Züge zwischen Aurich und Emden Was ist besser – Straßenbahn oder Eisenbahn?
Von Aurich nach Emden sollen wieder Personenzüge fahren. Für das Nadelöhr Moordorf wäre eine Straßenbahn besser geeignet als eine Eisenbahn. Die Sache hat jedoch einen Haken.
Aurich - Eisenbahn, Straßenbahn oder eine Mischung aus beidem? Noch ist unklar, welche Art von Zügen zwischen Aurich und Abelitz (Gemeinde Südbrookmerland) verkehren wird, sollte die Strecke von Aurich nach Emden tatsächlich für den Personenverkehr reaktiviert werden. Der Landkreis Aurich hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnis Ende des Jahres vorliegen soll. Darin werden alle drei Varianten geprüft. Das Ingenieurbüro Emch + Berger (Hannover) ermittelt Investitions- und Betriebskosten und erstellt eine Kosten-Nutzen-Analyse.
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Eine Kombination aus Eisen- und Straßenbahn, das sogenannte Tram-Train-System, wäre vor allem für das Nadelöhr Moordorf mit seinen vielen Bahnübergängen eine gute Lösung. Eine Straßenbahn kann viel besser in den Straßenverkehr integriert werden. Sie kann schneller bremsen und beschleunigen als ein schwerer Zug. Im nicht elektrifizierten Teil der Strecke könnten die Wagen mit Akkus betrieben werden, erklärte Thomas Gehrke vom Verein „Aurich – ran an die Bahn“ am Donnerstag bei einer Informationsveranstaltung in Aurich. Mit diesem System wäre der Aufwand zur Ertüchtigung der Strecke gering.
In 35 Minuten von Aurich nach Emden
Der Fahrgastverband Pro Bahn hat sogar schon einen Fahrplan entworfen. Demnach wären die Züge im Halbstundentakt zwischen Aurich und Emden unterwegs. Die Fahrzeit würde etwa 35 Minuten betragen, zehn Minuten weniger als mit dem Bus. Außerdem wäre deutlich mehr Platz für Passagiere. Die Bahn wäre also schneller, könnte öfter fahren und mehr Fahrgäste befördern als der Bus.
Die Sache mit der Straßenbahn hat allerdings einen Haken: Straßenbahnen gehören wie Busse zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), und für den ÖPNV ist nicht das Land zuständig, es sind die Kommunen – in diesem Fall wäre es der Landkreis Aurich. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums ist das jedoch kein Hindernis für eine Teilnahme am Reaktivierungsprogramm des Landes für stillgelegte Bahnstrecken. „Eine Reaktivierung nach der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung ist eine mögliche Lösung“, sagte Pressesprecher Florian Mosig am Freitag auf Anfrage.
„Man muss miteinander reden“
Der Auricher Landtagsabgeordnete Wiard Siebels (SPD) hingegen sagte auf Anfrage der Redaktion, das Reaktivierungsprogramm des Landes beziehe sich nur auf Linien, die nach der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung ausgebaut werden. „Sollten wir auf Straßenbahnbetrieb umschwenken, würden wir wahrscheinlich aus diesem Programm rausfallen, zumindest teilweise.“ Das aber wäre nicht schlimm, fügte Siebels hinzu: „Weil es für Straßenbahnen mindestens genauso gute Fördermöglichkeiten gibt.“ Das habe ihm das Wirtschaftsministerium versichert.
Malte Diehl von Pro Bahn sieht in der Zuständigkeitsfrage kein Hindernis. „Man muss miteinander reden“, sagte er bei der Infoveranstaltung in Aurich. „Vielleicht findet man ein gemeinsames Konzept.“