Osnabrück Nobelpreis wird Mullahs nicht beeindrucken
Der Friedensnobelpreis für eine Frau, die im Gefängnis sitzt – die Auszeichnung von Narges Mohammadi ist ein starkes Zeichen. Auch wenn es die Machthaber kalt lassen wird.
Fünf Verurteilungen nach 13 Festnahmen, Haftstrafen in der Summe von 31 Jahren und 154 Peitschenhiebe – das klingt nach Mittelalter und ist es leider auch. Mit diesen brutalen persönlichen Konsequenzen büßt die neue Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi für ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen und für Menschenrechte und Freiheit in ihrem Land. Die 51-jährige ist eine gute Wahl, um das iranische Regime an den Pranger zu stellen.
Beeindrucken wird das die Mullahs aber leider nicht. Denn das rein willkürliche und brutale Vorgehen der iranischen Herrscher gegen die Frauen im Lande mit Sittenpolizei und einer abhängigen Justiz geht weiter, jede kurzfristige Lockerung ist reine Taktik. Insofern ist bei der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock eher der Wunsch der Vater des Gedankens, wenn sie zur Preisverleihung sagt: „Mohammadis furchtlose Stimme lässt sich nicht wegsperren.“
Doch, sie ist weggesperrt. Und sie wird es bleiben, auch wenn die Mullahs schon längst nicht mehr die Mehrheit im Iran hinter sich haben – wenn sie die denn je hatten. Die religiösen Führer haben die absolute Macht und absolut keine Skrupel, diese gegen das eigene Volk einzusetzen.
Dennoch bleibt der Friedensnobelpreis an Narges Mohammadi die richtige Wahl, auch und gerade weil durchaus andere Favoriten gehandelt worden waren. So richtet sich der Blick aller mit der Kraft des wichtigsten Preises der Welt auf einen Staat, der (nicht nur) seine Frauen unterdrückt, der foltert und mordet. Und so wird es den Mullahs zumindest ein kleines bisschen schwerer gemacht, Narges Mohammadi endgültig mundtot zu machen. Hoffentlich.