Stockholm  Muskelreste im Museum: Wie Forscher ausgestorbene Tiere zurückholen wollen

Yannik Jessen
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Von Yannik Jessen
| 29.09.2023 19:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Tasmanische Tiger ist 1936 ausgestorben. Forscher arbeiten daran, das Tier wiederzubeleben. Foto: AFP/JONATHAN NACKSTRAND
Der Tasmanische Tiger ist 1936 ausgestorben. Forscher arbeiten daran, das Tier wiederzubeleben. Foto: AFP/JONATHAN NACKSTRAND
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Ein schwedisches Forschungsteam könnte ein Durchbruch bei der Wiederbelebung ausgestorbener Tierarten gelungen sein. In den Überresten eines Museumstieres fand das Team überraschenderweise wertvolle RNA.

Eigentlich ist die Wissenschaft davon ausgegangen, dass RNA innerhalb weniger Tage zerfällt, wenn sie nicht gekühlt wird. Emilio Mármol und sein Forschungsteam von der Universität Stockholm haben in einer Studie herausgefunden, dass diese Annahme offenbar nicht ganz richtig war.

In der Fachzeitschrift Genome Research beschreiben die Forscher, wie sie RNA aus einem Tasmanischen Tiger oder Beutelwolf isoliert haben. Das Besondere: Das Tier lag seit 1891 in einem Museum in Stockholm – bei Raumtemperatur. Aus Muskeln und Haut des Tieres konnten Gewebeproben entnommen werden, die Millionen von RNA-Sequenzen enthielten.

Erstaunlich ist die Entdeckung nicht nur, weil die Wissenschaft RNA eigentlich für zu zerbrechlich gehalten hat. Im Körper ist RNA, die Abkürzung für Ribonukleinsäure, als Bote zuständig dafür, Informationen vom Erbgut im Zellkern, der DNA, in den Rest der Zelle zu bringen. Bei der Erforschung des Tasmanischen Tigers konnten die Forscher so die DNA des Tieres entschlüsseln.

Theoretisch wäre es mit den Informationen möglich, den Beutelwolf wiederzubeleben. Die bereits vorhandene DNA in Kombination mit den neuen RNA-Daten bilden eine vollständige „Bauanleitung“ aus der sich theoretisch ein Embryo herstellen ließe.

„Die Wiederbelebung des Tasmanischen Tigers oder auch des Wollhaarmammuts erfordert ein umfassendes Wissen sowohl über die Regulierung ihrer Genome als auch über jene ihrer Transkriptome – Wissen, das erst jetzt entsteht“, sagt Studienautor Emilio Mármol in einer Mitteilung. Bis zur Wiederbelebung ausgestorbener Tiere wird es deshalb noch einige Zeit dauern.

Der Plan sieht vor, die Stammzellen eines verwandten lebenden Tieres zu modifizieren, damit sie dem Beutelwolf möglichst ähnlich sind. Aus den Stammzellen ließe sich laut dem Unternehmen Colossal Biosciences dann ein Embryo herstellen. Das Unternehmen arbeitet daran, ausgestorbene Tiere wie den Beutelwolf, Dodos und Mammuts mit älteren DNA-Proben wiederzubeleben.

Dabei helfen soll die in Australien heimische Dickschwänzige Schmalfußbeutelmaus. Der Embryo soll dann entweder in einem der Tiere als Leihmutter heranwachsen oder in einem künstlichen Uterus gezüchtet werden. Das Problem: Bisher hat sich gezeigt, dass das Verfahren teuer und sehr fehleranfällig ist. Teilweise benötigt es hunderte Versuche, bis ein Tier lebensfähig ist.

Es gibt auch Kritik an den Plänen, ausgestorbene Tierarten wiederzubeleben. Demnach stehe der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ergebnis, da wenige Tiere keine nachhaltige Wiederansiedlung ermöglichten. Im „Standard“ betont Evolutionsbiologin Sarah Otto von der University of British Columbia deshalb: „Solche Lösungen sind in der Regel teuer, riskant, und sie sind der letzte Ausweg. Viel sinnvoller ist es, unseren Einfluss zu verringern und vor allem: Lebensräume zu erhalten.“

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