Matheo am Ihler Meer  Mitarbeiter zum baldigen Aus – „wir wollen hier nicht weg“

| | 06.10.2023 11:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Koch Frank Grensemann wäre gerne in Ihlowerfehn geblieben – das Matheo sei auch sein Baby gewesen, sagt er. Foto: Böning
Koch Frank Grensemann wäre gerne in Ihlowerfehn geblieben – das Matheo sei auch sein Baby gewesen, sagt er. Foto: Böning
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Für die meisten Mitarbeiter war es ein Schock, als Markus und Christiane Kruse ankündigten, den Pachtvertrag für das Restaurant Matheo am Ihler Meer nicht zu verlängern. Wie geht es weiter?

Ihlowerfehn - Es ist fast ein Sonntagvormittag wie jeder andere im Matheo am Ihler Meer. Im Eingangsbereich steht ein opulentes Frühstücksbuffet, aus dem Restaurant dringen lockere Gespräche, das Klappern von Besteck und in der Luft liegt der Duft von Kaffee. Dabei ist längst nicht alles wie immer, denn seit einer Woche ist bekannt, dass das Pächter-Ehepaar Markus und Christiane Kruse das Matheo nicht weiter betreiben wird. Bis zum Jahresende läuft der Pachtvertrag noch – dann ist Schluss. Auch für die Menschen, die an diesem Tag dafür sorgen, dass alles weiterläuft wie gewohnt.

Was und warum

Darum geht es: Das Restaurant Matheo am Ihler Meer schließt zum Jahresende. Die Betreiber wollten den Pachtvertrag nicht verlängern – die Mitarbeiter würden gerne bleiben.

Vor allem interessant für: Erholungssuchende und Restaurantfreunde

Deshalb berichten wir: Die Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft Ihlow (Edi) und die Gemeinde Ihlow suchen auf ihren Internetseiten nach neuen Pächtern.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

„Das Frühstücksbuffet geht noch immer gut“, sagt Koch Frank Grensemann. Alles andere sei seit der Pandemie schwierig gelaufen, fügt er hinzu und gibt ein Beispiel: In der Saison vor Corona seien noch bis zu 70 Leute zum Sparerib-Essen gekommen. Nach der Corona-Pandemie seien diese Gäste nicht zurückgekehrt. Am Wochenende musste er die Sonderaktionen, sowohl das Sparerib-Essen als auch das Schnitzelessen, absagen. Es gab einfach zu wenig Anmeldungen. „Jetzt, wo alle wissen, dass wir bald schließen, wird das wohl auch nichts mehr“, befürchtet der Koch. Das zu akzeptieren fällt ihm schwer. „Das Matheo ist für mich so etwas wie mein Baby“, sagt er.

Zwischen Eiscafé und Restaurant

An der Kasse steht Gudrun Kabbe und zahlt. Mit ihrer Freundin Heidi Wienekamp hat sie an diesem Tag Gutscheine für das Frühstücksbuffet eingelöst. Sie werden ihr fehlen, die Betreiberin Christiane Kruse, das Personal, das ganze Matheo – sagt Kabbe. Für sie selbst gibt es einen feierlichen Abschied: Im großen Bürgersaal wird sie mit Unterstützung des Matheo noch am 1. Dezember ihre Hochzeit feiern. „Ich hatte schon Angst, dass alles ins Wasser fällt, als ich hörte, dass das Restaurant schließt“, sagt die 60-Jährige.

Matheo-Mitarbeiterin Annika Frese (links) im Gespräch mit Gudrun Kabbe (rechts) und deren Freundin Heidi Wienekamp. Beide sind traurig über das Ende des Restaurants. Foto: Böning
Matheo-Mitarbeiterin Annika Frese (links) im Gespräch mit Gudrun Kabbe (rechts) und deren Freundin Heidi Wienekamp. Beide sind traurig über das Ende des Restaurants. Foto: Böning

Annika Frese, die an diesem Morgen kassiert, kann sie beruhigen. „Es läuft alles weiter wie gewohnt“, sagt sie. Frese selbst will im Matheo bleiben, so lange es geht. „Ich will hier nicht weg“, sagt sie. Sie hat schon für die Kruses gearbeitet, als die meisten anderen noch nicht da waren. Sie sorgte schon in deren inzwischen geschlossenem Eiscafé gegenüber dem Rathaus dafür, dass das Eis in cremig gerührten Wellen appetitlich in der Auslage lag. Das hat Eindruck gemacht, auch bei den Kunden. „Das Eis hat hier im Matheo immer gefehlt“, sagt Gudrun Kabbe. „Dafür hatten wir hier einfach nicht das Personal“, erklärt Frese.

