Vor genau 40 Jahren So kam das Museumsfeuerschiff „Amrumbank“ nach Emden
Auf den Tag genau an diesem Donnerstag vor 40 Jahren traf das Feuerschiff „Amrumbank“ nach seiner Außerdienststellung in Emden an. Eine kleine Chronik der Ereignisse von damals.
Emden - Auf den Tag genau an diesem Donnerstag vor 40 Jahren erreichte das Feuerschiff „Amrumbank“ Emden. Es wurde vom 18. auf den 19. Oktober von Wilhelmshaven in die Seehafenstadt überführt. Acht Tage zuvor war das schwimmende und bemannte Seezeichen von seiner Position in der Deutschen Bucht abgezogen und außer Dienst gestellt worden.
Was und warum
Darum geht es: wie das Museumsfeuerschiff „Amrumbank“ vor 40 Jahren nach Emden kam
Vor allem interessant für: alle, die sich für die Schifffahrt und/oder bürgerschaftliches Engagement oder die Emder Stadtgeschichte interessieren
Deshalb berichten wir: An diesem Donnerstag jährt sich der Tag der Ankunft der „Amrumbank“ in Emden zum 40. Mal. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Ein Kreis von weitsichtigen Emdern, die der Schifffahrt verbunden waren, hatte sich damals um den Veteran als Museumsschiff für die Seehafenstadt bemüht. Etwa zehn Monate nach der Ankunft in Emden war der Umbau des Schiffes zu einem Museum mit Restaurant abgeschlossen. Am 3. August 1984 wurde es mit Schlepperhilfe endgültig an seinen heutigen Liegeplatz im Ratsdelft gebracht.
Heute ist es ein Emder Wahrzeichen
Das Feuerschiff hat sich seitdem zu einem Emder Wahrzeichen entwickelt und ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Der Liegeplatz im Delft war aber lange umstritten. Die Ankunft des Feuerschiffs galt damals als echtes Piratenstück. Verantwortlich dafür war der Emder Lotse Adolf Janssen. Der heutige Ehrenvorsitzende des Betreibervereins hatte am 19. Oktober 1983 vor dem Einlaufen des Schiffes in den Emder Hafen das Kommando übernommen.
Ohne vorherige Absprachen und trotz zu geringer Wassertiefe steuerte Janssen das Schiff weit in den Ratsdelft und damit mitten in die Stadt hinein. Der historische Teil des Emder Hafens galt damals noch als fast unantastbar. Janssen erbrachte mit seinem Überraschungscoup aber den Beweis, dass der von ihm favorisierte Liegeplatz des Feuerschiffs möglich war. Aber auch danach wurde noch lange darum und um Alternativen dazu gestritten.
Unsere Zeitung hat anlässlich des runden Jahrestages eine kleine Chronik zusammengestellt, wie das Feuerschiff vor 40 Jahren nach Emden kam. Die Grundlage dafür bildeten Erinnerungen des Emders Wolfgang Schumann. Er war von 1983 bis Ende 2020 Schatzmeister des Vereins, der das Museumsfeuerschiff betreibt.
Januar 1981: Dem Emder Lotsen Adolf Janssen kommt bei der Überfahrt mit einer Fähre vom englischen Dover in das belgische Ostende die Idee, ein Feuerschiff als Museumsfeuerschiff für Emden zu gewinnen. Er wusste damals, dass die bemannten Seezeichen keine Zukunft mehr hatten und außer Dienst gestellt werden sollten. Im Nautischen Verein zu Emden fand er einige Unterstützer. Darunter war auch der Emder Notar und Rechtsanwalt Dr. Erich Brüggemann, nach dem die Promenade am Ratsdelft benannt ist.
28. Mai 1981: Adolf Janssen, Dr. Erich Brüggemann und sieben weitere Emder gründen den Verein „Museums-Feuerschiff Borkumriff“ zunächst mit dem Ziel, das Feuerschiff Borkumriff für Emden zu sichern. Dieses Schiff steuerte damals regelmäßig für Wartungsarbeiten den Emder Hafen an.
