Neue Hiobsbotschaft Bau des Emder Festspielhauses verzögert sich bis ins Frühjahr
Es gibt wieder schlechte Nachrichten von einer der großen Emder Dauerbaustellen. Bis zur Eröffnung des Festspielhauses dauert es noch etwa ein halbes Jahr. Wie geht es jetzt weiter?
Emden - Nächste Hiobsbotschaft von einer der großen Dauerbaustellen in Emden: Die Fertigstellung des neuen Festspielhauses am Wall wird sich noch weit bis ins nächste Jahr hinziehen. Das geht aus einem internen Schreiben der Chefin von Kulturevents Emden, Kerstin Rogge-Mönchmeyer, an die Mitglieder des Emder Stadtrates hervor, das dieser Zeitung vorliegt. Demnach wird der Umbau des ehemaligen Neuen Theaters an der Theaterstraße nicht vor dem Frühjahr abgeschlossen.
Was und warum
Darum geht es: um weitere Verzögerungen beim Bau des neuen Festspielhauses am Wall in Emden
Vor allem interessant für: alle Kulturfreunde in der Region, die gerne ins Theater, zu Konzerten oder in die Oper gehen sowie diejenigen, die sich für den schleppenden Fortschritt bei öffentlichen Bauvorhaben interessieren
Deshalb berichten wir: Unserer Redaktion ist ein an die Mitglieder des Stadtrates gerichtetes, internes Schreiben der Emder Kulturchefin zu Händen gekommen. Daraus geht hervor, dass es weitere Verzögerungen um Monate beim Festspielhaus gibt. Wir ordnen das ein. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Damit verzögert sich der Abschluss des im Sommer 2021 begonnenen Millionen-Vorhabens um etwa ein weiteres halbes Jahr. Zuletzt hatte der städtischen Kulturbetrieb Kulturevents die Eröffnung des Festspielhauses für diesen Herbst angepeilt und das auch wiederholt so kommuniziert. Rogge-Mönchmeyer hatte sich im September bei einer Sitzung des Kulturausschusses des Rates noch vorsichtig optimistisch geäußert, dieses Ziel erreichen zu können. Allerdings sagte sie das stets unter dem Vorbehalt, das alles mitlaufen müsse und es zu keinen weiteren Komplikationen kommen dürfe.
Vorhaben steht unter keinem guten Stern
Das Projekt steht seit Beginn unter keinem guten Stern. Beim Start des Umbaus im Juni 2021 war noch das ehrgeizige Ziel ausgegeben worden, etwa ein Jahr später zum Emder Filmfest fertig zu werden. Doch daraus wurde nichts: Die Corona-Pandemie machte damals schnell einen Strich durch diese Rechnung. Aber auch danach kam es immer wieder zu neuen Verzögerungen.
Die jüngste Hiobsnachricht kommt aber nicht ganz unerwartet. Denn bereits in den vergangenen Wochen und Tagen hatte Kulturevents häppchenweise die Verlegung von mehreren Veranstaltungen öffentlich angekündigt, die in diesem Winter eigentlich im Festspielhaus geplant waren. Das deutete schon darauf hin, dass der Umbau länger dauern wird.
Gerät die ganze Spielzeit ins Wanken?
Schon im August hatten sich die Verantwortlichen des Kulturbetriebs dazu gezwungen gesehen, das Programm der städtischen Theater- und Konzertveranstaltungen in der Spielzeit 2023/2024 umzuplanen. Das betraf aber zunächst nur elf Termine, die im Zeitraum bis zum 10. November ursprünglich im neuen Festspielhaus vorgesehen waren. Sie wurden in andere Spielstätten verlegt.
Mittlerweile dürfte aber wohl die komplette Spielzeit ins Wanken geraten, zumal zwischen Ende Januar und Anfang März mit Konzerten und Theater nicht auf die Nordseehalle ausgewichen werden kann. Für diesen Zeitraum plant Kulturevents nämlich die sechste Ausgabe des Wintersportvergnügens „Eiszeit“ in Ostfrieslands größter Mehrzweckhalle.
Lichtleiste aus China ließ lange auf sich warten
„Sicherlich werden nicht nur die kommenden Wochen, sondern sicherlich auch die Monate im neuen Jahr für alle Beteiligten eine Herausforderung“, heißt es in dem Schreiben von Kerstin Rogge-Mönchmeyer an die Ratsmitglieder. Derzeit liefen die Planungen für die Veranstaltungen in der Saison 2024 auf Hochtouren.
Zuletzt waren der Bau des Festspielhauses im Sommer ins Stocken geraten, weil die Lieferung einer speziellen Lichtleiste aus China für die Deckenkonstruktion des Theatersaals sieben Wochen lang auf sich warten ließ. Das etwa zehn Meter lange Teil ersetzt einen Lichtstrang, der vor der Montage bei anderen Arbeiten beschädigt worden war und deshalb nachbestellt werden musste.
Gerüst im Veranstaltungssaal steht noch
Dadurch verzögert sich der Innenausbau des neuen städtischen Kultur- und Kongresszentrums. Denn auf der gesamten Fläche des Veranstaltungssaals steht nach wie vor ein sogenanntes Flächengerüst, das den Installateuren ein sicheres Arbeiten in der Höhe ermöglichen soll. Es ist für den Einbau der Zwischendecke aus speziellen Akustiksegeln und Lichtelementen notwendig.
„Wir hoffen, dass wir zum Monatsende das Gerüst aus dem Veranstaltungsraum entfernen können“, heißt es in dem Schreiben der Chefin des städtischen Kulturbetriebs vom Freitag. Dann könne auch die weitere Technik installiert und eingerichtet werden. Man hoffe, bis Mitte November alle Deckensegel, die Beleuchtung und die restliche Lautsprechertechnik im Saal installieren zu können.
Kein Wort zur Entwicklung der Kosten
Auch die Außenanlagen des Festspielhauses sollen den Angaben von Rogge-Mönchmeyer zufolge „in den nächsten Wochen“ fertiggestellt werden, falls die Witterungsbedingungen es erlauben. Dazu gehören beispielsweise der Bau einer Rampe für Rollstuhlfahrer, die Montage eines Löschwassertanks und Pflasterarbeiten. Die Ausschreibung dieser Arbeiten habe wiederholt werden müssen, weil im ersten Anlauf viel zu hohe Angebote eingegangen seien, schreibt Rogge-Mönchmeyer. Das neue Verfahren sei mittlerweile erfolgreich abgeschlossen worden.
Zur Entwicklung der Kosten für das neue Festspielhauses äußert sich die Kulturevents-Chefin in dem Schreiben nicht. Im August hatte sie dieser Zeitung gesagt, dass sie Verteuerungen nicht ausschließe. Zuletzt lagen die Kosten für den gesamten Umbau bei etwa 5,8 Millionen Euro. Ursprünglich war man von 4,7 Millionen Euro ausgegangen worden. Etwa 2,7 Millionen Euro fließen als Zuschüsse vom Land Niedersachsen in das Vorhaben.
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