Freizeitanlage nimmt Form an Freibad Borssum soll noch in diesem Jahr in einen Probebetrieb gehen
Wenn jetzt alles nach Plan läuft und das Wetter mitspielt, soll das Freibad im Winter einmal durchgetestet werden. Für die nächste Saison soll dann alles bereit sein. Wir durften uns vor Ort umsehen.
Emden - Auf der Dauerbaustelle beim Freibad Borssum ist am Donnerstagvormittag geschäftiges Treiben. Es wird gebaggert, Erdflächen werden geebnet und drinnen im Umkleidetrakt wird fleißig gefliest. „Jetzt von Endspurt zu sprechen, wäre wohl vermessen“, sagt Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), als er diese Zeitung über das Gelände führt. Die Freibad-Sanierung war bislang von Pech und Pannen begleitet. So langsam nimmt das Ganze aber Gestalt an. Der Knoten sei durchschlagen worden, so Kruithoff. „Auch wenn man es noch nicht so sieht, ist an den Becken und der Badewassertechnik viel passiert“, erklärt er.
Man wolle nun als Ziel anpeilen, Ende des Jahres das Bad in einem Probebetrieb zu testen. „Wir wollen den Druck hochhalten“, betont er. Das sei aber natürlich, so wägt er ab, auch abhängig vom Wetter und der Verfügbarkeit von Handwerkern. Ob bei einem Probebetrieb auch Badegäste eine Runde schwimmen dürfen, ist aber völlig offen. Das wäre auch nur für die ganz Hartgesottenen etwas. Das Badewasser würde nicht beheizt werden, so Michael Groeneveld, Leiter des Fachdienstes Schule, Bildung und Sport.
Wann soll das Bad richtig öffnen?
Als Eröffnungszeitraum wird Mai geplant, also der normale Saisonbeginn. Zur Personalfrage kann Kruithoff zu dem jetzigen Zeitpunkt nichts Konkretes sagen. Ob die Friesentherme im Sommer geschlossen wird, damit die Schwimmmeister von dort in Borssum eingesetzt werden können, ist also noch völlig offen.
Das war im vergangenen Herbst ins Gespräch gebracht worden, als man noch dachte, das Freibad würde in diesem Sommer öffnen. Der Vorschlag hatte für viel Kritik gesorgt. Wenn es im kommenden Jahr um die Frage des Personals gehen werde, werde man sich mit allen Beteiligten zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden, so Kruithoff.
Was muss jetzt noch getan werden?
Viele Arbeiten laufen aktuell parallel. Die große Filteranlage für das Schwimmerbecken ist schon aufgebaut. Hatte man früher nur ein solches Gerät für alle Becken gebraucht, ist jetzt noch eine Anlage für das Lehrschwimmbecken nötig. Das wird noch installiert, liegt aber bereits parat. Wann es mit dem Aufbau losgeht, könne er zurzeit nicht sagen, so Kruithoff. Die Heiztechnik ist in einem Container neben dem Gebäude untergekommen. Sollte es irgendwann so sein, dass das Badewasser durch Abwärme etwa von den geplanten Elektrolyseuren im Borssumer Hammrich beheizt werden könnte, wäre eine Anpassung leicht gemacht.
Die Wände des großen Schwimmerbeckens sind mittlerweile weitestgehend verspachtelt und geglättet. Es seien nur noch Kleinigkeiten nötig, bis die Folie ausgelegt werden kann. Es sei angedacht, die Folie für das Becken im November anzubringen, so Kruithoff. Sie liege schon vor. Die Rohre für die Schwimmbecken sind weitestgehend verlegt.
Viele Stromleitungen sind beim Becken verlegt - warum?
Viele Stromleitungen, deutlich mehr als vorher, wurden verlegt. Damit sollen beispielsweise bei Wettkämpfen Abschlagplatten am Ende der Bahn mit Strom versorgt werden können. Die Schwimmer schlagen auf die Platte und die Zeit stoppt. Auch sollen smarte Kameras über dem Becken installiert werden, die Personen, die am Beckenboden zu ertrinken drohen, entdecken und die Badeaufsicht warnen. So ein System ist vor kurzem bereits in der Friesentherme installiert worden. Wenn die Technik sich noch weiterentwickelt, könnten irgendwann vielleicht auch weniger Bademeister nötig sein, so Kruithoff. Aktuell dürfen Kameras die menschlichen Aufsichten nicht ersetzen, sondern nur unterstützen.
In der nächsten Woche soll mit den Pflasterarbeiten beim Eingang und rund um die Becken begonnen werden. Jetzt wird noch Erde aufgefahren und geglättet. Dann kommt der Schotter, danach kommen die Pflastersteine. „Dann erkennt man auch langsam, dass es wird“, sagt Kruithoff.
Wird das Vorhaben noch teurer?
Bislang seien die Kosten im aktuellen Rahmen, sagt Kruithoff. Zuletzt war die geschätzte Summe auf rund vier Millionen Euro angehoben worden. Ursprünglich hatte man mit rund 3,3 Millionen Euro geplant.
Warum dauert alles so lange?
Anders als Privatleute oder Vereine muss eine Stadt wie Emden Arbeiten ausschreiben - und das sogar europaweit. Sie kann einem regionalen Handwerker also nicht einfach einen Auftrag geben, wenn es sich um bestimmte Summen dreht. „Die Vergaberichtlinien sind natürlich für Transparenz wichtig“, sagt Kruithoff. So soll „Schmu“ verhindert werden.
Aber: Seinem Eindruck nach sind viele der zahlreichen mittelständischen Emder Unternehmen von so einer Ausschreibung abgeschreckt. Aufträge gehen dann womöglich an Firmen, die eine Hülle sind für Subunternehmer, mit denen es dann häufiger mal Probleme gibt. Sie könne man nicht so steuern. Einem Unternehmen war während der Bauzeit schon gekündigt worden. Regionale Unternehmen seien häufig mehr darauf bedacht, die Baustelle als Ganzes mehr im Blick zu haben und seien gewissenhafter.
Außerdem hatte sich viel zusätzlicher Sanierungsbedarf erst bei Baubeginn herausgestellt. Eine kaputte Badewassertechnik, vermoderte Fliesen, vergammelte Rohre, rostiger Bewährungsstahl im Beton der Becken: Das hat das Vorhaben ausgebremst und Nachjustierungen nötig gemacht. Seit Jahren schon gibt es außerdem Lieferengpässe in der Baubranche und einen starken Handwerkermangel.