Ehejubiläum in Emden Ihre Liebesgeschichte könnte Stoff fürs Herzkino liefern
Hinrich und Elke Odinga aus Wybelsum feiern an diesem Mittwoch ihre diamantene Hochzeit. Alles begann an einem Bus, der auch Post mitnahm.
Emden - Wenn Hinrich und Elke Odinga ihre Liebesgeschichte erzählen, drängt sich schnell der Eindruck auf, dass beide schon immer füreinander bestimmt waren: Mittlerweile sind 60 glückliche Ehejahre daraus geworden: An diesem Mittwoch feiert das Paar aus dem Emder Vorort Wybelsum seine diamantene Hochzeit. „Wir haben immer an einem Strang gezogen“, sagen beide über ihr Rezept für eine lange Ehe. Auf ihrem gemeinsamen und nicht immer einfachen Lebensweg seien sie stets in die gleiche Richtung gegangen. Krach oder gar Streit habe es nie gegeben, sagen beide unisono.
Wie sich beide Anfang der 1960er Jahre kennenlernten, könnte Stoff fürs Herzkino sein. Elke Odinga, geborene Bodemer, war damals aus dem Dorf Bonfeld im baden-württembergischen Landkreis Heilbronn nach Wybelsum gekommen. Sie wollte ihr drittes Ausbildungsjahr in der ländlichen Hauswirtschaft unbedingt in Ostfriesland absolvieren.
Er wollte keine Frau aus Ostfriesland
Wenn sie ihre Briefe in die Heimat abends zum letzten Postbus in Wybelsum brachte, traf sie hin und wieder Hinrich Odinga. Der hatte damals zwei Brieffreundinnen und brachte die Post ebenfalls zum Bus, der in der Dorfmitte hielt und die Briefe mitnahm. Bei Spaziergängen kamen sich beide näher.
„Eine Freundin oder eine Frau aus Ostfriesland wollte ich nie haben“, räumt der 82-Jährige ein. Eine Erklärung dafür habe er bis heute nicht. Das sei „schon eigenartig“ gewesen. Vor den ersten Begegnungen am Postbus hatte er seine spätere Frau schon bei Füttern von Kälbern auf der Weide gesehen. „Ich war hin und weg und mein Herz klopfte “, sagt der ehemalige Landwirt. Er erinnert sich noch genau: „Sie trug damals eine grüne Latzhose, Gummistiefel, eine bunte Bluse und ein buntes, gestärktes Kopftuch“.
700 Kilometer lagen zwischen ihnen
Elke Odinga kehrte nach bestandener Prüfung zunächst wieder auf den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern in der Heimat zurück. 700 Kilometer lagen zwischen ihr und ihrem Freund in Wybelsum. Beide hatten sich aber schon versprochen, später miteinander leben zu wollen. Zunächst hielten sie Briefkontakt. „Telefonieren war damals noch sehr teuer“, sagen sie. Zwei Jahre später läuteten in Bonfeld die Hochzeitsglocken.
Nach der Heirat wohnte das Paar zunächst auf dem elterlichen Hof von Hinrich Odinga in Wybelsum. 1973 siedelte es aus, baute einen modernen Boxenlaufstall für 60 Milchkühe und Jungvieh sowie ein großes Wohnhaus. Elke Odinga erfüllte sich noch spät einen Traum: Sie bestand 1990 die Meisterinnenprüfung in der ländlichen Hauswirtschaft. Schon zwölf Jahre zuvor hatte sie ihren Jagdschein gemacht, um gemeinsam mit ihrem Mann auf die Jagd gehen zu können.
Jubilarin stand auf dem Hof ihre Frau
Die heute 80-Jährige stand auch auf dem Hof ihre Frau, wenn Hinrich Odinga seinen vielen Ehrenämtern und Posten nachging. Unter anderem saß er 20 Jahre lang für die CDU zunächst im Wybelsumer Ortsrat und später im Emder Stadtrat. Für den Entwässerungsverband Emden betreut der Ehejubilar seit 67 Jahren das kleine Wybelsumer Schöpfwerk, über das etwa 400 Hektar großes Gebiet entwässert wird. Er kennt die Wassermühle wie seine Westentasche.
Aus gesundheitlichen Gründen stellten die Odingas 1995 ihren Milchviehbetrieb auf Rinder- und Bullenmast um, bevor sechs Jahre später ihr 1964 geborener Sohn Gerhard nach einem Unfall seines Vaters den Betrieb übernahm und auf Ackerbau umstellte. Der Junior übernahm 2011 einen großen Ackerbaubetrieb in Lettland. Bei neun Ernten halfen die Eltern ihm im Baltikum jeweils sechs bis sieben Wochen lang. „Wir haben Lettland kennen und lieben gelernt“, sagt Hinrich Odinga.
Ehejubilarin lebt mit großen Einschränkungen
Heute sind der Ehejubilarin weite Reisen nicht mehr vergönnt. Auch in ihre immer noch geliebte Heimat kann sie nicht mehr fahren. Sie erlitt 2020 einen Schlaganfall, ist seit Ende des vergangenen Jahres querschnittsgelähmt und muss deshalb mit großen Einschränkungen leben. Der Liebe und der Unterstützung ihres Mannes, der sich aufopferungsvoll um sie kümmert, kann sie sich aber sicher sein. Beide vertrauen auch auf Gott.
Heute bewohnen sie den von einem großen Garten mit vielen Bäumen umgebenen Altenteil ihres ehemaligen Hofes, den sie 1993 errichteten und zunächst als Ferienhaus vermieteten. Einem gemeinsamen Hobby geht das Paar immer noch nach. Das ist die Imkerei. Regelmäßig treffen sich beide auch mit ihren Kegelfreunden. Früher sangen die Odingas auch im Wybelsumer Gesangverein.
Ihre diamantene Hochzeit wollen Hinrich und Elke Odinga mit der Familie und mit Freunden feiern. Zu den Gratulanten gehören neben ihrem Sohn und den beiden jüngeren Töchtern sechs Enkel- und fünf Urenkelkinder. Auch Alex Tipa-Odinga zählt zu den Gästen. Er war in den 1990er Jahren als junger Geflüchteter aus Moldawien in das Leben des Ehepaars getreten. Später adoptierte es den jungen Mann, der heute mit seiner Familie in Köln lebt.