Immobilienmarkt in Aurich  „Filetstück“ am Georgswall findet keinen Abnehmer

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 16.10.2023 10:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieses Wohn- und Geschäftshaus am Georgswall ist vor einigen Wochen fertiggestellt worden. Foto: Boschbach
Dieses Wohn- und Geschäftshaus am Georgswall ist vor einigen Wochen fertiggestellt worden. Foto: Boschbach
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Seit Monaten versucht die Firma Kruse Bau eine Gewerbefläche loszuwerden. Doch ein Interessent nach dem anderen springt ab.

Aurich - Das moderne Gebäude aus erdfarbenem Klinker, Beton und Glas an der Ecke Georgswall/Marktpassage steht auf einem „Filetstück“, wie es im Maklerjargon heißt. Also auf einem sehr gut frequentierten, eher hochpreisigen Areal mitten in Aurich. Der Ausdruck Filet führt auch in die Vermarktungsrichtung, die vom Eigentümer der Immobilie, von Kruse Bau aus Schirum, angepeilt worden ist. „Wir würden die Fläche im Parterre gerne an den Betreiber eines Restaurants verpachten oder auch verkaufen“, sagt Junior-Chef Tobias Kruse. Das wäre in seinen Augen perfekt. Dafür habe man die entsprechenden Installationen und Vorkehrungen geschaffen. Es gebe die Möglichkeit, eine Küche mit Fettabscheider und allen technischen Erfordernissen einzurichten.

„Wir hatten auch bereits vor Monaten einen Interessenten. Der ist aber leider abgesprungen“, bedauert Tobias Kruse. Auf Nachfrage sagt er, dass die italienische Restaurant-Kette Da Sergio (Norderney) sich ursprünglich dort etablieren wollte. Das von der Familie Casto geführte Unternehmen betreibt mittlerweile an acht Standorten im Nordwesten Restaurants. Erst im Frühjahr hat ein Lokal in Bad Zwischenahn eröffnet. Nach Informationen dieser Zeitung wollte Dennis Casto, der das Lokal in Aurich an der Leerer Landstraße führt, sich vergrößern und hatte deshalb die Fläche am Georgswall in Betracht gezogen und die Idee dann offenbar wieder verworfen.

Mehrere Makler wurden kontaktiert

Laut Tobias Kruse habe es danach noch einen weiteren Interessenten gegeben, der sei aber abgesprungen. Jetzt versuche man, einen neuen Mieter, Pächter oder Käufer zu finden. „Wir sind, was das angeht, ganz flexibel. Die Wohnungen haben wir zwar verkauft, bei der Gewerbefläche wäre auch eine Anmietung möglich“, sagt Tobias Kruse. Um den Prozess der Vermarktung voranzutreiben, habe er mehrere Makler kontaktiert. Die würden das Objekt jetzt in ihr Portfolio aufnehmen. Es sei technisch auch möglich, die Fläche in vier Parzellen aufzuteilen.

Im Erdgeschoss können 300 Quadratmeter genutzt werden. Zu den finanziellen Konditionen wollte er nichts sagen. In den Obergeschossen sind 13 Wohnungen entstanden, die 70 bis 100 Quadratmeter groß sind. Baubeginn war Anfang 2020. Die Fertigstellung hat länger gedauert als geplant. Ursprünglich war von einem Jahr die Rede gewesen, pandemiebedingt sind daraus etwas mehr als zwei Jahre geworden.

In den vergangenen Jahren hat sich der Immobilienmarkt stark verändert. Durch die gestiegenen Zinsen, die Materialverknappung und andere Faktoren ist die Investitionsbereitschaft vielfach rückläufig. Für eine Top-Gewerbe-Immobilie seien je nach Lage schon mal zwischen 1700 bis 2500 Euro pro Quadratmeter fällig, heißt es aus Branchenkreisen. Der Kauf-Zurückhaltung steht der Verkaufs-Druck der Eigentümer oder Investoren gegenüber. „Der Markt wird in den nächsten Jahren mit Immobilien überschwemmt werden. Das lässt die Preise extrem fallen“, sagte Lars Buck im Gespräch mit der Redaktion. Der Mitarbeiter der Auricher Firma VIP Immobilien ist davon überzeugt, dass man deshalb jetzt alle Hebel in Bewegung setzen müsse, um eine Laden- oder Wohnfläche zu veräußern. Wann das am Georgswall der Fall sein könnte, steht in den Sternen. Tobias Kruse sagte, dass eine Vermarktung an einen Restaurant-Betreiber zwar die erste Wahl sei, er sich aber auch vorstellen könnte, dass dort ein Geschäft eröffnet. Jetzt kommt alles darauf an, was die Akquise durch die Makler bringe.

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