Dauercamper sauer Umstrukturierung am Timmeler Meer sorgt für Unmut
Bis 2026 sollen 30 Dauerstellplätze zu Kurzstellplätzen umfunktioniert werden. Hans-Peter Jenssen ist sauer: Seit fast 40 Jahren hat er seinen Platz – ein Umzug sei so einfach nicht möglich.
Timmel - Hans-Peter Jenssen aus Bad Essen ist sauer. Seit 37 Jahren ist der Campingplatz am Timmeler Meer sein zweites Zuhause – und die Zeit soll ab dem Jahr 2026 vorbei sein. Denn: Der 64-Jährige hat vergangene Woche ein Schreiben der Großefehn Tourismus GmbH, einer Tochter der Gemeinde Großefehn, erhalten. „Die haben jetzt 30 Parzellen für das Jahr 2026 gekündigt“, sagt Jenssen.
Was und warum
Darum geht es: 30 Stellplätze für Dauercamper auf dem Campingplatz am Timmeler Meer sollen ab 2026 für Kurzcamper zur Verfügung stehen. Die jetzigen Mieter sind sauer. Wir haben mit Camper und der Gemeinde gesprochen.
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Deshalb berichten wir: Ein Dauercamper hat uns darauf hingewiesen und wir wollten der Sache nachgehen. Die Autorin erreichen Sie unter: d.cordes@zgo.de
Der Campingplatz am Timmeler Meer umfasst 180 Stellplätze, davon sind 100 für Dauercamper und 80 für Kurzcamper festgelegt. Die Dauercamper haben einen Jahresvertrag. Die 30 Stellplätze, um die es geht, sind direkt am Eingang in einem Kreisel angeordnet. „Gekündigt haben wir niemandem“, sagt Jens Erdwiens von der Großefehn Tourismus GmbH, „wir wollen die Struktur auf dem Campingplatz verändern.“ Die Plätze im Kreisel sollen ab dem Jahr 2026 für Kurzcamper genutzt werden, damit diese nicht über den ganzen Platz fahren müssen, erklärt er. Die Dauercamper im vorderen Kreisel sollen auf hintere Plätze ausweichen. Hans-Peter Jenssen ist sauer: „Wenn man sein halbes Leben auf dem Campingplatz verbracht hat, dann hat man da auch einen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut. Da haben sich super Freundschaften entwickelt – und das wird alles zerstört.“
Dauercamper fühlt sich überrumpelt
Laut Jenssen sind aber viele der Wohnwagen und Bauten nicht mehr dazu in der Lage transportiert zu werden. „Manche Wohnwagen sind verkleidet mit Decken drin, die sind isoliert – wie eine Wohnung eingerichtet. Das können Sie in den Schrott schmeißen“, sagt der 64-Jährige. „Meinen Wohnwagen kann ich nicht mehr umsiedeln – der fährt ja gar nicht mehr. Der ist mit Holz verkleidet.“ Der Dauercamper müsse sich nach eigenen Angaben einen neuen Wohnwagen kaufen. „Eigentlich müssten die Wohnwagen in einem verkehrsfähigen Zustand sein“, entgegnet Jens Erdwiens. Aber er sagt auch: „Man muss sich jeden Einzelfall anschauen – und dann werden wir gemeinsam eine Lösung finden.“
„Die haben uns Dauercamper vor die Wand fahren lassen“, sagt Jenssen. Einige hätten in den vergangenen Jahren erst neue Böden oder Vorzelte eingerichtet, was jetzt hinfällig sei. „Wir wollten die Dauercamper frühzeitig informieren“, erklärt Jens Erdwiens. So können sich die Camper darauf einstellen und sogar schon nach einem neuen Platz Ausschau halten. „Natürlich ist das mit Aufwand verbunden – das ist uns bewusst“, so Jens Erdwiens. Bei einem Umzug helfe die Campingplatz-Verwaltung mit. Das ist auch dem Schreiben, das den Dauercampern zugesandt wurde, zu entnehmen: „Einen Platzwechsel planen wir gerne mit Ihnen gemeinsam und unterstützen Sie dabei seitens der Verwaltung des Campingplatzes tatkräftig.“
Umbau aus finanziellen Gründen?
Im Schreiben der Campingplatz-Verwaltung wird auf die Möglichkeit hingewiesen, schon jetzt umziehen zu können. Vier bis sechs Plätze seien zurzeit frei, so Jens Erdwiens von der Großefehn Touristik GmbH. Der Dauercamper Hans-Peter Jenssen bezweifelt, ob jeder der Mieter einen neuen Platz finden kann. Erdwiens kann diese Angst nehmen: „Wir kriegen das hin.“ Aber: Sollte man sich nicht auf einen Umzug einlassen wollen, würde die Gemeinde zur Kündigung greifen.
Hans-Peter Jenssen wirft der Gemeinde vor, mit der Umstrukturierung mehr Geld verdienen zu wollen. „Aus wirtschaftlicher Sicht ist ein Kurzcamper natürlich interessanter als ein Dauercamper“, gibt Jens Erdwiens zu. Das sei aber „nicht der originäre Ansatz“ gewesen. „Man ist als Kommune dazu verpflichtet, eine Wirtschaftlichkeit des Platzes sicherzustellen“, erklärt er. Der finanzielle Aspekt fließe natürlich mit ein, sei aber nicht der alleinige Punkt. Der Campingplatz in Timmel habe zudem einen vergleichsweise sehr hohen Anteil an Dauercampingplätzen.
Die Dauerstellplatzgebühr im Kreisel liegt bei 1060 Euro. Sollte ein Stellplatz ein ganzes Jahr von Kurzcampern belegt sein, sind die Einnahmen nach eigener Berechnung mehr als viermal so hoch (16 Euro pro Nacht in der Hauptsaison, 12 Euro pro Nacht in der Nebensaison). Da ein Platz aber nur circa 50 Prozent der Zeit ausgebucht sei, könne man eher von doppelt so hohen Einnahmen ausgehen, so Erdwiens, das könne man aber nie so genau sagen.
Persönliches Pech
Ein Kommentar von Denise Cordes
Ich kann den Unmut der Timmeler Dauercamper verstehen – da baut man sich über Jahre ein Zuhause auf, macht es sich gemütlich und freundet sich mit den Nachbarn an. Und dann wird man mit einem Brief abgeschmettert: aus und vorbei die Zeit am Kreisel am Timmeler Meer. Doch: Die Dauercamper wussten doch, dass sie einen Jahresvertrag unterschrieben haben, der zum Ende jedes Jahres beendet werden kann. Warum baut man sich dann Gartenhütten und riesige Vorbauten auf den Platz, die nicht so einfach wieder abgebaut werden können? Wenn ich einen Mietvertrag für eine Wohnung unterschreibe, kaufe ich doch auch nicht eine Küche für tausende Euro, die ich bei einem Umzug nicht wieder mitnehmen kann. Und wenn doch, muss ich mit dem Verlust wohl oder übel klar kommen. Man kann nun mal nicht damit rechnen, dass man bei einem Jahresmietvertrag den Rest seines Lebens an diesem Ort verbringen kann. Die Autorin erreichen Sie unter d.cordes@zgo.de