Großes Bauvorhaben  Emder Rat entscheidet klar für die Sanierung der Nordseehalle

| | 06.10.2023 16:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Nordseehalle wurde 1972 erbaut und soll nun umfassend saniert werden, damit das große Gebäude zukunftsfähig wird. Foto: Schuurman
Die Nordseehalle wurde 1972 erbaut und soll nun umfassend saniert werden, damit das große Gebäude zukunftsfähig wird. Foto: Schuurman
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Einstimmig ist der Emder Rat dafür, die Nordseehalle sanieren zu lassen. Kurzfristig musste eine Entscheidung her, weil der Bund einen Fördertopf öffnet. Alle sollen von dem Projekt profitieren.

Emden - Das Votum war klar: Der Emder Rat ist einstimmig dafür, dass die Nordseehalle energetisch umfassend saniert und zu einem multifunktionalen Treffpunkt umgebaut und weiterentwickelt wird. Am Donnerstagabend fiel die Entscheidung.

Das Vorhaben ist relativ kurzfristig in die Debatte gegangen, weil erst vor kurzem ein Fördertopf des Bundes geöffnet wurde. Schnellstmöglich möchte die Verwaltung sich mit einer Projektskizze bewerben. Eine erste Interessensbekundung wurde schon nach Berlin gesendet.

Was soll saniert werden?

Das 1972 erbaute Gebäude soll umfassend energetisch saniert werden. Schon lange wird über den hohen Energieverbrauch in der größten Veranstaltungshalle ihrer Art in Ostfriesland debattiert. „Durch die neuen energetischen Standards wird die Nordseehalle Emden eine Vorbildfunktion im Bereich energetisches Sanieren und Bauen für die Kommune übernehmen“, heißt es von der Stadt.

Neben der Sanierung des Bestandsgebäudes beinhaltet das Vorhaben auch die Umwandlung der Hallenfläche in eine Dreifachsporthalle einschließlich neuer Sanitäranlagen. Auch ein Ersatzneubau im Eingangsbereich soll entstehen.

Wer profitiert von der Sanierung?

Alle, heißt es von der Stadt. Von der Sanierung soll das Kulturangebot profitieren und ein besseres Raumangebot für den Schul- und Breitensport geschaffen werden. Rund um die Nordseehalle befinden sich mehrere Emder Schulen, die über fehlende Hallen-Kapazitäten klagen. Die Halle soll ein „modernes Zentrum für Sport-, Kultur- und Freizeitveranstaltungen“ werden.

„Zukünftig werden hier, eingebunden in ein zukunftsorientiertes gesamtstädtisches Veranstaltungsprogramm, verschiedene Formate des Sports und alltagskulturelle Veranstaltungen für die ganze Familie unter einem Dach angeboten, wodurch sich die Nordseehalle Emden zu einer über den gesamten Tagesverlauf belebten und in der Region bisher einmaligen sozialen Einrichtung für Jugend und Sport entwickelt“, heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt.

Aber bekommt Emden nicht schon ein modernes Festspielhaus?

Ja, aber beide Einrichtungen und auch Open-Air-Veranstaltungen in der Innenstadt, etwa der Kultursommer oder Großevents wie der Ottifanten-Geburtstag, sollen sich ergänzen, sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) im Rat. Es müsse geschaut werden, wie eine möglichst hohe Auslastung der Nordseehalle gelinge parallel zu einer hohen Nutzung des Festspielhauses und einer Belebung der Innenstadt.

Auch nach der Sanierung sollen Großveranstaltungen wie die Eiszeit in der Nordseehalle stattfinden können. Foto: J. Doden/Archiv
Auch nach der Sanierung sollen Großveranstaltungen wie die Eiszeit in der Nordseehalle stattfinden können. Foto: J. Doden/Archiv

Werden auch Veranstaltungen wie die Eiszeit noch möglich sein?

Ja. Neben regulären Veranstaltungen wie Hobbybörse oder Flohmarkt, Seminaren und Sport sollen es auch Sonderveranstaltungen wie die Eiszeit weitergeben. Eventuell kommen auch weitere Nutzungsmöglichkeiten wie Bouldern (Klettern) und Trampolin-Springen dazu, so Kruithoff.

Wie teuer wird das Ganze?

Es geht um viel Geld: Die Gesamtmittel sollen 13,5 Millionen Euro betragen, wobei der Bund 45 Prozent der Kosten tragen würde. Die Stadt Emden müsste entsprechend 7,5 Millionen Euro aus eigener Tasche zahlen. „In die Summe von 13,5 Millionen Euro passen das Freibad Borssum und das Festspielhaus zusammen rein, das muss man sich vor Augen halten“, sagte Bernd Renken (Grüne) im Rat. Vor solchen Dimensionen habe die Stadt noch nicht gestanden. Jochen Eichhorn (GfE) merkte an, dass die Preise - wie bei anderen Großbauprojekten in Emden - auch noch steigen könnten.

Wie geht es weiter?

Wenn sich die Stadt nun nach dem positiven Ratsbeschluss um das Fördergeld bewirbt, wird Ende des Jahres oder Anfang Januar mit einer Rückmeldung gerechnet. Bis dahin wolle man die Zeit aber schon einmal nutzen und schnellstmöglich in den Austausch mit Beteiligten rund um die Nordseehalle gehen, so Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos). Für diesen Freitag sei schon ein Gespräch mit Nordseehalle-Mitarbeitern geplant.

Wenn Emden den Zuschlag bekommen sollte, dann könnte die Sanierung in rund zwei Jahren starten. Anders als beim Festspielhaus soll die Nutzung der Nordseehalle zumindest in Teilbereichen auch während der Umbauzeit gewährleistet werden. Und auch der Fertigstellungstermin steht dort schon fest: 2028 muss das Projekt schlussabgerechnet werden, um die volle Förderung zu bekommen.

Und wenn man nicht saniert?

Wenn eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes jetzt nicht angestoßen wird, so ließ sich den Beiträgen im Rat entnehmen, könnte die Nordseehalle geschlossen werden müssen. Oder die Stadt müsste eine Sanierung, wenn sie sich nicht auf das Förderprogramm bewerben würde oder abgelehnt wird, alleine stemmen.

„Der Erhalt, die Sanierung und der Ersatzneubau am Eingang sowie die inhaltliche Neuausrichtung sind unausweichlich vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und ein wichtiger Baustein im Handlungsfeld öffentliche Infrastruktur der erst kürzlich erarbeiteten Resilienzstrategie für die Emder Innenstadt“, heißt es in der Beschlussvorlage. Zusätzlich habe eine aktuelle Bauwerksprüfung ergeben, dass die Dachkonstruktion der Halle repariert werden muss, um die Sicherheit und den nachhaltigen Betrieb zu gewährleisten.

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