Urlaub auf Rädern  Was erwartet Wohnmobilisten in Ihlowerfehn?

| | 10.10.2023 15:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In Ihlow stimmt die Politik nach zwei Jahren den Plänen der Gemeindeverwaltung für einen Wohnmobilstellplatz zu. Symbolfoto: Dpa
In Ihlow stimmt die Politik nach zwei Jahren den Plänen der Gemeindeverwaltung für einen Wohnmobilstellplatz zu. Symbolfoto: Dpa
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Am Ihler Meer ist die Planung für den Wohnmobilstellplatz so gut wie in trockenen Tüchern. So wollen Politik und Verwaltung die Urlauber auf Rädern glücklich machen.

Ihlow - Es ging lange hin und her im Ringen um den Wohnmobilstellplatz am Ihler Meer in Ihlowerfehn. Mal sollte es der ganz große Wurf werden, mit automatischem Schranken- und Bezahlsystem, Dusch- und Toilettenhaus – ein Rundum-sorglos-Paket für Wohnmobilisten und Gemeinde. Dann mal wieder eine Sparversion und anders herum. Nachdem der Gemeinde zuletzt für den Bau eingeplantes Fördergeld in Höhe von 100.000 Euro abhandengekommen war, musste wieder gespart werden. Kaum war der Plan angepasst, forderten die Ratsmitglieder eine Berechnung der Betriebskosten mit unterschiedlichen Szenarien. Nein, man kann nicht sagen, dass es sich die Politik in Ihlow mit dem Wohnmobilstellplatz leicht gemacht hat.

Was und warum

Darum geht es: Es gibt endlich eine Lösung für den Wohnmobilplatz in Ihlow.

Vor allem interessant für: Mobilisten, Kommunen mit ähnlichen Plänen und alle, die von einem solchen Platz in Ihlow profitieren

Deshalb berichten wir: Ende vergangener Woche hat der Wirtschaftsausschuss den überarbeiteten Plänen der Verwaltung zugestimmt.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Die Zeit drängt:

Am Ende wurde die Zeit so knapp, dass der Wirtschaftsausschuss Ende vergangener Woche nachsitzen musste, um der Planung für den Wohnmobilstellplatz endlich seinen Segen zu geben. Dabei war es schon lange beschlossene Sache, dass der Wohnmobilstellplatz kommen wird – nur in welcher Ausführung, das musste noch entschieden werden. Die Zeit drängt: Im nächsten Sommer muss der Platz fertig sein, sonst kann die Ihlower Verwaltung auch die verbliebenen 200.000 Euro Förderung nicht abrufen – und bis dahin ist noch viel zu tun. Zu den Fördertöpfen gehört unter anderem das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“.

Es gibt bereits kostenlose Stellplätze:

Doch jetzt ist der Weg geebnet, der Wirtschaftsausschuss hat zugestimmt. Nach der Zustimmung des Verwaltungsausschusses kann es endlich an die Umsetzung gehen. Dass es Bedarf gibt, zeigen Mobilisten am Ihler Meer schon seit Jahren. Zwei kostenlose Parkbuchten sind laut Gemeindeverwaltung bisher offiziell auf dem Parkplatz am Bürgerhaus vorgesehen – seit etwa vier Jahren stehen dort eine Ver- und Entsorgungssäule für Wasser und Fäkalien und ein Stromanschluss bereit.

Vorhandene Infrastruktur kann genutzt werden:

Sogar diese Basisversion mit dem wenig attraktiven Parkplatzblick wird rege genutzt. „Manchmal stehen dort mehr Mobile, als zugelassen sind, manche auch quer über mehrere Parkplätze“, sagt Annette Lang, die seitens der Gemeindeverwaltung mit der Planung des neuen Stellplatzes betraut ist. „Dadurch fallen viele Parkplätze für Besucher des Ihler Meeres weg“, sagt Lang. Gerade seitdem die Anlage um den Badesee neu gestaltet wurde, sei das zunehmend ein Problem – und der Stellplatz deshalb auch aus Platzgründen notwendig. Die bereits vorhandene Infrastruktur soll auf den neuen Platz umziehen und laut Gemeindeverwaltung durch den Hersteller auf digitale Abrechnung umgerüstet werden.

