Investor stellt Pläne im Bauausschuss vor  Neues Baugebiet in Rahe erhitzt die Gemüter

Rebecca Kresse
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Von Rebecca Kresse
| 21.10.2023 08:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dieser rund 5500 Quadratmeter großen Fläche am Boomweg soll gebaut. Foto: Romuald Banik
Auf dieser rund 5500 Quadratmeter großen Fläche am Boomweg soll gebaut. Foto: Romuald Banik
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Unternehmer Ingo Eschen will im Auricher Ortsteil Rahe 20 neue Wohneinheiten bauen.

Aurich - Zwei Vierfamilienhäuser und sechs Doppelhäuser sollen in Aurich Rahe auf einer rund 5500 Quadratmeter großen Fläche am Boomweg entstehen. Diese Pläne präsentierte Bauunternehmer und Investor Ingo Eschen am Donnerstag im städtischen Bauausschuss. Doch mit diesem Vorhaben sind viele Raher nicht einverstanden. Auch das machten sie der Politik am Donnerstag deutlich.

In einem der Vierfamilienhäuser sollen nach den Plänen von Eschen Sozialwohnungen entstehen. „In kleiner Bauweise, die sich der Ortschaft anpasst“, sagte Eschen. Anders als in anderen Bereichen sei hier keine große Bebauung geplant. Auf dem Gebiet befinden sich zurzeit zwei markante Eichenbäume. Diese sollen auch künftig erhalten bleiben. Der Investor will den für das Gebiet vorgeschriebenen Kinderspielplatz unterhalb der Eichen anlegen. Zur umgrenzenden Bebauung haben die neu geplanten Häuser mindestens 30 bis hin zu 80 Metern Abstand.

Flächennutzungsplan gibt Bebauung her

Die geplanten Doppelhäuser haben etwa eine Wohnfläche von 75 Quadratmetern. Die Wohnungen im Vierfamilienhaus haben im Erdgeschoss eine Wohnfläche von 63 Quadratmetern, im Dachgeschoss etwa 56 Quadratmeter. Die Gebäudehöhen lehnen sich mittlerweile an die Höhen der umliegenden Gebäude an. Die maximale Firsthöhe bei den Vierfamilienhäusern wird acht Meter betragen. Die Doppelhäuser sind 6,40 Meter hoch geplant. Die umliegenden Wohngebäude sind zwischen 7,10 Meter und 8,80 Meter hoch. Eschen plant mit einer Warmmiete von 800 bis 900 Euro.

So stellt sich Investor Ingo Eschen das Baugebiet in Rahe vor. Am Donnerstag präsentierte er die Pläne im städtischen Bauausschuss Foto: Rebecca Kresse
So stellt sich Investor Ingo Eschen das Baugebiet in Rahe vor. Am Donnerstag präsentierte er die Pläne im städtischen Bauausschuss Foto: Rebecca Kresse

Der Flächennutzungsplan gibt diese Bebauung grundsätzlich her. Es handelt sich um ein Mischgebiet. Im südlichen, westlichen und östlichen Bereich gibt es bereits eine Wohnbebauung. Das sehen die Anwohner von Rahe anders. Die Anwohner sind nicht generell gegen eine Bebauung, wie Alfred Bagger in einer Stellungnahme sagte. Nur, dass die Anwohner keinen Investor wollen, der 20 Wohneinheiten vermietet. „So haben wir uns die Bebauung nicht vorgestellt. Das Landschaftsbild und die dörfliche Struktur geht dadurch verloren“, sagte Bagger. Die Raher wollen mehrere Besitzer der Grundstücke. Zunächst wurde nicht klar, warum das so wichtig für die Anwohner ist.

Raher wollen selbst profitieren

Stattdessen führten sie die Zuwegung und die Entwässerung an, die schon jetzt ein Problem in Rahe sei. Auch wünschen sie sich nicht eine Sackgasse, die vom Boomweg abgeht, sondern eine zusammenhängende Verkehrsplanung für weitere Baugebiete in dem Bereich, die in den kommenden Jahren noch folgen könnten. Die Raher störten sich nach eigenen Aussagen daran, dass das geplante Baugebiet groß und massiv ist. Heidi Bagger unterstützte ihren Mann und sagte: „Diese Dichte der Bebauung ist dort nicht üblich und passt nicht ins Ortsbild.“

Und dann fällt der Satz, der zeigt, womit die Raher anscheinend vor allem Probleme haben: „Uns stört, dass ein Investor, der dort nicht wohnt, das Gelände kauft, dort vermietet und für Rahe fällt nichts ab. Es wäre ja schön, wenn sich die Rahester beteiligen könnten“, sagte Alfred Bagger.

Politik will sich Situation vor Ort ansehen

Dabei ist Ingo Eschen nicht irgendein Investor, der vor Ort seine Baupläne maximal zu Geld machen will, wie er deutlich machte. „Ich will da kein Ghetto hinbauen, wie es manche Fraktionen gesagt haben“, wehrte sich Eschen. Er selbst will das Gebiet als Investor behalten. „Ich sehe das als langfristiges Renditegeschäft für mich“, sagte Eschen. Es werde ein Gärtner und ein Verwalter vor Ort tätig sein. Er selbst „hasse es“, wenn Investoren etwas planen, ausschlachten, verkaufen und dann Tschüss sagt. „Wo ich komme, da bleibe ich“, betonte der Bauunternehmer, der auch in der Auricher Hafenstraße ansässig ist. In Rahe werde es immer einen Ansprechpartner geben. Außerdem suche er sich die Mieter vernünftig aus. Seine Mietobjekte zeichneten sich dadurch aus, dass es wenige Mieterwechsel gebe.

Die Verwaltung empfahl die Aufstellung des Bebauungsplanes. Denn die angedachte Fläche ist laut Stadtplaner Mirko Wento im Siedlungsentwicklungskonzept enthalten. Wann und ob die Flächen rundherum bebaut werden, sei vollkommen unklar. Zum Konzept sagte Wento: „So wie das sich jetzt darstellt, sehen wir das an der Stelle für verträglich an.“

All das nützte am Donnerstag zunächst nichts. Der Bauausschuss stellte die Entscheidung zur Änderung des Flächennutzungsplanes Rahe/Boomweg und die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit zurück – auch weil der Ortsrat zunächst noch seine Stimme dazu abgeben soll. Der Bauausschuss einigte sich darauf, sich die Situation in Rahe bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin anzusehen.

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