Osnabrück.  Kampfpanzer Merkava: Kann dieser Panzer den Krieg in Israel entscheiden?

Kim-Khang Tran
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Von Kim-Khang Tran
| 12.10.2023 16:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Merkava IV gilt als der fortschrittlichste Kampfpanzer der Welt. Foto: imago images/lucidwaters
Der Merkava IV gilt als der fortschrittlichste Kampfpanzer der Welt. Foto: imago images/lucidwaters
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. Israel setzt im Krieg gegen die Hamas auf den fortschrittlichsten Kampfpanzer der Welt: den Merkava. Und doch haben palästinensische Kämpfer es in den vergangenen Tagen geschafft, ihn zu zerstören. Wie konnte es dazu kommen?

Die Bilder sind überall im Internet zu finden: Israelische Panzer, die in Flammen stehen. Palästinenser, die auf ihnen stehen und mit einem Victory-Zeichen jubeln.

Dabei sind die israelischen Streitkräfte der in Deutschland als Terrororganisation eingestuften Hamas deutlich überlegen. Zum Vergleich: Die israelische Armee hat laut der Online-Plattform Statista rund 169.500 aktive Soldaten und etwa 400.000 Reservisten – die Zahl der Hamas-Kämpfer wird nur auf 40.000 bis 50.000 Soldaten geschätzt. Gerade auch für seinen Kampfpanzer ist Israel bekannt.

Übersetzung des Tweets: Ein israelischer Panzer Merkava Mk 4M wurde von palästinensischen Milizen außer Gefecht gesetzt, die heute groß angelegte Infiltrationen und Angriffe innerhalb zuvor von Israel kontrollierter Gebiete durchführten. Der aktuelle Angriff dauert immer noch an, ich werde weiterhin Updates zur dortigen „heißen Situation“ bereitstellen.

Der israelische Kampfpanzer Merkava ist in seiner aktuellen Fassung rund 65 Tonnen schwer und hat eine 120-Millimeter-Kanone, eine Reichweite von 500 Kilometern sowie eine Maximalgeschwindigkeit von 64 km/h. Zum Vergleich: Der deutsche Kampfpanzer Leopard 2 A4 hat ebenfalls eine 120-Millimeter-Kanone, wiegt jedoch nur 55 Tonnen, hat eine Reichweite von 450 Kilometern und kann höchstens 70 km/h erreichen.

Produziert wird der Merkava vom Merkava Tank Office (Mantak), das dem israelischen Verteidigungsministerium untersteht. Der Preis eines Merkava-Panzers soll 3,5 Millionen US-Dollar betragen, die Anzahl der gebauten Panzer wird bei der ersten Generation auf 250, bei der zweiten auf 580, bei der dritten auf 780, bei der vierten auf mehr als 600 Exemplare geschätzt.

Zu den Besonderheiten zählt der in die Wannenfront eingebaute Motor, der die vierköpfige Besatzung (Fahrer, Kommandant, Richtschütze und Ladeschütze) zusätzlich schützt. Hinten wiederum hat der Merkava eine Luke, die nicht nur eine schnelle Aufmunitionierung ermöglicht, sondern auch als Hinterausgang fungiert: Auf diese Weise können Schützen den Panzer betreten oder verlassen. Mit seinem Abwehrsystem, „Windbreaker“ oder „Trophy“ genannt, kann der Merkava sich nähernde Raketen oder Granaten erkennen und automatisch zerstören. Dabei werden die Geschwindigkeit und die Entfernung des Luftziels ebenso berechnet wie sein Winkel und sein Startpunkt.

Laut dem österreichischen Nachrichtenportal Futurezone hat die Hamas auf eine Taktik gesetzt, die auch aus dem Ukraine-Krieg bekannt ist: einen Sättigungsangriff. Demnach seien so viele Raketen abgefeuert worden, dass die Luftabwehr überfordert gewesen sei.

Auch eine billige Drohne habe gegen den Panzer Chancen: Die Oberseite sei die Schwachstelle eines Panzers, was ihn anfällig für Drohnenangriffe mache. Das soll die Hamas ausgenutzt haben, wie etwa Videos auf X (ehemals Twitter) zeigen.

Mittlerweile nutzt die israelische Armee das fünfte Modell des Panzers, „Merkava V“ oder auch „Barak“ (hebräisch für ‚Blitz‘) genannt. Er wurde in diesem Jahr als Nachfolger des Modells „Merkava IV“ aus dem Jahr 2003 eingeführt.

Seit mehr als 40 Jahren ist der Merkava, benannt nach dem hebräischen Wort für „Streitwagen“, im Einsatz. Israel sah sich damals gezwungen, sich von Unterstützung anderer Staaten unabhängig zu machen: So hatte etwa Großbritannien im Jahr 1969 eine Zusammenarbeit rund um den Kampfpanzer Chieftain zugunsten arabischer Länder beendet. Die Entwicklung des ersten eigenen Panzers begann 1970, der erste Kampfeinsatz folgte im Libanonkrieg 1982.

Lange wurde der Merkava nur von der israelischen Armee genutzt und nicht an andere Staaten exportiert. In diesem Jahr wurde bekannt gegeben, dass ältere Modelle nach Marokko sowie Zypern geliefert werden sollen.

Aktuell stehen israelische Panzer an der Grenze zum Gazastreifen für eine mögliche Bodenoffensive in dem Palästinensergebiet bereit. Weitere sind auf dem Weg, wie Videos im Internet zeigen. Dem Münchner Merkur zufolge ist der Panzer für einen Kampf in engen Straßen eher ungeeignet, weshalb er besser den Norden gegen die Hisbollah verteidigen könne.

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