So wird der Wohnmobilstellplatz ausgestattet:

Es geht im ersten Bauabschnitt um 19 Parzellen mit einem Bezahlsystem für die Nutzung der Stellplätze über eine App. Zusätzlich werden neue Lade- und Sanitärsäulen angeschafft und die vorhandene Infrastruktur zieht auf den neuen Platz um. Es soll einen abschließbaren Müllsammelplatz und eine halbe Stelle bei der Gemeindeverwaltung für die Betreuung des Stellplatzes geben. „Dort kann man auch helfen, wenn es Probleme mit der App-Nutzung gibt“, so Lang. Über eine kleine Brücke gibt es einen direkten Zugang zum Ihler Meer. Das Umkleidegebäude am Ihler Meer steht mit den Toiletten- und Duschanlagen in der Saison zur Verfügung.

Das kostet der Stellplatz:

Die Baukosten für den ersten Bauabschnitt liegen bei etwa 400.000 Euro, die Hälfte davon wird durch eingeworbene Fördermittel gedeckt. Enthalten in den Kosten sind unter anderem Elektroladesäulen, die Wasser- und Schmutzwassereinrichtungen und eine geringe Summe für Schallschutzmaßnahmen. Mit eingerechnet sind auch die Kosten für eine Elektroladesäule für E-Wohnmobile. „Eine solche Lademöglichkeit ist derzeit ein Alleinstellungsmerkmal und wird die Vermarktung und Auslastung positiv beeinflussen“, heißt es in den Ratsunterlagen. Für den zweiten Bauabschnitt wurden Kosten von etwa 102.000 Euro kalkuliert.

Der Zeitplan:

Laut Annette Lang muss nach der Anpassung des Schallgutachtens noch die Zustimmung der Fördermittelgeber für die neuen Pläne eingeholt werden. Ist man dort einverstanden, steht dem Wohnmobilstellplatz nichts mehr im Weg. Dann folgen der Bauantrag und schließlich die konkreten Pläne für die Umsetzung. „Vieles ist schon da“, sagt Lang. Bis wann der Platz schließlich fertig sein wird, dazu möchte sie keine Schätzung abgeben. Spätester Zeitpunkt ist laut den Regeln für die Zusage der Fördergelder jedoch Ende Juli 2024.

Das hat die Gemeinde von einem Stellplatz für Wohnmobile:

Die Gemeinde Ihlow möchte vom Wohnmobil-Boom profitieren und von dem, was Mobilisten an ihrem Urlaubsort ausgeben. „Und das ist einiges“, sagt Ratsmitglied Sabine Hohagen (Grüne), selbst überzeugte Wohnmobilistin. Friedhelm Saathoff von der Gemeinde hatte zu Beginn der Planung vor mehr als zwei Jahren ermittelt, dass Reisemobilisten pro Person und Tag etwa 51 Euro ausgeben, die der Gastronomie und der Gemeinde zugutekommen. Auch durch eine Stellplatzgebühr kann die Gemeinde selbst je nach Beliebtheit des Platzes profitieren. Laut einer Betriebskostenschätzung würde die Gemeinde pro Stellplatz bei einer Gebühr von 15 Euro und einer Auslastung von 200 Tagen pro Jahr 1238 Euro einnehmen.

So kann der Platz erweitert werden:

„Wir müssen erst einmal anfangen, nach einem Jahr sind wir schlauer und können überlegen, was wir besser machen können“, sagte Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos) in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses. Zur Diskussion stand unter anderem ein Schrankensystem für die Zugangskontrolle. Möglich sei ebenfalls eine ganzjährige Nutzung der Toiletten- und Duschanlagen am Ihler Meer für die Gäste des Wohnmobilstellplatzes über ein Zugangssystem, wenn die Reinigung außerhalb der Saison geregelt ist. Sollte Bedarf bestehen, kann der Platz in Richtung Straße im zweiten Bauabschnitt um weitere sieben Stellplätze erweitert werden. Dort sollen auch tiefere Stellplätze für längere Wohnmobile entstehen.

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