Hamburg Sabotage in der Ostsee: Der nächste Nadelstich
Die Suche nach dem Urheber des Lecks der finnisch-estnischen Pipeline „Balticconnector“ hat erst begonnen, wie immer gibt es schon einen Verdächtigen. Was die Ostsee-Anrainerstaaten jetzt tun müssen.
Wieder gab es ein Leck in einer Ostseepipeline, wieder deutet alles darauf hin, dass das kein Unfall war – und wieder steht Russland als möglicher Verursacher im Fokus. Beweise gibt es auch in diesem Fall noch nicht, nur Indizien. Ohnehin wimmelt es zumindest beim Nordstream-Anschlag ja nur so vor Verdächtigen. Aber immer, wenn irgendwo in nordischen Gewässern ein Datenkabel durchtrennt wurde oder eine Pipeline barst, sah man in der Nähe ein russisches Schiff herumschleichen.
Alles Zufall? Möglich. Die Anschläge aber passen exakt ins Konzept der hybriden Kriegsführung: Nadelstiche setzen und zeigen, was man kann, um den Gegner einzuschüchtern. Und nicht vergessen, wenigstens eine kleine Visitenkarte zu hinterlassen: Grüße aus Moskau.
Was aber folgt nun daraus? Litauen hat in einem ersten Schritt angekündigt, sein schwimmendes LNG-Terminal besser zu schützen, mit dem es seit dem Verzicht auf russisches Gas seinen Energiebedarf deckt.
Dass die Ostseeanrainerstaaten anfangen, ihre kritische Infrastruktur besser zu schützen als bisher, wird auch allerhöchste Zeit. Die Seeraumüberwachung, im Norden lange stiefmütterlich behandelt, muss deutlich hochgefahren werden. Patrouillenfahrten und -flüge, Sensoren an Pipelines und Anlagen, die Cybersicherheit ihrer Steuerung – auf nahezu jedem Gebiet besteht Nachholbedarf.
Auch die Nato hat eine entschlossene Antwort angekündigt, sollte sich Russland als Verursacher des aktuellen Sabotageakts herausstellen. Bevor etwa der Bündnisfall ausgerufen wird, muss allerdings schon etwas mehr passieren als ein Leck an einer kleinen, letztlich leicht zu ersetzenden Pipeline. Die Anschläge bleiben bislang stets unter einer bestimmten Eskalationsschwelle. Damit das auch so bleibt, müssen alle Ostseeanrainerstaaten jetzt massiv in ihre maritime Sicherheit investieren.