1982: Auch die Städte Borkum und Aurich haben Interesse an der „Borkumriff“ angemeldet. Brüggemann unternimmt im Laufe des Jahres unter anderem mit Unterstützung der Ostfriesischen Landschaft, des Ostfriesischen Landesmuseums sowie des Kunsthallen-Stifters Henri Nannen mehrere Versuche, die „Borkumriff“ für Emden zu sichern. Doch es zeichnet sich ab, dass Borkum den Zuschlag erhalten soll. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes bietet dem Emder Verein als Alternative das Feuerschiff „Amrumbank“ an. Es sollte einige Jahre früher als die „Borkumriff“ außer Dienst gestellt werden. Eine Delegation aus Emden begutachtet im Oktober die „Amrumbank“ in Wilhelmshaven und hält sie als für Emden geeignet.
So berichtete diese Zeitung vor 40 Jahren
Bei der Ankunft des Feuerschiffs „Amrumbank“ in Emden vor 40 Jahren war auch unser Reporter Heiko Müller an Bord. Er berichtete damals am Tag darauf in der Ostfriesen-Zeitung darüber. Unsere Zeitung hat den Bericht von damals aus dem Archiv geholt und veröffentlicht ihn noch einmal im Wortlaut:
Emden hat sein Feuerschiff. Die Seehafenstadt ist damit um eine weitere maritime Attraktion bereichert. Pünktlich um 15 Uhr passierte die „Amrumbank“ gestern Nachmittag mit etwa 70 geladenen Gästen an Bord die Klappbrücke über den Alten Binnenhafen und machte kurze Zeit später unter großer Anteilnahme der Bevölkerung im Emder Ratsdelft fest.
Nach einer Dienstzeit von 65 Jahren hat das 1918 in Dienst gestellte Schiff mit der Bezeichnung „Deutsche Bucht“ damit seinen letzten Ankerplatz erhalten. Mit dem Niederholen der Bundesdienstflagge und dem Setzen der gelb-rot-blauen Emden-Fahne ging das von der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung außer Dienst gestellte Feuerschiff in den Besitz des Emder Arbeitskreises „Museums-Feuerschiff“ über. Auf Initiative des Arbeitskreises wird die „Amrumbank“ als Museumsschiff der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Geprüft werden muß noch, ob der Leuchtapparat, der in einem Zeitraum von zwölf Sekunden zwei Lichtblitze rund 20 Seemeilen weit sendet, in der Stadt in Betrieb bleiben darf.
Noch nicht entschieden ist auch die Frage nach dem endgültigen Liegeplatz. Erste Aufschlüsse darüber sollte ein kurzes „Probeliegen“ an der Ecke „Schreyers Hoek“ bringen. Wie verlautete, soll sich gestern Abend bei der Ankunft der „Amrumbank“ neben diesem und dem möglichen Liegeplatz am Hafentor auch eine weitere Position im vorderen Teil des Ratsdelftes als möglich erwiesen haben. Der Leiter des Wasser- und Schiffahrtsamtes Wilhelmshaven, Siegfried von Lilienfeld-Toal, richtete bei der Außerdienststellung des Feuerschiffes seinen Dank an die zwölfköpfige Besatzung der „Amrumbank“. Als einen „Mosaikstein“ aus einem umfassenden Rationalisierungsprogramm auf dem Gebiet des Seezeichenwesens bezeichnete der Präsident der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Nordwest, Friedrich Köhn, die Übergabe des Feuerschiffes an den Arbeitskreis. Die ständig steigenden Kosten für Betrieb und Unterhaltung haben nach den Worten von Köhn dazu geführt, daß bereits seit Anfang der 60er-Jahre küstennahe Feuerschiffe durch unbemannte Leuchttürme ersetzt wurden.
Emdens Oberbürgermeister Herbert Alberts begrüßte das Feuerschiff als einen „neuen Schwerpunkt der maritimen Entwicklung Emdens“. Alberts weiter: „Hier ist Bürgersinn im wahrsten Sinne des Wortes bewiesen worden.“
Der Sprecher des Arbeitskreises „Museums-Feuerschiff“, Dr. Erich Brüggemann, dankte der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung und wertete die Außerdienststellung als einen „Beweis für die Sparsamkeit der Verwaltung“. Man müsse in Emden alles tun, um im Zentrum neue Anziehungspunkte zu schaffen. Dr. Brüggemann betonte den erforderlichen Idealismus: „Es gibt in Zukunft viel zu tun für unsere Initiative.“ In diesem Zusammenhang appellierte er an die Bevölkerung, den Arbeitskreis mit Spenden zu unterstützen. Das Feuerschiff „Amrumbank“ wurde von 1914 bis 1918 bei der Papenburger Meyer-Werft für 480 000 Mark für das Preußische Verkehrsministerium gebaut. Es ist 52,5 m lang, 8,10 m breit, hat einen Tiefgang von 4,25 m und eine Seitenhöhe von 5,55 m.
