Höhere Löhne, attraktivere Jobs  Immer mehr Ostfriesen kehren ins Gastrogewerbe zurück

Christin Wetzel
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Von Christin Wetzel
| 20.10.2023 09:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Weinglas wird im Restaurant befüllt. Für die Branche im Kreis Aurich ist das Glas wieder halb voll, statt halb leer. Denn immer mehr Mitarbeiter können zurückgewonnen werden. Foto: dpa
Ein Weinglas wird im Restaurant befüllt. Für die Branche im Kreis Aurich ist das Glas wieder halb voll, statt halb leer. Denn immer mehr Mitarbeiter können zurückgewonnen werden. Foto: dpa
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Die Gastronomen in Aurich und Umgebung haben während der Pandemie Mitarbeiter verloren. Doch es gibt Gründe, warum das Personal die Arbeit in Restaurants und Co. wieder attraktiv findet.

Aurich/Wiesmoor. Lange haben Gastronomen im Kreis Aurich mit dem Personalmangel gerungen. Eine große Rolle spielten dabei die Lockdowns während der Corona-Pandemie. Dadurch hatten viele der Gastrobranche den Rücken gekehrt. Als zu unsicher galt die Lage bei Jobs in Restaurants, Cafés und Bars. Doch jetzt kehrt sich der Trend um, wie Anfragen bei Gastronomen im Kreis Aurich zeigen. Immer mehr Mitarbeiter kehren zurück in die gastronomischen Einrichtungen.

„Das Vertrauen kommt wieder“, sagt Arno Fecht vom Verein Auricher Altstadt-Gastronomie. Es gebe inzwischen eine kleine Erleichterung auf dem Personalmarkt. Die Mitarbeiter würden wieder zurück in die Betriebe kehren. Inzwischen sei es sogar wieder so, dass sich die Interessenten aktiv bei den Betrieben in Aurich bewerben, so Fecht. Die Restaurants müssten also nicht mehr umgekehrt um Mitarbeiter ringen. Sondern der Beruf im Gastrogewerbe scheint wieder spannend zu sein.

Trinkgeld fehlte

Während der Pandemie seien viele Mitarbeiter ins Handwerk- und Baugewerbe abgewandert, so Fecht. Dort gab es auch während der Lockdowns viel zu tun. Die Restaurants hingegen mussten lange dicht bleiben. „Wir sind nicht nur einmal, sondern zweimal durch den Lockdown gegangen“, sagt Fecht. Nach dem ersten Lockdown hofften die Gastronomen noch, so etwas würde nicht erneut passieren. Doch dann mussten die gastronomischen Betriebe ein zweites Mal dichtmachen. Die Mitarbeiter wie etwa Aushilfen konnten nicht gehalten werden. Festangestellte konnten zwar Kurzarbeitergeld erhalten. Doch das Entscheidende fehlte. Das Trinkgeld, das einen nicht unerheblichen Teil des Entgelts im Gastrogewerbe ausmacht, blieb aus.

Die Gastronomen im Kreis Aurich standen damit vor den gleichen Problemen wie bundesweit die gesamte Branche. Etwa jeder fünfte fest angestellte Mitarbeiter hat der Gastronomie während der Pandemie den Rücken gekehrt. Das gab die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) jüngst bekannt. Für 2024 werde aber prognostiziert, dass wieder mehr Mitarbeiter in Restaurants und Co. arbeiten werden.

Wie ist die Trendumkehr im Kreis Aurich gelungen? „Der Job ist immer anders und vielfältig. Kein Kunde ist wie der andere“, sagt Erich Wagner, Hotel zur Post in Wiesmoor und 1. Vorsitzender des Dehoga-Bezirksverbandes Ostfriesland. Vor allem die jüngeren Arbeitnehmer suchten die Abwechslung im Berufsleben. Diese würde die Gastronomie aus Wagners Sicht mehr bieten, als andere Berufe. Nicht nur ins Baugewerbe, auch in den Einzelhandel und zu Versanddienstleistern waren die Mitarbeiter abgewandert. „Das Problem ist sehr groß“, sagt Wagner. Doch die jungen Mitarbeiter kehrten nun zurück. Die Abwechslung im Job allein ist allerdings nicht der einzige Grund dafür.

Geheimrezept führt zu neuen Mitarbeitern

Inzwischen habe sich bei den Löhnen eine Menge getan. Weit über den Mindestlohn werde bereits in den Betrieben gezahlt, so Fecht. Noch dazu käme das Trinkgeld, das die Gehälter ordentlich aufstocke. Außerdem versuchen die Gastronomen, deutlich flexibler als Arbeitgeber zu sein. „Nicht jeder muss jedes Wochenende arbeiten“, sagt Wagner. Die Abteilungen dürften etwa bei ihm im Betrieb die Dienstpläne selbst erstellen. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter nach Freizeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden so stärker berücksichtigt. Eine große Rolle spielen die Minijobs in der Gastrobranche, wie beide befragten Gastronomen bestätigen. Das entspricht auch dem Bundestrend, ist aber laut der NGG auch nicht unüblich in der Branche. Allerdings gebe es auch wieder mehr Festangestellte, so Fecht.

Und wie locken die Gastronomen vor allem junge Mitarbeiter nach Ostfriesland, weg von großen Städten? Social Media ist da ein Geheimrezept von Familie Wagner aus Wiesmoor. Sohn Henning Wagner wirft in einem Instagram-Beitrag symbolisch die Kusshand. Er bedankt sich so für die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern. Auch gibt er regelmäßig Einblick in die Arbeit in der Küche des Restaurants. Das habe schon zwei neue Lehrlinge in den Betrieb geführt, so Erich Wagner. Dieses Geheimrezept will er nun mit seinen Kollegen bei einer geplanten Fachtagung in diesem Herbst teilen.

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