manslagt „nur“ zehn Euro weniger. Wie kommt das?
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Grundstückspreise in der Krummhörn interessieren.
Deshalb berichten wir: Leser hatten uns angesprochen, weil ihnen der Preisanstieg für Grundstücke in den Dörfern der Krummhörn aufgefallen war. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
So berichtete ein Leser, dass er vor vier Jahren für den Grundstücks-Quadratmeter in Jennelt 47,80 Euro bezahlt hat. Auch damals habe es sich um die sogenannten „gemeindeeigenen Grundstücke“ gehandelt. Diese sind im Besitz der Gemeinde und sollen vor allem jungen Familien und Menschen ohne Baueigentum zugutekommen. In der aktuellen Vergaberunde liegt Jennelt allerdings nicht mehr bei knapp 48 Euro, sondern bei 68 Euro pro Quadratmeter.
Wo lagen die Preise vor ein paar Jahren?
Bis zum Jahr 2021 lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis für gemeindeeigene Grundstücke bei rund 50 Euro. Das teilt Oliver Janssen, Fachbereichsleiter für Öffentlichkeitsarbeit, auf Anfrage dieser Zeitung mit. Wie kommt es also zu den Preissteigerungen? Legt man den durchschnittlichen Preis von 50 Euro an, sind Jennelt und Eilsum noch am wenigsten gestiegen. Beide liegen jetzt bei 68 Euro pro Quadratmeter.
Noch weiter nach oben ging es in Campen und Freepsum (jeweils 78 Euro der Quadratmeter) sowie in Loquard und Manslagt: Hier wird die „Spitze“ mit 88 Euro den Quadratmeter aufgerufen.
Wie setzen sich die Preise zusammen?
Der angesetzte Quadratmeterpreis eines Grundstücks setze sich aus unterschiedlichen Faktoren zusammen, so Janssen. „Berücksichtigt wurden hier, neben dem Bodenrichtwert, ebenfalls die stark gestiegenen Baupreise für die Erschließungsarbeiten und die Arbeiten für den Straßenendausbau. Diese Kosten haben einen direkten Einfluss auf den Quadratmeterpreis.“
Die Bodenrichtwerte für Grundstücke können im Internet beim Land Niedersachsen abgerufen werden. Am Beispiel der Oststraße in Manslagt, in der elf Grundstücke zum Verkauf stehen: 65 Euro werden hier als Bodenrichtwert für den Quadratmeter aufgerufen. Das würde, sehr pauschalisiert, die Erschließungsarbeiten und den Straßenendausbau auf 23 Euro den Quadratmeter festlegen.
Wie ist die preisliche Entwicklung?
Allerdings ist auch der Bodenrichtwert über die Jahre gestiegen, jeweils zum Stichtag 31. Dezember des Jahres: 2003 lag der Bodenrichtwert an gleicher Adresse in Manslagt noch bei 38 Euro, 2013 bei 42 Euro, 2017 bei 45 Euro, 2018 bei 50 Euro und seit Anfang dieses Jahres (seit 2022 wird immer zum 1. Januar des Jahres erhoben) dann bei 65 Euro den Quadratmeter.
Ähnliche Sprünge gab es auch in Jennelt im Kornweg, wo jetzt Grundstücke angeboten werden: die Reihe ist nahezu gleich, nur das man 2019 noch bei 48 Euro pro Quadratmeter lag. Der Sprung Anfang des Jahres ging dann von 48 auf ebenfalls 65 Euro pro Quadratmeter – nur drei Euro unter dem Verkaufswert. Das ist damit zu erklären, dass es sich bei den Grundstücken in Jennelt um eine Lückenbebauung handelt. In Manslagt musste die Straße verlängert und neue Flächen erschlossen werden.
Treibt die Gemeinde die Bodenrichtwerte nach oben?
Die großen Sprünge, die die Bodenrichtwerte in der Krummhörn genommen haben, legen die Frage nahe, ob vor dem Verkauf der Grundstücke nochmal ordentlich an der Preisschraube gedreht wurde. Auf den Bodenrichtwert hat die Gemeinde allerdings keinen Einfluss: „Grundlage dafür sind die amtlichen Kaufpreissammlungen, die von den bundesweit existierenden Gutachterausschüssen für Grundstückswerte geführt werden“, so die deutsche Wikipedia. Wichtig dabei ist, dass für die Bestimmung auch Richtwertzonen gebildet werden. Das sind beispielsweise zusammenhängende Straßenzüge, bei denen dann der Bodenrichtwert einheitlich ist.
Der Bodenrichtwert ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Verkehrswert, also dem voraussichtlichen Preis im Falle eines Verkaufs. Dieser liegt über dem Bodenrichtwert und wird durch verschiedene Faktoren bestimmt. So kommen die Preisunterschiede von Grundstücken in der gleichen Zone mit gleichem Bodenrichtwert zustande.
Warum sind Grundstücke in Manslagt, Loquard fast so teuer wie in Grachten II in Greetsiel?
Leser zeigten sich auch verwundert darüber, dass man in Manslagt und Loquard 88 Euro pro Quadratmeter zahlt und im Greetsieler Neubaugebiet Grachten II „nur“ zehn Euro mehr. Der Preis liegt hier bei 98 Euro. Die Preise lassen sich nur bedingt vergleichen, so Janssen. „Die 99 Euro pro Quadratmeter in Greetsiel gelten für Dauerwohnen und sind eine Vorgabe der Krummhörner Politik. Dieser Preis konnte nur durch eine Mischkalkulation mit den Ferienwohnen-Grundstücken erreicht werden“, heißt es auf Nachfrage.
Tatsächlich liegt der Bodenrichtwert für Greetsiel deutlich über denen in den bislang benannten Ortschaften. Im Fischerdorf werden Spitzen von 650 Euro beim Bodenrichtwert erreicht. Grachten II liegt bei 300 Euro. Die Nachfrage nach den „Einheimischengrundstücken“ im Greetsieler Neubaugebiet war zuletzt verhalten. 13 Grundstücke waren noch zu vergeben. Die Auswertung der eingegangenen Bewerbungen stehe noch aus, so Janssen. Wie viele Bewerbungen es letztendlich gab, ist unbekannt.