Die Feuerschiffsposition Deutsche Bucht bleibt auch nach der Außerdienststellung der „Amrumbank“ besetzt. Hier weist seit dem 10. Oktober das Feuerschiff „Kiel Reserve“ der Schiffahrt den Weg.
4. März 1983: Der Emder Verein benennt sich in „Arbeitskreis Museums-Feuerschiff“ um – ohne den Schiffsnamen „Borkumriff“. Mittlerweile hat sich eine Gruppe aus fachlich versierten und der Schifffahrt verbundenen Emder gebildet, die aktiv an der Planung und dem Umbau des Feuerschiffes mitwirken will.
8. Juli 1983: Der Arbeitskreis erhält die schriftliche Zusage von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, ihm die „Amrumbank“ gegen den Kaufpreis von 18.000 Euro überlassen zu wollen. Es gibt weitere Bedingungen: Der Verein muss sich verpflichten, das Feuerschiff der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und alle Kosten zu tragen, die bei der Verlegung des Schiffes an den künftigen Liegeplatz entstehen.
Oktober 1983: Der Verein lässt 10.000 Medaillen aus Messing und 100 Medaillen aus Silber mit dem Feuerschiff und dem Stadtwappen als Motive prägen. Sie werden für 5 beziehungsweise 45 Mark verkauft. Bis zum Ende des Jahres 1983 kommen knapp 18.000 DM und im Jahr darauf noch einmal knapp 9000 DM aus den Verkäufen zusammen. Der Verein erhält völlig überraschend die Nachricht, dass die „Amrumbank“ schon am 10. Oktober von ihrer bisherigen Position Deutsche Bucht abgezogen wird und er das Schiff am 18. Oktober aus Wilhelmshaven abholen soll.
17./18. Oktober 1983: Die Überführung ist vom 18. auf den 19. Oktober vorgesehen. Der Emder Berufsschullehrer Hermann Kramer, der früher als Maschinenbau - und Schiffsingenieur zur See gefahren war, fährt am 17. Oktober nach Wilhelmshaven voraus, um sich mit der Maschine der „Amrumbank“ vertraut zu machen. Ihm folgten am Tag darauf der spätere Vereinsvorsitzende Dettmar Kramer sowie der Gastwirt und ehemalige Seemann Rolf de Vries (später erster Pächter des Schiffsrestaurants). Gemeinsam mit Feuerschiffskapitän Reinhard Völker und zwei weiteren Mitgliedern der Stammbesatzung überführen sie das Schiff an einem stürmischen Tag nach Emden. Auf der Fahrt gibt es Probleme mit der Ruderanlage. Sie können mit Bordmitteln behoben werden.
19. Oktober 1983: Am Morgen des 19. Oktober kommt der Emder Hafen in Sicht. Der Lotse Adolf Janssen setzt vor der Einfahrt zum Hafen auf das Schiff über, übernimmt das Kommando von Kapitän Reinhold Völker und lotst die „Amrumbank“ in die Nesserlander Schleuse. Dort steigen Mitglieder und Förderer des Vereins zu. Zwei Schlepper bringen das Feuerschiff in den Ratsdelft und auf Kommando von Adolf Janssen bis an das Ufer in Höhe der Faldernstraße. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen an den Ufern die Ankunft des Schiffes. Nach diesem Manöver macht die „Amrumbank“ zunächst für einige Tage beim Hafentor fest.
27. Oktober 1983: Das Feuerschiff kommt ins Trockendock der Nordseewerke. Das Unterwasserschiff wird vom Belag befreit. Außerdem erhält das Schiff einen neuen Anstrich aus roter Farbe. Der Umbau erfolgt im Stichkanal am Duckeldamm in der Nähe der Schiffswerft.
3. /4. August 1984: Der Umbau des Schiffes ist abgeschlossen. Die „Amrumbank“ wird mit Schlepperhilfe an seinen endgültigen Liegeplatz im Ratsdelft gebracht. Tausende kommen am Tag darauf zum „Open-Ship“.Wer braucht die Aida, wenn‘s mit dem Feuerschiff auf die Ems geht?
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