Osnabrück Einige Kliniken bleiben auf der Strecke – das muss nicht schlecht sein
Immer mehr Krankenhäuser in Deutschland geraten in wirtschaftliche Not und müssen schließen. Gesundheitsminister Lauterbach will mit einer Reform gegensteuern, doch aus der Branche kommt viel Kritik. Dabei geht Lauterbach den richtigen Weg.
Die befürchtete Insolvenzwelle von Kliniken in Deutschland hat eingesetzt – und viele warnen vor einem Kahlschlag. Nun soll die umstrittene Krankenhausreform von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Abhilfe schaffen, indem sie die Behandlungsqualität steigert und den wirtschaftlichen Druck senkt. Doch viele kleine Kliniken befürchten das Gegenteil und blicken in eine ungewisse Zukunft.
Wie man es auch dreht und wendet: Allein wegen der Entwicklung von Kosten und Löhnen werden zahlreiche Kliniken bundesweit schließen müssen, vor allem in ländlichen Regionen. Das ist eben das Resultat einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung. In Ballungszentren gibt es bundesweit schlicht zuviele Häuser, die Krankenhausdichte ist mit mehr als 1700 Kliniken in Deutschland größer als in jedem anderen Land Europas.
Dass Schließen und Zusammenlegen von Kliniken klingt erst einmal nach einer schlechten Nachricht. Doch es hat – gerade aus Sicht der Patienten – auch positive Seiten. Gesundheitsdaten zeigen, dass die Qualität vieler Behandlungen derzeit schlecht ist und Patienten sogar sterben, weil sie nicht optimal therapiert werden.
Tatsache ist, dass in anderen Ländern Menschen deutlich weniger Zeit in Krankenhäusern verbringen und im Schnitt nicht kränker sind und auch nicht kürzer leben. Es gibt in anderen Ländern deutlich weniger Operationen, ohne dass die Patienten bekanntermaßen dadurch Nachteile hätten. Seit Jahren werfen die Krankenkassen den Kliniken hierzulande vor, zu viele und zum Teil unnötige Operationen anzusetzen, um Einnahmen zu erzielen, die in erster Linie ihre Existenz sichern sollen.
Der Reformansatz, wonach kleine Häuser künftig nur noch Eingriffe und Behandlungen vornehmen dürfen, die sie medizinisch qualitativ hochwertig ausführen können, ist genau der Richtige. Das heißt für Patienten: Lieber 50 Kilometer weit in eine Klinik fahren, dafür aber von jemandem operiert werden, der sich auskennt. Da hat Minister Lauterbach völlig recht.