Berlin  Guttenberg zu seiner Politikerkarriere: „Habe viel aufs Maul bekommen“

Henry Borgelt
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Von Henry Borgelt
| 27.09.2023 16:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Karl-Theodor zu Guttenberg war einer der beliebtesten Minister während seiner Amtszeit. Foto: dpa | Angelika Warmuth
Karl-Theodor zu Guttenberg war einer der beliebtesten Minister während seiner Amtszeit. Foto: dpa | Angelika Warmuth
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Karl-Theodor zu Guttenberg galt als einer der beliebtesten Politiker Deutschlands, bis er aufgrund einer Plagiatsaffäre als Verteidigungsminister zurücktreten musste. In einem Podcast erzählt der CSU-Politiker von seinem politischen Aufstieg und der Zeit nach der Politik.

Knapp drei Jahre war Karl-Theodor zu Guttenberg ein Bundesminister und trotzdem ist er auch heute noch vielen Menschen in Erinnerung geblieben, obwohl der Ex-Minister nach seinem Rücktritt als Verteidigungsminister 2011 von der öffentlichen Bühne verschwand. Als Wirtschaftsminister sprach er sich gegen ein staatliches Eingreifen zur Rettung des Opel-Konzerns aus und als Verteidigungsminister schob er die Aufhebung der Wehrpflicht an. Später war der ehemalige Minister als Berater und Aktionär in Unternehmen tätig und lobbyierte für den Zahlungsdienstleister Wirecard.

In dem „OMR-Podcast“ berichtet Guttenberg nun von seinem Aufstieg zu einem der beliebtesten Politiker der Republik, seinem Rücktritt und warum er jetzt ausgerechnet mit dem Linken-Politiker Gregor Gysi gut zurechtkommt.

Vielleicht war der eigene Aufstieg zu schnell, erklärt Guttenberg, als er auf seine Karriere in der Politik angesprochen wird. Er sei als Außenseiter in eine Partei gekommen und habe die Machtspiele der Politik nicht gekannt. Sein gradliniges Denken und eine Sicht als Außenstehender sei zwar manchmal vorteilhaft gewesen, es sorgt aber auch dafür, „dass man damit auf die Schnauze fliegt“.

So auch in der Plagiatsaffäre, die Guttenberg schließlich die Position als Verteidigungsminister kostete. „Ich habe viel aufs Maul bekommen“, erklärt Guttenberg rückblickend. Das habe er allerdings auch selbst verursacht, ordnet der Politiker schnell ein. Er habe in seiner Zeit als Politiker immer versucht, Dinge verständlich zu erklären. Das sei in der Politik oft nicht der Fall. Immer mehr Leute fühlen sich „an der Nase herumgeführt“, er habe dagegen steuern wollen, meint Guttenberg.

Doch nun habe der einstige potenzielle Merkel-Nachfolger mit der Politik abgeschlossen, eine Rückkehr schließt er aus. „Ich habe versucht, mich aus dem politischen Geschäft so weit wie möglich herauszuziehen“, bilanziert der gebürtige Bayer.

Nach seiner Zeit in der Politik wurde Guttenberg in der Wirtschaft tätig. Er gründete ein Beratungsunternehmen und vertrat unter anderem den Zahlungsdienstleister Wirecard. Für diesen informierte er die Bundesregierung von Angela Merkel über eine Investition des deutschen Unternehmens in China.

Er habe nur diese Einzelfrage behandelt, zudem sei Wirecard ein DAX 30 Unternehmen gewesen. Angesprochen auf das Insolvenzverfahren von Wirecard, die Ermittlungen gegen das Unternehmen und Jan Marsalek erklärt Guttenberg: „Da war nichts erkennbar in irgendeiner Form“.

Als Lobbyist sehe er sich dennoch nicht. Mit einem einzigen Beratungsfall in zwölf Jahren sei man kein Lobbyist, erklärt der CSU-Politiker.

Der ehemalige Verteidigungsminister erklärt darüber hinaus, dass er trotz seiner internationalen Beratertätigkeiten nicht gerne fliege. „Flüge bei einem Ein- oder Zweitagestermin sind unverantwortlich“, erklärt Guttenberg. Es sei manchmal zwar unumgänglich, aber wenn, dann könne man einen solchen Trip auch mit kultureller Weiterbildung nutzen. Er versuche das Fliegen generell zu vermeiden und auch in Europa auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückzugreifen. Er fahre lieber Bahn und komme zu spät, anstatt zu fliegen.

Auch für die „Fridays for Future“- Bewegung habe er Sympathien, „bei den Klimaklebern fehlt mir nicht das Verständnis für ihr Anliegen, aber das Verständnis für ihre Methode“, erklärt der Ex-Minister. Generell sei es bei jungen Menschen aber gut, dass sie sich für ihre Anliegen einsetzen.

Momentan betreibt Guttenberg einen eigenen Podcast namens „Gysi gegen Guttenberg“ mit dem Linken-Politiker Gregor Gysi. „Ich finde in jeder Partei höchst achtenswerte und beachtenswerte Menschen“, meint Guttenberg.

Die Prämisse eines unterhaltsamen Dialogs, mit einer Person von der anderen Seite des politischen Spektrums interessiere ihn, erklärt der Ex-Minister. „Wir haben uns die Köpfe eingeschlagen, als wir beide noch im Bundestag waren“, sagt er. Dennoch sei Gysi einer der Wenigen gewesen, die im Zuge der Plagiatsaffäre nicht nur nachgetreten haben.

Gerade arbeite Guttenberg an einer neuen Doku für den Streamingdienst „RTL+“, für den er bereits eine Dokumentation über Wladimir Putin produzierte.

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