Manche Mitarbeiter wollen nicht gehen

Statt sich wie damals um das Eis zu kümmern, backt Frese im Matheo unter anderem die Kuchen für den Tagesbetrieb und die Torten für die Hochzeiten. Wenn die Riepsterin davon erzählt, wird ihr Lächeln noch strahlender. Das Backen macht ihr Spaß, wie damals die Arbeit im Eiscafé. Die Riepsterin absolvierte eine Ausbildung zur Köchin, als sich das erste Kind ankündigte und sie die Lehre abbrechen musste. Inzwischen ist sie dreifache Mutter und alleinerziehend. Woanders zu arbeiten, kann sie sich in ihrer Situation kaum vorstellen. Die Arbeit passt in ihr Leben. Mehr noch – sie macht sie glücklich.

„Wir wollen hier nicht weg“, sagt auch Koch Frank Grensemann. Er würde am liebsten bleiben, mag Ihlowerfehn, das Matheo, die Menschen. Er hatte gehofft, die Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft Ihlow (Edi) würde ihn anstellen. Doch die sucht weiter nach einen neuen Pächter. Bei der Edi kann man sich den Schritt zum Betreiber einer Gastronomie nicht vorstellen. „Wir sind keine Gastronomen und haben mit unseren 14 Angestellten nicht die Kapazität, eine zu betreiben“, sagt deren Geschäftsführer Ulrich Kubatschek. Er weiß, dass er einen Koch wie Frank Grensemann eigentlich nicht gehen lassen darf. „Alles steht und fällt mit einem guten Koch“, sagt Kubatschek. Und den habe die Gastronomie am Ihler Meer mit Grensemann gefunden.

Große Nachfrage – nach Koch und Gastronomie

Man würde alles tun, um ihn in Ihlowerfehn zu halten, sagt Kubatschek. Doch wie lange der Koch noch im Matheo sein wird, ist offen. Denn Köche sind gefragt. Kaum hatte die Gemeinde Ihlow inseriert, dass sie einen neuen Pächter für die Gastronomie am Ihler Meer sucht, hatte Frank Grensemann schon neue Angebote auf dem Tisch. Dass es für ihn eine Zukunft in Ihlow geben wird, daran glaubt er kaum noch. Denn schon zum 1. November könnte es für den Emder woanders weitergehen. Personal sei in der Gastronomie so knapp wie nie. „Ich bin seit 31 Jahren in der Branche und es war noch nie so schlimm wie heute“, sagt Frank Grensemann. „Als Koch kannst du deinen Lohn mittlerweile schon fast selbst in den Arbeitsvertrag schreiben.“

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Auch die andere Seite kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Schon in der ersten Woche nach Erscheinen der Anzeige habe er acht Anfragen von potenziellen Pächtern auf dem Tisch gehabt, sagt Ulrich Kubatschek: „Wir haben bereits drei bis vier sehr interessante Gespräche geführt.“ Mehrere Besichtigungen habe es schon gegeben. Das hat auch Koch Frank Grensemann mitbekommen. Er hofft für das Matheo das Beste. Ihlowerfehn brauche keine Dönerbude oder Pizzeria, weiß er aus Erfahrung: „Es braucht einen Pächter mit einem guten Konzept und Ausdauer, der die Versorgung des Gästehauses genau so abdeckt wie Seniorennachmittage“, sagt er. Ob der gefunden wird, bevor Grensemann seinen neuen Arbeitsvertrag unterschreibt, darauf kann er kaum hoffen. Noch bis zum 15. Oktober können sich Interessenten melden.

Das Betreiberpaar Kruse selbst wollte sich nicht zu den Gründen äußern, warum es Ihlowerfehn den Rücken kehrt. Auf die Frage, ob sie das Subway in Aurich weiter betreiben werden, bedankte sich Christiane Kruse für das Gespräch und legte auf. Die Frage nach der Zukunft des Eiscafés war da noch gar nicht gestellt worden. Markus und Christiane Kruse hatten im Juni 2021 das Matheo am Ihler Meer eröffnet – zwei Jahre nach der Eröffnung des Eiscafés gegenüber dem Ihlower Rathaus. Mindestens sechs verschiedene Pächter hatte die Gastronomie bereits seit dem Jahr 2007.