Kritik nach Plänen Inhaber des Seniorenhuus‘ in Greetsiel will Lösung noch in diesem Jahr
In der Diskussion um das Seniorenhuus haben sich Bürgermeisterin und Inhaber gemeldet. Eine Lösung muss offenbar noch dieses Jahr her. Doch die Suche nach Investoren gestaltet sich schwierig.
Greetsiel - Als am Seniorenhuus in Greetsiel ein Plakat aufgehängt wurde, auf dem angekündigt wurde, dass dort künftig Urlauber statt ältere Leute wohnen sollen, löste das im Fischerdorf eine Welle des Protests aus. Mitte September nahmen rund 300 Personen an einer Kundgebung gegen die öffentlich gewordenen Pläne des Investors und Inhabers Gunnar Sanders aus Emsdetten teil. Der hatte zuvor bei einer von der Gemeinde organisierten Informationsveranstaltung zwar Rede und Antwort gestanden, die Wogen geglättet habe das aber nicht, beklagt der Arbeitskreis zum Erhalt der Einrichtung. Das hätte nicht zuletzt auch die große Beteiligung an der Demonstration gezeigt.
Was und warum
Darum geht es: das Seniorenhuus in Greetsiel
Vor allem interessant für: alle, die die Diskussion um die Einrichtung im Fischerdorf verfolgen; Pflegebedürftige und deren Angehörige
Deshalb berichten wir: Wir haben nachgefragt, wie der aktuelle Stand der Dinge ist, nachdem der Arbeitskreis uns zu einem Treffen eingeladen hatte. Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de
Beim elfköpfigen Arbeitskreis herrscht Unmut darüber, wie in dieser Sache mit den Bürgerinnen und Bürgern umgegangen wurde. Bei einem Treffen im Greetsieler Feuerwehrhaus machten die Mitglieder dies nun in der vergangenen Woche noch einmal gegenüber dieser Zeitung deutlich. Nach der Demo sei es zwar ruhig geworden um den Protest. Untätig seien die Mitglieder aber keinesfalls gewesen, betonte Alfred Jacobsen. Es hätten einige Treffen stattgefunden, so der SPD-Ratsherr. Er und die anderen Mitglieder erhoffen sich nach wie vor, dass für das Seniorenhuus ein Kompromiss gefunden und der gefürchtete „Ferienpark“ im Ortszentrum abgewendet werden kann. Kritisiert wurde erneut, dass bei vielen das Gefühl herrsche, dass in der Sache viele Gespräche „hinter verschlossenen Türen“ stattfinden.
Investor „gezwungen, noch in diesem Jahr eine Lösung zu präsentieren“
Dafür hat auch Gunnar Sander Verständnis. Diese Zeitung hatte den Betreiber und Mitinhaber aus Emsdetten aktuell noch einmal gefragt, wie der jetzige Stand der Dinge ist. Es gebe Kontakt über die Touristik Greetsiel zu Projektentwicklern, die sich aber mehr mit Gewerbe oder alternativen Hotelkonzepten wie zum Beispiel „Bed and Breakfast“ beschäftigen würden. „Aber dazu gibt es noch keine konkreten Planungen. Darüber hinaus sind mir keine alternativen Lösungsvorschläge bekannt“, so Sander.
Für die sich daraus ergebene Problematik habe er zwar grundsätzlich Verständnis. „Ich bin allerdings gezwungen, für das Objekt eine wirtschaftliche Folgenutzung zu realisieren. Daher muss ich noch in diesem Jahr eine Lösung präsentieren. Wie die aussehen kann, dafür bin ich zu allen Seiten offen.“ Das hatte der Unternehmer auch schon zuvor bei der Infoveranstaltung und in den Gesprächen mit dieser Zeitung so mitgeteilt. „Es muss für uns oder einen anderen Investor jedoch ‚machbar‘ sein. Dazu etwas Passendes zu finden, erscheint mir zumindest die größte Hürde zu sein“, schreibt er.
Suche gestaltet sich schwierig
Diesen Stand der Dinge bestätigt auf Nachfrage auch Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos). „Es wurden Gespräche geführt, Unterlagen verschickt und Kontakte vermittelt. Konkrete Ergebnisse können noch nicht gemeldet werden“, schreibt sie. Die potenziellen Interessenten wollten sich aber bisher nur unverbindlich informieren und legten daher Wert auf Vertraulichkeit.
„Offen gesagt und auch von mir so kommuniziert wurde, dass bei allen Anfragen, egal ob bei der AWO, Kirche, Caritas, privaten Betreibern ... von einer ‚Branche in der Krise‘ gesprochen wurde, die aus unterschiedlichen Gründen [...] in wirtschaftliche Probleme geraten ist“, so Hilke Looden. Das habe schon mehrfach zur Schließung von Einrichtungen geführt und werde wohl auch zukünftig zu weiteren Schließungen führen. „Das heißt, es wird schwer werden, jemanden zu finden, der das Objekt künftig weiter als Pflege-/Seniorenheim betreiben will und kann.“
Korrekter Antrag müsste genehmigt werden
Beim Arbeitskreis sorgt das für Frust. Die Mitglieder erhoffen sich, dass die Entstehung der Ferienwohnungen eventuell dadurch aufgehalten werden könnte, dass sich der Landkreis gegen die zu beantragende Nutzungsänderung und gegen die Konzentration von Ferienwohnungen im Fischerdorf aussprechen könnte.
Doch: „Sowohl die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises als auch die Verwaltung der Gemeinde können nicht nach eigenem Ermessen, eine beantragte Nutzungsänderung oder ihr Einvernehmen dazu verweigern. Wenn die rechtlichen Vorgaben für diese Nutzungsänderung erfüllt sind, muss sie genehmigt werden. Darauf hat jeder Antragsteller einen rechtlichen Anspruch“, schreibt Hilke Looden.
Laut Reiner Müller-Gummels, Sprecher des Landkreises Aurich, ist ein solcher Antrag bisher aber auch noch nicht eingegangen. Auch Gunnar Sander bestätigt, dass es über den bisherigen Planungsstand hinaus noch keine Anträge oder Ähnliches gegeben habe.
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