Gaza Was ist die Hamas – und warum greift sie Israel an?
Seit Samstagmorgen herrscht Krieg zwischen Israel und der Hamas. Die islamistische Terrororganisation hat Israel überraschend angegriffen – aber warum? Und was sind ihre Ziele?
Die Hamas wird von westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft – ihr militärischer Arm, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, übt seit 1993 Selbstmordattentate und Anschläge gegen israelische Zivilisten und Soldaten aus. Ihr Angriff auf Israel am 7. Oktober ist nun die größte Eskalation seit zweieinhalb Jahren.
Die militante Bewegung ist eine der beiden größten politischen Akteure in den palästinensischen Gebieten. Aber wie ist die Hamas entstanden? Und was will sie erreichen?
Alle Updates zur aktuellen Entwicklung finden Sie in unserem Liveblog zum Angriff auf Israel.
Hamas steht für Harakat al-Muqawama al-Islamiya, übersetzt „Islamische Widerstandsbewegung“. Sie wurde 1987 von Ahmad Yasin, gegründet, einem islamischen Kleriker. Yasin baute die Hamas als den politischen Arm der Muslimbruderschaft in Gaza auf. Dies geschah kurz nach dem ersten Aufstand (Intifada) der palästinensischen Bevölkerung gegen die israelische Besatzung im Westjordanland, Gaza und Ostjerusalem.
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Die Hamas erklärte 1988 ihr Ziel in einer Gründungscharta: Den Staat Israel zu zerstören und eine islamische Gesellschaft in den historisch palästinensischen Gebieten aufzubauen. Schon bevor der Staat Israel auf zuvor palästinensisch besiedeltem Gebiet gegründet wurde, gab es massive Widerstände gegen die Idee.
Seit der Staatsgründung am 14. Mai 1948 stehen sich Israelis und Araber und Palästinenser extrem feindlich gegenüber. Der erste Krieg brach noch am Gründungstag aus: Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und der Irak griffen Israel an und begannen damit einen jahrzehntelangen gewaltvollen Konflikt.
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Die Hamas schloss sich dem gewaltsamen Widerstand an: 1993 übte die Organisation einen ersten Selbstmordanschlag aus, in Reaktion auf die Friedenserhandlungen zwischen der Palästinensischen Befreiungsorganisation unter Yasser Arafat und dem israelischen Premierminister Yitzhak Rabin.
Die Hamas sieht sich als Rebellen gegen israelische Besatzung und kontrolliert den Gazastreifen seit 2005. Seitdem wird Israel immer wieder das Ziel von Raketenangriffen aus Gaza. Israel hat bisher drei Kriege gegen die Hamas geführt. Beim tödlichsten 2014 kamen mehr als 2200 Palästinenser und 74 Israelis ums Leben.
Als Terrororganisation erhält die Hamas keine finanzielle Unterstützung aus den Geldern, die westliche Staaten der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) zur Verfügung stellen. Stattdessen finanziert sich die Hamas teilweise selbst, indem sie Waren, die aus Ägypten in den Gazastreifen importiert werden, besteuert. Bis zu 12 Millionen Dollar soll die Hamas so monatlich eingenommen haben.
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Der Iran ist außerdem einer der größten Unterstützer der Hamas. Das Land liefert Gelder und Waffen und bildet Kämpfer aus. Die Türkei wurde ebenfalls beschuldigt, die Hamas finanziell unterstütz zu haben. Das ist allerdings nicht bestätigt.
Seit sich israelische Truppen 2005 aus Gaza zurückgezogen haben, regiert dort die Hamas. Sie hat dort die alleinige politische Vorherrschaft. Fatah, die heute stärkste Fraktion in der PLO, war ebenfalls in Gaza vertreten. Doch nach einem politischen Streit zwischen Fatah und Hamas 2007 verlor die Hamas jede Kontrolle im Westjordanland und vertrieb Fatah im Gegenzug aus dem Gazastreifen.
Die Hamas präsentierte sich zunächst als wohltätige Organisation: Sie gründete Schulen und soziale Einrichtungen. Bei der verarmten Bevölkerung im Gazastreifen war die Strategie erfolgreich. Die Hamas gewann die Wahlen 2006. Seitdem regiert sie jedoch autoritär und nach Gesetzen basierend auf der Scharia. Frauen werden stark kontrolliert und Medien, Aktivismus und Oppositionelle unterdrückt. Wahlen hat es dort seitdem nicht mehr gegeben.